Magdeburg l Bauland in der Magdeburger Innenstadt und in Innenstadtnähe ist knapp und somit auch die Nachfrage dafür groß. Folglich wäre eine Grundstücksfläche von fast 11.000 Quadratmetern Größe ein interessantes Objekt für Investoren — wenn nicht gerade ein ehemaliges Gefängnis darauf stehen würde.

Das ist bei der vom Land aufgegebenen Justizvollzugsanstalt (JVA) an der Halberstädter Straße/Ecke Sudenburger Wuhne der Fall. Seit der „Knast“ 2013 geschlossen wurde, weil in Burg eine moderne JVA zur Verfügung steht, versucht das Land Sachsen-Anhalt den Gebäudekomplex zu verkaufen. Bei 620.000 Euro liegt das Mindestgebot. Klingt erst einmal nach einem Schnäppchen. Allerdings: Das Gelände hat es in sich.

Kein Wasser, kein Strom, kein Telefon

Wer dort zur Maurerkelle greift, muss erst einmal aus einer „Festung“ ein „normales“ Gebäude machen. Hohe Betonmauern, Zigtausende Meter messerscharfer Stacheldraht, schwere Eingangstore, Überwachungssysteme und vieles mehr, was die Insassen am Ausbrechen hindern sollte, müsste beseitigt werden. Innen sind die Gebäude, die zum Teil denkmalgeschützt sind (Baujahr 1903), ebenfalls sehr speziell gestaltet: in den Hauptgebäuden ein mit offenen Stahltreppen, -brüstungen und -gängen durchzogener Mittelraum, an den Seiten die Zellen. Ein Funktionsbau, der nur ein Ziel hat: Bestrafung gerichtlich Verurteilter durch konsequenten Freiheitsentzug.

Die Gestaltung des Außengeländes ist ebenfalls darauf ausgerichtet. Konkret sind das zwei Haupthäuser, ein Verwaltungsgebäude, ein Küchengebäude, ein Garagentrakt und ein Nebengebäude, in dem einst unter anderem die Wäscherei, der medizinische Dienst und die Gefängnisbücherei untergebracht waren. Alle Gebäude sind unsaniert. Dazu kommt, dass das Gelände mittlerweile komplett von allen öffentlichen Netzen (Wasser, Abwasser, elektrischer Strom, Telefon und Internet) abgeklemmt ist. Auch verlangt der Landesbetrieb von jedem Interessenten ein schlüssiges Nutzungskonzept und einen von einer Bank bestätigten Finanzierungsplan.

Verwaltungen haben kein Interesse

Bevor der ehemalige Knast zum Verkauf angeboten wurde, hatte der Landesbetrieb in den Verwaltungen des Landes nachgeforscht, ob ein Interesse an dem Komplex besteht. Das war nicht der Fall. Und auch bei der Stadt Magdeburg hatte man nachgefragt. Die hatte im vergangenen Jahr mitgeteilt, dass man an einer Nutzung nicht interessiert sei. Daran hat sich auch weiterhin nichts geändert: „Die Stadt Magdeburg ist an der Liegenschaft nicht interessiert“, sagte Rathaussprecher Michael Reif auf Volksstimme-Anfrage.

Vom zuständigen Finanzministerium war zu erfahren, dass es noch keine konkreten Bewerber für das Gelände gebe, so Rotraud Schulze von der Pressestelle des Ministeriums auf Volksstimme-Nachfrage. Man sei auch weiterhin an einer geschlossenen Vermarktung des Komplexes interessiert.

Bizarre Atmosphäre ist gefragt

Interessenten für das „Gefängnis“ als etwas bizarren Veranstaltungsort gab es seit seiner Schließung 2013 schon viele. Kriminalfilme wurde dort gedreht, Fotografen finden die „Knastatmosphäre“ immer wieder für Fotoshootings interessant, und 2015 war die JVA an der Halberstädter Straße einen Sommer lang Kulisse für das Kulturfestival „Sinnlichkeit“.