Magdeburg l „Für den Weg von der Thiemstraße zum Porse-Privatweg benötige ich nun eine halbe Stunde, um einen 20-minütigen Termin wahrzunehmen“, beschreibt Simone Hörnig ihre Situation. Sie betreibt an der Thiemstraße in Magdeburg eine Physiotherapie und hat sich in eine Petition eingetragen, welche den Abbau der Buckauer Mauer als Ziel hat. 144 Teilnehmer haben im Internet ihre Unterstützung bekundet.

Seitdem die Betonleitwand in der Coquistraße als Mittel gegen den Schleichverkehr durch das Wohngebiet zwischen Thiemstraße und Porsestraße errichtet wurde, reihen sich die Bewohner und die Gewerbetreibenden beim Verlassen ihres Kiezes in den Umleitungsverkehr über den Schanzenweg und die Salbker Straße ein. Hintergrund: Seit dem 16. März 2019 ist die Fahrspur stadteinwärts im Teilabschnitt zwischen Thiemstraße und Porsestraße in der Schönebecker Straße für Fahrzeuge gesperrt. Hier laufen Kanalbau- und Gleissanierungsarbeiten.

Gleisbau in Magdeburg

Außerdem ist die Warschauer Straße wegen eines Trassenbaus gesperrt, der Teil des Großprojektes 2. Nord-Süd-Verbindung der Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) ist. Zuvor finden hier Kanalbauarbeiten statt, die derzeit umgesetzt werden. Aus diesem Grund werden Fahrzeuge in Fahrtrichtung Innenstadt in Salbke über die Faulmannstraße und in Fermersleben über den Schanzenweg geleitet. Und ein großer Teil der Bewohner des Stadtteils mit.

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Für jene Buckauer, die östlich der Sperrung in der Coquistraße wohnen, ein erheblicher Zeitaufwand, wie Christina Dräger sagt. „Ich habe mein Auto an der Elbe abgestellt, um die Innenstadt zu erreichen.“ Bereits in der Vorwoche nahm sie an einer Demo teil, die einen Tag vor der Einrichtung der Vollsperrung organisiert wurde. Bis zuletzt hoffte sie auf ein Einsehen der Stadt, „da sich die Situation hier eigentlich entspannt hatte“.

Magdeburg baute Mauer auf

Die Mauer, wie die Betonleitwand von vielen genannt wird, kam dann aber doch. „Ich hätte gedacht, dass sich heute mehr Teilnehmer einfinden in Anbetracht der vielen Umstände, die die Mauer zur Folge hat, und der Kritik, die es gegen sie gibt“, so die Buckauerin am Montagabend.

Da schenkte Jan Rieche an die Teilnehmer Suppe aus. Er betreibt an der Porsestraße einen Cateringservice und die Kantine „Mahlzeit“, ist seit der ersten Sperrung in der Warschauer Straße ein Betroffener, wenn man so will. „Seitdem bleiben mir Kunden weg, die über die Warschauer Straße zu uns kamen. Dann wurde es mit der Sperrung in der Coquistraße noch dramatischer“, berichtet er.

Problem für Gewerbetreibende

Habe Rieche noch vor kurzer Zeit über eine Neueinstellung nachgedacht, „muss ich nun sehen, dass unsere Kantine mit all ihren Angestellten überlebt“. Ähnliches berichteten bereits die Betreiber der Kantine B, die an der Schönebecker Straße beheimatet ist. Rieche wird am 2. April 2019 beim Austausch dabei sein, den die Gemeinwesenarbeitsgruppe (GWA) Buckau in Anbetracht der vielen Kritik von Bewohnern, Gewerbetreibenden und Kunstschaffenden mit MVB-Geschäftsführerin Birgit Münster-Rendel und Tiefbauamtsleiter Thorsten Gebhardt um 18 Uhr im Kinder- und Jugendhaus „Hot – Alte Bude“ (Karl-Schmidt-Straße 12) organisiert.

An dem Treffen wird auch Matthias Pavel alias Wenzel Oschington teilnehmen. Der Fotograf und Autor sieht vor allem die Regelung für Rettungsdienste als Knackpunkt der Mauer. „Man mag sich gar nicht ausmalen, wenn ein Rettungswagen zu spät am Einsatzort eintrifft und dies in Verbindung mit der Mauer gebracht wird. Es muss schnell eine Lösung her“, so Pavel.

Kein Durchgang für Rettungskräfte

Bei der Einrichtung der Sperrung hieß es von der Stadt, dass sich die Einsatzfahrzeuge auf die Gegebenheiten einstellen werden. Dann standen die ersten Wagen vor der Mauer und mussten wenden, woraufhin die Stadt Magdeburg auf Volksstimme-Nachfrage ankündigte, einen Durchlass für Rettungskräfte schaffen zu wollen. Darüber berichtete die Volksstimme am Freitag. Am Montagabend ist die Situation vor Ort unverändert, lediglich Fußgänger und Fahrradfahrer können die Sperrung passieren.