Magdeburg l Mit einem Besen werden die Teerreste zusammengekehrt, die Klebestreifen als Abgrenzung zum Kopfsteinpflaster abgezogen. Am Abend soll der neue Asphaltstreifen in der Wilhelm-Külz-Straße dann schon für den Verkehr freigegeben sein, sagt einer der Arbeiter am Dienstag vor Ort. Innerhalb von zwei Tagen haben sie im Auftrag der Stadtverwaltung Magdeburg die dünne Teerschicht aufgetragen.

Der Streifen soll ein Beitrag zur Verbesserung des Radverkehrs in Magdeburg-Stadtfeld sein, weitere sollen folgen. Kritisch sind nicht nur die Blicke einiger Passanten, sondern auch die Stimmen mancher Anwohner. Für sie ist die nun umgesetzte Lösung nicht nachvollziehbar.

Asphaltstreifen sei Zumutung

Stephan Schulz ist selbst Radfahrer, wie er sagt, glaubt aber nicht an den gewünschten Erfolg der Maßnahme. „Ich freue mich über jeden neuen Fahrradweg, aber der Asphaltstreifen ist eine Zumutung“, sagt er. Dessen Hintergrund ist es eigentlich, die Radfahrer vom Gehweg auf die Straße zu lotsen. Aufgrund des holprigen Kopfsteinpflasters würden sie lieber dorthin ausweichen.

Doch der Grund dafür liegt laut Stephan Schulz bei den Elterntaxis, die vor allem morgens aber auch nachmittags ihre Kinder von der Schule und Kita am Ende der Külzstraße abholen. „Das wird auch in Zukunft trotz Asphaltschneise so sein“, glaubt er. Er habe mit mehreren Nachbarn gesprochen. „Die meisten sind entsetzt, dass das Straßenbild so verschandelt wird. Hier gibt es denkmalgeschützte Häuser und alte Pflastersteine auf der Fahrbahn, die man nun einfach mit Teer zugeschmiert hat“, erklärt er. Zudem seien nicht alle Anwohner über die anstehende Maßnahme informiert worden.

Signal für den Radverkehr

Auch die Stadtfelder Geschäftsstraßenmanagerin Franziska Briese hätte sich eine andere Lösung für die Külzstraße gewünscht. „Der Streifen an und für sich ist das richtige Signal für den Radverkehr in Stadtfeld“, betont sie. Die Külzstraße werde viel von Radfahrern genutzt, deshalb sei es toll, dass dort etwas passiert.

Doch wäre auch eine ästhetischere Lösung, wie sie rund um den Domplatz eingesetzt wurde, denkbar gewesen. Diese sei aber vergleichsweise teuer. „Es ist sehr schade, weil es eine sehr schöne Straße mit historischen Ansichten und einer Blickachse zum Dom“ ist, sagt sie. Zudem zweifelt sie an der Nachhaltigkeit der nun aufgebrachten Teerschicht und befürchtet Straßenschäden schon nach kurzer Zeit.