Magdeburg l Radwege von Fahrbahnen abzutrennen – dies ist in Metropolen seit Jahren ein Thema. Forciert wurde der Trend in der Corona-Krise, in der beispielsweise in Berlin kurzfristig Platz für jene geschaffen wurde, die vom öffentlichen Personennahverkehr aufs Rad umsteigen wollten.

Ist das eine Variante für Magdeburg? Und sei es für bislang für Radfahrer schwierige Stellen und nicht für Corona-Radverkehr? Für die Straße Alt Westerhüsen hat die SPD-Stadtratsfraktion eine solche Anlage gefordert.

Grund: Hier verläuft der Elberadweg – immerhin eine Route von internationaler Bedeutung –, einen eigenen Platz für Radfahrer aber gibt es nicht. Inzwischen sind am Straßenrand zwar Schilder aufgetaucht, die die Mitbenutzung des Fußwegs erlauben – doch der Antrag steht zum Beschluss durch den Stadtrat weiter im Raum. Und bevor das der Fall ist, hatte der Bauausschuss darüber zu beraten.

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Egal, wie die Strecke für die Radfahrer heißt

Für die Stadtverwaltung hatte Tim Schneider Stellung bezogen: „Wir sind der Idee gegenüber aufgeschlossen. Leider ist in diesem Bereich der Fahrbahnbelag sehr schlecht.“ Ein Pop-up-Radweg wie in Berlin sei ein Provisorium auf Zeit. Dort habe es mit dem Umstieg vieler Menschen vom öffentlichen Nahverkehr auf das Fahrrad eine ganz andere Situation gegeben. In Südost werde aber durch die Antragsteller ein Schutzstreifen angestrebt.

Falko Grube (SPD) entgegnete etwas nonchalant: „Es ist ja egal, ob es ein Pop-up-Radweg oder ein Schutzstreifen ist – hier muss etwas passieren.“ Zwar sei die Fahrbahn tatsächlich schlecht. Aber an dieser Stelle werde lange nicht viel passieren. Der Grund: Zwar ist ein grundhafter Ausbau der Straße vorgesehen.

Doch bis die Idee dazu in eine Planung oder gar in eine Umsetzung mündet, wird ein paar Meter weiter noch viel Wasser die Elbe herunterfließen. „Daher ist ein Schutzstreifen an dieser Stelle einfach die beste Lösung.“

Am Ende ein knappes Abstimmungsergebnis

Doch nicht alle sind von der Idee begeistert. CDU-Stadtrat Frank Schuster fragt: „Bringt es denn Verkehrssicherheit, wenn Autos auf das marode Gleisbett fahren müssen? Und es gibt doch dort Gehwege, auf denen eine Doppelnutzung möglich ist.“

Dem hält Falko Grube entgegen, dass Autos schon jetzt auf den Schienen der Magdeburger Verkehrsbetriebe fahren. Und Roland Zander von der Gartenpartei verweist darauf, dass Radfahrer zwar schon in der Vergangenheit auf dem Fußweg gefahren seien – dass aber an einigen Stellen, wenn hier Menschen mit Kinderwagen unterwegs seien, der Platz kaum ausreicht.

Zumindest im Bauausschuss fiel die Empfehlung für den Stadtrat denkbar knapp aus. Vier der im Ausschuss vertretenen Stadträte stimmten für den Vorstoß, drei dagegen. Enthaltungen gab es nicht.

Offenes Gerichtsverfahren in Berlin

Was die Pop-up-Radwege in Berlin angeht, sind diese derzeit ein Fall vor Gericht. Das Verwaltungsgericht hatte deren Entfernung gefordert. Das Oberverwaltungsgericht hat diesen Beschluss vorerst kassiert. Die Entscheidung im Hauptsacheverfahren steht aber noch aus.

Hinter dem Streit steht auf der einen Seite die Forderung, Radfahrern an oder auf der Fahrbahn Platz zu schaffen: Erfahrungen zeigen, dass dann Autofahrer sie beim Abbiegen weniger häufig übersehen. Dieses Übersehen führt immer wieder nicht allein dazu, dass Autofahrer Radfahrern die Vorfahrt nehmen. Es kommt auch zu gefährlichen Unfällen.

Auf der anderen Seite geht es um die Frage, wie der begrenzte Straßenraum auf die verschiedenen Verkehrsteilnehmer aufgeteilt wird.