Magdeburg l Aufgerufen zum Warnstreik hatte die Gewerkschaft Verdi die Tarifbeschäftigten, Auszubildenden und Praktikanten unter anderen bei der Landeshauptstadt Magdeburg, dem Eigenbetrieb Kindertagesstätten, der städtischen Abfallwirtschaft und der Trinkwasserversorgung. Für die Magdeburger gab es einige Einschränkungen - die Volksstimme sah sich um:

Kindertagesstätten: In und vor den städtischen Kitas herrscht am frühen Morgen gespenstische Stille. Wo sonst schon Gewimmel herrscht, ist alles dunkel und leer. Aushänge und Schilder, die auf den Warnstreik hinweisen, erklären, warum das so ist. Eine Stichprobe in der Zeit zwischen 6.30 und 7.30 Uhr an einigen der städtischen Einrichtungen zeigt, dass offenbar die Nachricht vom Ausstand der Erzieherinnen auch tatsächlich alle Eltern erreicht hat. Denn in der Zeit sind keine Eltern zu sehen, die ihr Kind in die Kita bringen möchten. Verdi hatte am Montag kurzfristig den Streik bekanntgegeben. Noch am Dienstag war Kritik laut geworden, dass nicht alle Eltern informiert waren.

Bürgerbüros: Zutritt bekommt am Mittwoch nur, wer auch einen Termin hat. Das sorgt beispielsweise vor dem Bürgerbüro Mitte für so manche Diskussion. Doch auch hier wie in anderen Bereichen der Stadtverwaltung haben Beschäftigte ihre Arbeit niedergelegt. Wer nur kurz etwas zu klären hat, konnte Glück haben, schnell „dazwischengeschoben“ zu werden, alle anderen müssen heute wiederkommen. Mehr ginge angesichts des Warnstreiks und des fehlenden Personals nicht, heißt es.

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Wertstoffhöfe: Die drei Wertstoffhöfe der Landeshauptstadt sind geschlossen. Nicht jeder aber hat das mitbekommen. Immer wieder kommen Magdeburger, die etwas los werden wollen. Während einige am Wertstoffhof Hängelsberge grummelnd umdrehen, nehmen es andere wie Bärbel Nether aus Ottersleben gelassener: „Dann komme ich eben morgen wieder“. Ab Donnerstag ist wieder geöffnet.

Demonstration am Rathaus: Ab 8 Uhr versammeln sich die Streikenden. Etwa 250 sollen es sein, heißt es später. Transparente, Trillerpfeifen und Rasseln haben sie mitgebracht, um ihrem Unmut über das Tarifangebot der Arbeitgeberseite Ausdruck zu verleihen. 3,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt in drei Jahresstufen ist nicht akzeptabel, heißt es. Hinzu komme, dass sie noch vier Jahre lang eine Stunde pro Woche mehr arbeiten sollen als ihre Kollegen im Westen. Erst 2023 beziehungsweise 2024 soll die Arbeitszeit angeglichen werden.

Verdi-Tarifkoordinatorin Manuela Schmidt lässt auf der Kundgebung keinen Zweifel daran, dass mit dem vorgelegten Angebot so kein Abschluss möglich sei. Man stelle sich auf harte und lange Verhandlungsrunden ein. Susanne Wiedemeyer, Landes-Chefin des Deutschen Gewerkschaftsbundes, erinnert daran, dass der öffentliche Dienst noch im Frühjahr und Sommer wegen des Einsatzes in der Corona-Pandemie gelobt und beklatscht wurde. „Zurzeit vergessen alle, dass ihr systemrelevant und unverzichtbar seid. Und dass ihr mehr verdient habt als dieses Angebot“, sagt sie.

Jetzt blicken nicht nur die Magdeburger Beschäftigten mit Spannung auf die Verhandlungen.