Magdeburg l Sorgen um die Sicherheit von Fahrgästen der Straßenbahn macht sich Brigitte Hemann aus der Bebertaler Straße in Magdeburg: „Immer wieder beobachte ich, dass Autos in den Haltestellenbereich rasen und die Menschen, die ein- oder aussteigen, gefährden. Eigentlich müssten die doch warten – oder gilt das nicht mehr?“, fragt sie.

Wulf Hoffmann von der Landesverkehrswacht bestätigt die Einschätzung der Anwohnerin: „Verkehrsrechtlich ist eigentlich alles klar geregelt. Gleichwohl weiß ich aus meinen Verkehrsteilnehmerschulungen, dass hier große Unsicherheiten bestehen. Laut Straßenverkehrsordnung darf auch an Straßenbahnhaltestellen – auch im Gegenverkehr – nur vorsichtig vorbeigefahren werden.“ Bei Straßenbahnen gelte, dass beim Vorbeifahren auf der rechten Seite durch Schrittgeschwindigkeit oder Anhalten jede Behinderung oder gar Gefährdung von ein- oder aussteigenden Fahrgästen auszuschließen ist.

Sichere Haltestellen in Magdeburg

Wie das Problem verkehrstechnisch entschärft werden kann, ist in Magdeburg an vielen Stellen bereits zu sehen. Wulf Hoffmann nennt als Beispiel einen Gleiskörper mit gesicherten Überwegen wie im August-Bebel-Damm, die Hervorhebung durch eine angehobene Straße wie am Zoo mit Fußgängerführung an konkreten Übergängen und die Fußgängerführung zu Übergängen auf in der Mitte liegenden Haltestellen wie an der Mittagstraße.

Wo der Platz fehlt, könnten auch Ampeln helfen, die Autos stoppen, wenn Straßenbahnen an der Haltestelle stehen.

Selten Unfälle an Haltestellen

Das Problem rücksichtsloser und unaufmerksamer Autofahrer ist bei den Magdeburger Verkehrsbetrieben (MVB) bekannt. MVB-Sprecher Tim Stein sagt: „Glücklicherweise zeigt unsere Unfallstatistik, dass es nur in äußerst seltenen Fällen bei solchen Haltestellen auch tatsächlich zu Unfällen kommt.“

Dies sei auf vielerlei Gründe zurückzuführen. „Unsere Fahrer sind geschult, die Türen zum Ausstieg erst freizugeben, wenn sie im Rückspiegel erkennen, dass nachfolgende Autofahrer ihre Geschwindigkeit auch reduzieren“, berichtet der MVB-Sprecher. Um die Aufmerksamkeit der Fahrgäste zu erhöhen, weist die Haltestellenansage mit dem Satz „Achtung! Ausstieg auf der Fahrbahn“ vorsorglich auf diesen Umstand hin. „Ich möchte auch an unsere Fahrgäste appellieren, vor dem Ausstieg nach rechts zu schauen, ob der Autoverkehr wirklich angehalten hat“, sagt Tim Stein mit Blick auf die Vorsicht der Autofahrer im eigenen Sinne.

Visuelle Unterstützung an Haltestellen

Als Grund für den Regelverstoß durch Autofahrer sieht er indes nicht allein eine mögliche Rücksichtslosigkeit: „Zumeist ortsunkundige Autofahrer erkennen manchmal nicht, dass die Straßenbahn zum Fahrgastwechsel an der Haltestelle anhält.“ An vielen Haltestellen wurde zur visuellen Unterstützung bereits ein weißes „H“ auf der Fahrbahn aufgebracht. Auch Hinweisschilder „Haltestelle in … Metern“ sind vor einigen Haltestellen vorsorglich aufgestellt worden. Allerdings: An der Bebertaler Straße sind solche Kennzeichnungen bislang nicht zu sehen.

Die meiste Sicherheit bieten barrierefrei ausgebaute Haltestellen mit eigenem Bahnsteig oder aber Haltestellenkaps, bei denen keine Fahrzeuge während des Fahrgastwechsels vorbeifahren können. Den wird es aber in der Lübecker Straße, an der die Haltestelle Bebertaler Straße liegt, kurzfristig nicht geben: Andere Haltestellen haben Priorität. Und die Sanierung der Gleistrasse in der Lübecker Straße ist eher ein mittelfristiges Vorhaben: Tunnelbau und zweite Nord-Süd-Verbindung haben zunächst Priorität.