Magdeburg l Unvergessen ist Heinz Florian Oertels Berichterstattung über den zweiten Marathon-Olympiasieg von Waldemar Cierpinski 1980 in Moskau. Im Überschwang der Begeisterung rief der bekannteste Sportreporter der DDR seinem Publikum zu: „Liebe junge Väter oder angehende, haben Sie Mut! Nennen Sie Ihre Neuankömmlinge des heutigen Tages ruhig Waldemar! Waldemar ist da!“

In eine ähnliche Richtung geht ein Antrag der Fraktion Gartenpartei/Tierschutzallianz, der am 17. Oktober 2019 im Stadtrat behandelt wird. Allerdings geht es hier nicht um Waldemars, sondern um Ottos. Roland Zander, Marcel Guderjahn und Aila Fassl schlagen nämlich vor, dass neuen Erdenbürgern, die in Magdeburg zur Welt kommen und den Vornamen Otto – auch als Zweit- oder Drittnamen – tragen, ein symbolisches Begrüßungsgeld gezahlt wird. Kurztitel ihres Antrags: „Sind wir nicht alle ein wenig ,Otto‘?“.

Namensträger machen Werbung

Zur Begründung bringen sie an: „Die kleinen ,Ottos‘ werden zeitlebens – egal, wohin es sie im Leben führt – allein durch ihren Namen für die Stadt ihrer Geburt werben.“ Diese Möglichkeit, eine Verbundenheit mit Magdeburg zu offenbaren, könne mit der Otto-Kampagne verknüpft und aus deren Mitteln finanziert werden, schlagen sie vor.

In Zeiten der Gleichberechtigung darf so etwas natürlich nicht nur dem männlichen Nachwuchs allein vorbehalten sein. Deshalb schlagen sie vor, dass der Otto-Vorschlag ergänzt werden könnte durch das Pendant „Editha“ und/oder „Adelheid“ für in Magdeburg geborene Mädchen. Eine Summe benennen sie dabei nicht. Vielmehr soll ihr Antrag im Finanzausschuss und im Ausschuss für Rechts- und Bürgerangelegenheiten beraten werden.

Ein Begrüßungsgeld hat es in Magdeburg schon einmal gegeben. Anfang der 2000er Jahre zahlte der Magdeburger Unternehmer Gerhard Schünemann jedem 1000. Magdeburger Neugeborenen 1000 Euro finanzielle Lebenshilfe. Aktuell gibt es von der Landeshauptstadt ein Begrüßungspaket für Neugeborene mit vielen kleinen Geschenken und Gutscheinen.

Die Vornamen Otto oder Adelheid/Editha tauchen übrigens in den Top Ten der beliebtesten Vornamen 2018 nicht auf. Das lässt sich doch sicher künftig ändern ...