Magdeburg l Nun ist Magdeburgs wohl heruntergekommenster Bahnhof auch deutschlandweit als ebensolcher bekannt. In der ARD-Sendung „Vorsicht, Verbraucherfalle!“ wurde der Neustädter Haltepunkt kürzlich als Negativbeispiel präsentiert. Dabei ist das unter Denkmalschutz stehende Eingangsgebäude an sich ein wahres Schmuckstück. Nur sein Zustand verschlechtert sich seit Jahren.

Magdeburgs Oberbürgermeister Lutz Trümper hatte vom Stillstand jetzt die Nase voll und bat den Eigentümer zum persönlichen Gespräch ins Rathaus. Immobilienkaufmann Stefan Euer hatte das Objekt vor drei Jahren von der Main Asset Management GmbH gekauft, die ihrerseits zuvor ein Paket mit Hunderten Bahnhöfen in ganz Deutschland von der Deutschen Bahn erworben hatte.

Stadt zahlt zu wenig

Weil das Gebäude täglich mehr verfällt und Euers Pläne für eine Taekwondo-Schule bislang nicht umgesetzt wurden, machte Trümper dem Eigentümer nun ein Kaufangebot. Doch sowohl dieses als auch ein weiteres, höheres habe er abgelehnt, wie Euer erklärt. Er sei schließlich Geschäftsmann. Circa 90.000 Euro soll er für das Bahnhofsgebäude bezahlt haben. Laut Euer soll das Angebot der Stadt nur unwesentlich darüber gelegen haben. Dabei habe er bereits eine sechsstellige Summe für die Planung investiert, sagt er.

Trümper spricht hingegen von einem fairen Preis, ohne Zahlen nennen zu wollen. „Der Zustand des Bahnhofs ist eine Katastrophe“, sagt er, den er sich nicht länger ansehen habe wollen. Da Stefan Euer ihm gegenüber aber erklärt habe, die Pläne für den Umbau beim zuständigen Eisenbahnbundesamt jetzt einzureichen, wolle er nun zunächst abwarten und ihm kein neues Kaufangebot unterbreiten, erklärt er.

Pläne für Taekwondo-Studio

Euer sagt der Volksstimme, dass die Pläne Ende des Monats vorliegen. Wie lange die Prüfung dauert, wisse er nicht. Er beschwert sich über die vielfachen Einbrüche, „Dachfenster und Kupferrohre wurden schon gestohlen“. Für die oft kritisierte Reinigung der Zuwegung zum Bahnhof sei allerdings nicht er, sondern die Deutsche Bahn zuständig. Neben dem Taekwondo-Studio, das er selbst leiten wird - er betreibt den Kampfsport seit 30 Jahren - sollen auch zwei Wohnungen im Obergeschoss entstehen. Die Bahnpassagiere sollen seiner Vorstellung nach über einen Nebeneingang hinter der Haupthalle zu den Bahnsteigen gelangen.

 Er könne das Objekt auch für die Stadt entwickeln, sagt er, nur müsse der Preis stimmen. „Das Sportstudio kann ich auch anderswo einrichten“, meint er.

Die Stadt hatte bereits einmal die Chance, das Gebäude zu erwerben. Beim Verkauf an Euer hat sie aber vom Vorkaufsrecht nicht Gebrauch gemacht. Trümper meint dazu: „Wir können nicht der Lückenbüßer sein. Es ist eigentlich nicht Aufgabe der Stadt, es zu nutzen.“ Angesichts des Zustands hatte sich seine Meinung zwischenzeitlich geändert. Nun liegt die Hoffnung auf einem schnellen und positiven Baubescheid.