Magdeburg l „Ich weiß es nicht.“ Als die Volksstimme am Dienstagnachmittag mit dem Sprecher der Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB) über die Folgen der Mundschutzpflicht für die MVB spricht, spürt man das Achselzucken des Verkehrsfachmanns förmlich durch den Telefonhörer. „Wir halten das Tragen eines Mundschutzes durchaus für sinnvoll, wenn es hilft, die Verbreitung des Virus einzudämmen. Wir können aber nicht sagen, wie die Einhaltung überprüft und der Verstoß geahndet wird“, erklärt MVB-Sprecher Tim Stein.

Fahrer können das nicht kontrollieren

In einer Straßenbahn und einem Bus sei für den Fahrer so gut wie nicht sichtbar, wer einen Mundschutz nutzt und wer nicht. Stein: „Auf jeden Fall können unsere Fahrer die Einhaltung nicht kontrollieren“, legt sich Tim Stein fest. Wer es dann tut? Wieder Achselzucken beim MVB-Sprecher.

Später schiebt dann MVB-Chefin Birgit Münster-Rendel selber noch nach: „Die Verkehrsunternehmen sehen sich nicht in der Verantwortung, die Maskentragepflicht im ÖPNV zu kontrollieren. Dies ist nicht leistbar.“ Man unterstütze jedoch gern dabei, Fahrgäste an die Tragepflicht zu erinnern. Dies erfolge bei den MVB über Durchsagen in den Fahrzeugen, Hinweistexte an den Haltestellenanzeigen und über die Online-Kanäle.

Erfahrungen in Jena

Für die MVB-Fahrer kommt noch ein skurrile Situation hinzu: Die Maskenpflicht gilt nur für die Fahrgäste, während für die Lenker im Cockpit mit einem Maskenverbot das Gegenteil gilt. „Unserer Auffassung nach verstößt das Tragen einer Maske am Steuer gegen die Straßenverkehrsordnung. Deshalb sind sie für unsere Fahrer verboten“, sagt Tim Stein. Immerhin: Die Verkehrsbetriebe haben ihre Fahrer dennoch mit Masken versorgt. Wenn sie in den Fahrgastraum müssen, dann herrscht auch für sie Maskenpflicht.

Die Stadt Jena in Thüringen, in der schon seit dem 6. April eine Maskenpflicht gilt, hat mit der Einhaltung offenbar wenig Probleme. Anja Tautenhahn, Sprecherin des Jenaer Nahverkehrs, erklärt der Volksstimme: „Unsere Fahrer müssen die Leute von A nach B bringen. Ihre Aufgabe ist es nicht, die Maskenpflicht zu kontrollieren. Aber das müssen sie auch nicht. Denn bei unseren Fahrgästen ist die Einhaltung schon in Fleisch und Blut übergegangen. Die Fahrgäste achten untereinander auf sich.“

Wachschutz im Florapark

Unsicherheit herrscht im Florapark. „Wir sind gerade in der Abstimmung, wie wir mit der Maskenpflicht umgehen“, sagt Manager Kai Ehlers. Stand gestern Nachmittag heißt das: An den Eingängen zu den Ladenstraßen sollen Kollegen des Wachschutzes postiert werden und die Kunden auf die Mundschutzpflicht hinweisen. Offen war aber auch für den Manager: Wer haftet bei Verstößen in der Mall – der Kunde oder das Center?

OB Lutz Trümper (SPD) hat unterdessen erklärt, kein Verfechter der Maskenpflicht zu sein. Der Volksstimme sagte er, man müsse den Bürgern mehr Vertrauen schenken. Immer mehr Verbote oder Befehle brächten nur das Gegenteil. Sie steigerten wie bei Kindern den Reiz, Vorschriften zu brechen. Die meisten Magdeburger hätten durch ihr Verhalten bisher gezeigt, dass sie auch ohne Anweisungen die meisten Corona-Schutzvorschriften einhielten. Zur Bereitstellung von Mundschutzen erklärte Trümper: Dies sei Sache der Bürger. Stadt oder Staat könnten nicht alles übernehmen.