Magdeburg l Bekommen kleinere Vereine ausreichend Möglichkeiten für Trainingszeiten? Wo gibt es vielleicht Reserven? SPD-Stadtrat Christian Hausmann wollte das genauer wissen. Hintergrund: Zunehmend gebe es Unmut über nicht ausreichende oder ungünstige sowie durch größere Sportvereine geblockte, aber ungenutzte Hallenzeiten, stellte Hausmann fest. Es sei zwar gut, dass die Stadt gemäß ihrer Sportförderrichtlinie ihre Hallen auf Antrag auch ohne Betriebskostenbeteiligung zur Verfügung stelle. Doch offenbar gibt es für ihn Klärungsbedarf in Sachen Gleichbehandlung. Hausmann verlangte daher eine genaue Aufschlüsselung zu Nutzern, Nutzungszeiten sowie möglichen Reserven.

Die Stadtverwaltung kam dem nach, legte eine Analyse zu allen 67 kommunalen Sporthallen vor. Fazit: Große Hallen mit einer Nutzfläche über 1000 Quadratmeter werden intensiver gebucht als kleinere Hallen. Die großen Hallen werden z. B. für Handball oder Fußball benötigt. Die Auslastung liege hier in den Wintermonaten bei 96 Prozent. Praktisch gebe es keine freien Kapazitäten, da die wenigen Freizeiten bei 30 Minuten (meist 21.30 bis 22 Uhr) liegen, die nicht als Trainingseinheit vergeben werden könnten. Kleinere Hallen haben laut Verwaltung im Winter eine Auslastung von 82 Prozent (im Sommer 68 Prozent; große Hallen: 87 Prozent).

Die Unterschiede in der Auslastung im Sommer und Winter seien hauptsächlich auf die Nutzung durch die Fußballer zurückzuführen. Naturgemäß lassen Wetter- und Lichtverhältnisse in der kalten Jahreszeit kaum Trainingsbetrieb im Freien zu. Weitere Nutzer, die gerade im Winter Sporthallenzeiten anfragen, sind u. a. Sportarten wie Tennis, Beachvolleyball, Baseball, Rugby, American Football, Leichtathletik oder Wassersportarten wie Kanu und Rudern.

Verträge sind einsehbar

Im Jahr 2018 wurden an 184 Vereine bzw. Nutzergruppen Zeiten in den Stadt-Sporthallen vergeben. Diese öffneten im Schnitt wochentags zwischen 16 und 22 Uhr sowie an Wochenenden von 7 bis 22 Uhr ihre Türen für Übungs- und Trainingszwecke. Darunter sind Schulsporthallen ebenso wie Hallen, die vom Fachbereich Schule und Sport bewirtschaftet werden (z. B. Hermann-Gieseler-Halle). Neben Schulen und Sportgruppen gehörten auch private Sportgruppen, Kitas, die Berufsfeuerwehr, Polizei, Bundeswehr und Betriebssportgruppen zu den Nutzern. Teilweise nutzen auch Schulen, wie das Geschwister-Scholl-Gymnasium, Sporthallen bis in die Abendstunden, so ergab die Auswertung.

Die Stadt hat hierbei rund 1800 Verträge für wiederkehrende sowie 1275 Verträge für einzelterminliche Nutzungen (Sonderveranstaltungen) geschlossen. Die Verträge könnten im Fachbereich Schule und Sport eingesehen werden, heißt es zur Frage der Transparenz. Für Anfragen zu den Nutzungszeiten stünden die Mitarbeiter „gern zur Verfügung“, so das Angebot der Verwaltung.

Aber werden bei der Vergabe möglicherweise größere Vereine bevorzugt? Hierzu kommt von der Verwaltung ein klares Nein. Die Vergabe erfolge „nicht willkürlich“ und es gebe auch „keine Vorrangbehandlung“ für größere Vereine. Die Sportstättenverordnung lege die klare Rangfolge für die Vergaben fest. Priorität haben: 1. Schulen zu den Unterrichtszeiten; 2. Kinder- und Jugendsport der Sportvereine und der Schulen (AG-Sport); 3. Kinder- und Jugendsport sonstiger gemeinnütziger Träger; 4. Erwachsenensport der Sportvereine; 5. Lehrersport; 6. Erwachsenensport sonstiger gemeinnütziger Träger; 7. nichtorganisierte Einzelpersonen oder Personengruppen.

Der Fachbereich Schule und Sport entscheide über die Vergabe der Hallenzeiten. Dabei spielten Faktoren wie Mitgliederzahlen, Anzahl der Sportler, Altersbereich, Leistungsklasse und die Gesamtsituation der Nutzungszeiten eine Rolle. Da in größeren Vereinen viele Mitglieder organisiert seien, hätten diese schon deshalb mehr Nutzungszeiten. Dies ergebe sich allerdings nicht aus einer Vorrangbehandlung, sondern aus der Anzahl der Sportgruppen. So gebe es bei den 184 Nutzern auch viele kleine Vereine oder Sportgruppen. Eine zusätzliche Reservierung/Blockung freier Zeiten würde das Gesamtangebot für alle Sportgruppen unnötig einschränken, argumentiert die Stadt.