Magdeburg l Für Eva Maria Henning stehen Heiligabend schon am Morgen die Geschenke auf dem Tisch. Ihre gesamte Familie ist wie immer zum Frühstück eingeladen. Es ist ein besonderer Tag, es gibt Blumen und Kerzen brennen – allerdings nicht auf dem Adventskranz. Die Kerzen brennen auf ihrer Geburtstags-torte. Eva Maria Henning ist ein „Christkind“, geboren am Heiligabend vor 33 Jahren.

Freunde haben Heiligabend selten Zeit

Etwa 30 Minuten vor Mitternacht erblickte sie das Licht der Welt. Sie sei wohl das Quotenchristkind, das die Ärzte in ihrer Geburtsklinik in Stendal unbedingt haben wollten, erzählt die Goldschmiedin aus Westerhüsen. Ob es besser gewesen wäre, einen Tag später geboren zu werden? „Nein, vermutlich nicht. Auch an den Feiertagen sind schließlich alle Freunde bei ihren Familien, so dass eine große Geburtstagsparty kaum möglich ist.“

Allerdings kenne sie es auch nicht anders und ein „Christkind“ zu sein, habe schließlich auch Vorteile. „Ich hatte immer an meinem Geburtstag frei und meine ganze Familie um mich rum“, erzählt sie. Zumindest bis Mittag. Denn dann ist ihr Geburtstag „vorbei“ und es werde Weihnachten im kleineren Kreis gefeiert.

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Entweder ist es furchtbar oder egal

So kennt es auch Falk Lepie. Der Ortsbeauftragte des THW Magdeburg ist ebenfalls ein „Christkind“, feiert heute seinen 37. Geburtstag und weiß „entweder man findet es ganz furchtbar oder es ist nicht so wichtig, dass man seinen Geburtstag mit dem Weihnachtsmann teilen muss“.

 So richtig schön habe er es früher nicht gefunden, doch für ihn zähle mittlerweile letzteres. „Kindergeburtstage wurden früher immer in den Sommer verschoben, der 24. Dezember galt der Familie“, erzählt er. Zumindest bis zur Volljährigkeit.

Heute wird in kleinem Kreis gefeiert

 „Nachdem ich erwachsen wurde, wusste meine Familie plötzlich nicht, was sie am 24. vormittags machen soll“, erinnert er sich. „Schließlich war für die Verwandtschaft der 24. Dezember 18 Jahre lang für mein Geburstagsfrühstück reserviert.“ Das sei zwar auch heute noch so, allerdings werde im kleinen Familienkreis gefeiert – abwechselnd bei seinen Eltern und den gut 500 Kilometer entfernt lebenden Schwiegereltern.

Dass es für ihn an diesem Tag immer zweimal Geschenke gibt, stört ihn nicht. „Ich habe immer Wert darauf gelegt, dass das getrennt wird und war erpicht, dass es nicht weniger ist als bei meinem Bruder, der genau in der Mitte des Jahres Geburtstag hat.“

Doppelgeschenke sind ein No Go

Eines habe er gar nicht gelten lassen: Doppelgeschenke. „Es geht gar nicht, wenn jemand etwas schenkt und sagt: ‚Das ist für Weihnachten mit‘. Das will keiner hören“, erklärt er.

Eva Maria Henning störte das weniger. Sie hatte nicht unbedingt das Gefühl weniger geschenkt zu bekommen, weil sie an Heiligabend Geburtstag hat. „Ich hatte nur manchmal Probleme, wenn mich jemand gefragt hat, wie mir mein Geburtstagsgeschenk gefallen hat, weil ich oft nicht mehr wusste, was Weihnachts- und was Geburtstagsgeschenk war.“

Fokus liegt auf eigenen Kindern

Heute sei das natürlich anders. Der Fokus liege inzwischen darauf, ihren beiden Kindern Ronja (4) und Michel (6) ein schönes Weihnachtsfest zu bescheren. Nachdem die etwa 40-köpfige Verwandschaft mittags aus dem Haus ist, beginnen die Vorbereitungen fürs Krippenspiel. Beim Weihnachtsgottesdienst wird das „Christkind“ als Engel den Kinderchor leiten.

Auch für Falk Lepie habe sich der Fokus verlagert. Mit seiner Frau und seinem zweieinhalbjährigen Sohn feiert er bei den Schwiegereltern – schweren Herzens, da er weiß wie „heilig“ das Geburtstags-Weihnachtsfest seiner Mutter ist, die ihn an diesem Tag vor 37 Jahren zur Welt brachte.