Magdeburg l Es sorgt für Hunderte geheizte Wohnungen im Magdeburger Osten, für wohlige Wärme im Nemo und dafür, dass die Fußballspieler in der MDCC-Arena keine kalten Füße bekommen, denn auch die Rasenheizung hängt am neuen Fernwärmesystem der Städtischen Werke Magdeburg (SWM): Das Biomasseheizkraftwerk deckt knapp drei Jahre nach Inbetriebnahme etwa den Verbrauch von 4000 Haushalten.

Ziel ist, Hochschule zu beliefern

Das reicht aber noch nicht für einen kostendeckenden Betrieb. Es ist ein Zuschussgeschäft für die SWM, da die Auslastung im Sommer bisher nur 40 bis 60 Prozent erreicht, im Winter fährt es schon mal annähernd auf Volllast. Thomas Pietsch, Projektentwickler sowie Bereichsleiter Vertrieb und Handel, rechnet damit, dass eine Vollauslastung womöglich 2020 gelingt. „Wir hoffen, dass wir die Ausschreibung gewinnen und bald auch die Hochschule Magdeburg-Stendal mit Fernwärme beliefern können“, erklärt er.

Ein Holzheizkraftwerk in einer Region mit viel Acker und wenig Wald? Manche Elbestädter haben ihre Zweifel an dem, was die SWM selbst als Öko-Experiment bezeichnen - eine Versorgung ganzer Stadtteile mit Fernwärme aus 100 Prozent nachwachsenden Rohstoffen. Dies kann wirtschaftlich gelingen, meint Thomas Pietsch: Das Werk sei vergleichsweise klein konzipiert. Man habe zudem schon beim Bau Kosten gespart – die Anlage wurde aus einer Insolvenzmasse in Tangermünde gekauft.

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So standen am Ende 11 Millionen Euro statt 15 Millionen Euro auf der Rechnung. Und: Die SWM erhalten eine Vergütung aus dem „Erneuerbare Energien Gesetz“ (EEG) von 17,6 Cent pro erzeugter Kilowattstunde – fast das Vierfache des Preises an der Strombörse. „Ohne diese EEG-Förderung ginge es nicht“, sagt Pietsch. Voraussetzung dafür sei jedoch, dass die im großen Kessel verbrannten Holzhackschnitzel ausschließlich aus Landschaftspflegemaßnahmen kommen. „Das ist bei uns auch so“, betont der Projektleiter.

Holz aus Pflegearbeiten

Volksstimme-Leser hatten die Sorge geäußert, die Städtischen Werke könnten sich günstig mit Holz aus der Stadt eindecken. Die hohe Zahl der Baumfällungen wurde immer wieder kritisiert. „Der Stadtgartenbetrieb schreibt das Holz ganz normal zum Verkauf aus“, so Pietsch. Das gehäckselte Holz stamme aus Pflegemaßnahmen in den Parks oder an Straßen und werde vor Ort gehäckselt.

Die Holzhackschnitzel stammen auch von weichen Hölzern aus der Ehleumflut (Weide, Pappel) oder von der Bahn aus Pflegearbeiten. Ausnahme seien belastete Stämme etwa von Fällarbeiten am Magdeburger Ring oder vom Truppenübungsplatz Colbitz Letzlinger Heide. „Wir kaufen die Hölzer, die kein Sägewerk nimmt“, erklärt Thomas Pietsch. Generell müssten die Anbieter Herkunftsnachweise erbringen, betont der 50-Jährige.

40 Euro pro Tonne Holz

Rund 40 Euro kostet eine Tonne gehäckseltes Holz, das ein wenig dem Rindenmulch für den Garten ähnelt. Der Ingenieur sagt: „Wir bekommen keinen Vorzugspreis von der Stadt.“ Bis zu 45 000 Tonnen Biomasse verwandelt das Heizkraftwerk jedes Jahr in Strom und Fernwärme. Dabei arbeitet es nicht mit Wasserdampf, sondern mit Thermalöl, das die bei der Verbrennung erzeugte Wärme aufnimmt (ORC-Verfahren). Eine Turbine wandelt die Wärmeenergie in Strom (ca. 15 Prozent) um. Es entsteht zudem Fernwärme (75 Prozent), die in die 4,5 Kilometer lange neue Fernwärmeleitung eingespeist wird.

Bis 2016 gab es das für Ostelbien nicht. Ein Tunnel unter der Elbe zur Versorgung aus den westelbischen Heizwerken ähnlich der Abwasserleitung sei unbezahlbar gewesen, meint Pietsch. Größere Vermieter hätten aber den Wunsch nach einer Fernwärmeversorgung geäußert, durchaus mit nachhaltigem Charakter, erinnert sich der SWM-Mitarbeiter. So war die Idee für ein Holzheizkraftwerk geboren.