Magdeburg l Blitzen in Magdeburg kann ein einträgliches Geschäft hinsichtlich der Verkehrssicherheit, aber auch der Einnahmen sein. Zieht man den sogenannten „Weihnachtsblitzer“ heran, kommt man zu diesen Zahlen: Das kommunale Geschwindigkeitsmessgerät erfasste im Dezember 2018 in der Reuterallee bei seinen Einsätzen knapp 62 Verkehrssünder – wohlgemerkt pro Stunde.

Insgesamt flammte das Blitzerlicht 3523 Mal auf. Bezogen auf die Einsatzzeit an sieben Tagen mit je 8 Stunden ergibt das immerhin einen Raser pro Minute. 17.995 Fahrzeuge wurden gemessen. Jedes fünfte Fahrzeug war damit schneller unterwegs als die dort zur Weihnachtszeit erlaubten 30 Stundenkilometer. Spitzenwerte waren 74 und 69 Stundenkilometer.

Zu Weihnachten viele Fußgänger

Ein Beweis dafür, dass der temporäre Blitzerstandort durchaus seine Berechtigung hat. Schließlich herrscht in der Reuterallee zwischen Allee-Center und der Gegenseite wegen des Einkaufstrubels besonders starker Fußgängerverkehr.

2015 war deshalb erstmals der „Weihnachtsblitzer“ eingesetzt worden. Anfangs mit Abzockevorwurf versehen wegen nicht ausreichender Ausschilderung der Tempo-30-Vorgabe, gibt es mittlerweile eine höhere Akzeptanz, allerdings nicht bei jedem.

Autofahrer beschädigt Magdeburger Blitzer

Erstmals war der Weihnachtsblitzer 2018 mutwillig beschädigt worden. Ein 28-Jähriger hatte den aufgestellten Blitzer gepackt und verdreht. Ein Leihgerät kam zum Einsatz. Auf die Frage, warum er den Blitzer beschädigt habe, soll der Mann von „Abzocke“ gesprochen haben.

Mittlerweile befinden sich die Blitzertage 2018 in der Auswertung. Alle 3523 erfassten Autofahrer haben inzwischen ihren Anhörungsbogen erhalten. Knapp die Hälfte hat mit dem Bezahlen des Verwarngeldes bereits Buße getan.

Fahrzeughalter werden angehört

Aber wie geht es mit denen weiter, die eine Zahlung verweigern? Zunächst wird der Fahrzeughalter angehört, erklärt Stadtsprecher Michael Reif. Dabei werde Gelegenheit gegeben, den Fahrzeugführer zu benennen. Reif: „Gleichzeitig werden dem Halter ein Verwarngeldangebot gemacht und die Gelegenheit gegeben, sich zum Tatvorwurf zu äußern. Wird das Verwarngeldangebot ausgeschlagen oder Einwände erhoben, erfolgt die weitere Bearbeitung durch die Zentrale Bußgeldstelle.“ Erfolge keine Reaktion, werde das Verfahren ebenfalls an die Bußgeldstelle abgegeben.

Wie viele „Geblitzte“ das betrifft, konnte die Stadt Magdeburg aufgrund der langen Verfahrensdauer und Zuständigkeiten nicht sagen. Mitte Januar hatte der Bearbeitungsstand inklusive Vorjahr bei 4056 Verfahren mit einer Gesamtsumme von rund 75.000 Euro gelegen. Reif: „Die aktuellen Verfahrensstände reichen von der Erfassung des Tatbestandes bis zur Prüfung, ob der Fall an die Zentrale Bußgeldstelle abgegeben wird.“

Magdeburg will weiteren Blitzer kaufen

Unterdessen prüft die Stadt den Kauf eines weiteren kommunalen Blitzgerätes. Reif auf Anfrage: „Für das Jahr 2020 wird der Einsatz eines weiteren Gerätes erwogen. Genauere Planungen hierfür gibt es allerdings noch nicht.“

Hinfällig ist vorläufig auch der Aufbau eines festen Blitzers auf dem Ring. Hier war in einem langen Verfahren ein geeigneter Standort zwischen dem Hauptbahnhof und der Abfahrt Albert-Vater-Straße gefunden worden. Da dieser Ringbereich aber für den Bau einer parallel verlaufenden Straßenbahntrasse verschoben werden muss, wird dort vorerst auf einen festen Blitzer verzichtet.

Geblitzt wird auf dem Ring freilich weiter - von Polizei und Stadt.