Magdeburg l Die erste Frostnacht liegt hinter den sechs Mietern an der Helmstedter Straße in Magdeburg. Seit zwei Wochen nun harren sie in ihren ausgekühlten Wohnungen aus. Zwei Wochen, in denen sie nicht nur ohne das Nötigste zum Wohnen auskommen mussten, sondern auch nicht wussten, wie es weitergeht.

Dass sie ohne die grundlegenden Anschlüsse auskommen müssen, hat ihr Vermieter verschuldet. Über Monate hinweg hat er die Nebenkosten nicht weitergeleitet, obwohl er Miete und Abschläge von den Mietern beziehungsweise bei einigen direkt vom Arbeitsamt bekommen hat. Mehrere Tausend Euro Schulden haben sich bei den Städtischen Werken Magdeburg (SWM) angehäuft. Auch nach mehreren Androhungen der Abschaltung von Strom und Wasser konnte er die Außenstände nicht begleichen, wie er sagte. Es kam, wie es kommen musste: Die SWM klemmten Stromzähler und Wasseranschluss ab.

SWM bieten Mietervereinbarung an

Zunächst lehnten die Städtische Werke Magdeburg ein Angebot der Mieter, die Abschläge für Wasser und Strom direkt an die SWM zu zahlen, ab. Der Grund: In dem Mehrfamilienhaus gibt es insgesamt nur drei Stromzähler – bei sechs Wohnungen. Zwei teilen sich also je einen. Und solange mehrere Wohnungen über einen Zähler angeschlossen seien, könnten die SWM keinen Vertrag schließen, hieß es zunächst.

Doch angesichts der Situation, in der sich die Mieter befinden, gehen die SWM auf die Betroffenen zu. „Wir haben ihnen eine Mietervereinbarung angeboten“, sagte SWM-Sprecherin Cornelia Kolberg. Mit dieser Vereinbarung sollen die Voraussetzungen geschaffen werden, die Versorgung des Hauses mit Strom und Wasser wiederherzustellen. Das bedeutet, dass einer der sechs Mieter als Vertragspartner gegenüber den SWM auftritt und die Abschläge von den Mietern im Vorraus geleistet werden. Da einige der Mieter Hartz IV beziehen, muss noch die Kostenübernahme geklärt werden. „Wenn die Bestätigung der Kostenübernahme vorliegt, dann werden wir schnellstmöglich den Wiederanschluss herstellen“, so die SWM-Sprecherin.

Den Mietern fällt angesichts des Entgegenkommens ein Stein vom Herzen. Mit der Vereinbarung wollen sie am 8. Oktober 2019 beim Amt vorsprechen und hoffen auch hier auf eine Lösung. „Es ist ein Licht am Ende des Tunnels zu sehen“, sagt Mieter Lars Dietz. Denn noch weitere Tage ohne Strom, Heizung und Wasser sind nur schwer vorstellbar.

Sollte die Vereinbarung zustande kommen, wäre auch der drohende Zwangsauszug vom Tisch. Denn ohne die grundlegenden Versorgungsanschlüsse gelten die Wohnungen laut Wohnraumaufsichtsgesetz als unbewohnbar. Derzeit läuft dazu ein Verfahren, in dem Eigentümer und Mieter angehört werden. Der Hausbesitzer hatte bereits erklärt, dass er wirtschaftlich nicht in der Lage sei, die Außenstände zu begleichen. Wie es hier weiter geht, ist noch unklar. Die sechs Mieter hoffen jetzt erst einmal auf warme Wohnungen, Licht und fließend Wasser.