Magdeburg l Die langen Niedrigwasserphasen in den Jahren 2018 und 2019 hatten schon arg an der Bilanz der Weißen Flotte genagt. Über Monate konnte die Stadtstrecke auf der Elbe nicht bedient werden, stattdessen ging es über den Mittellandkanal. Doch das konnte die Verluste nicht ausgleichen. Das finanzielle Polster der Weißen Flotte schmolz. Bereits 2019 musste die Muttergesellschaft, die Magdeburger Verkehrsbetriebe (MVB), mit 300.000 Euro aushelfen, um Verluste abzufangen und die Liquidität der Weißen Flotte zu stabilisieren.

Doch kaum war die Weiße Flotte in diesem Jahr in die Saison gestartet, zwang die Corona-Pandemie die Schiffe an den Anleger. Erst Ende Mai konnte unter Auflagen die Saison erneut gestartet werden. „Die Saison lief seither gut. Allerdings können wir die Schiffe wegen der Corona-Vorgaben nur zur Hälfte auslasten“, sagt Geschäftsführerin Silke Buschmann.

In Anbetracht der nicht absehbaren Auswirkungen der Corona-Krise sowie weiterer Niedrigwasserphasen auf der Elbe geht die Weiße Flotte nun im schlimmsten Fall davon aus, dass am Jahresende ein Fehlbetrag von rund 293.000 Euro stehen wird.

Liquidität der Weißen Flotte nicht gesichert

Das würde bedeuten, dass die Liquidität nicht mehr gesichert ist und dies zur Zahlungsunfähigkeit führen würde. Und das bereits im Oktober dieses Jahres. Und auch für das Jahr 2021 wird im schlimmsten Fall mit einem negativen Geschäftsergebnis gerechnet. Nur durch eine weitere Finanzspritze in Höhe von maximal 530.000 Euro könnte die Gesellschaft also vor der Pleite bewahrt und stabilisiert werden.

„Die Weiße Flotte ist durchaus ein sich selbst tragendes Unternehmen. Doch durch die Niedrigwasser 2018 und 2019 sowie jetzt Corona benötigen wir finanzielle Unterstützung“, so die Geschäftsführerin.

Das zusätzlich benötigte Geld ist bei der Muttergesellschaft MVB beantragt. Die Unterstützung belastet zunehmend allerdings auch die MVB. Die niedrigwasserbedingte Schieflage der Weißen Flotte könne nicht zulasten der wirtschaftlichen Lage der MVB gehen, heißt es in einer Stellungnahme der Verkehrsbetriebe an die Stadtverwaltung. Der Betrieb der Weißen Flotte gehört nicht zum Kerngeschäft der MVB, da er nicht dem ÖPNV zugeordnet werden kann und darf.

Stadtrat muss über Finanzhilfe entscheiden

Seitens der Gesellschafterin der MVB – die Landeshauptstadt Magdeburg – sind die Verkehrsbetriebe angehalten, nicht kostendeckende und unwirtschaftliche Rand- und Nebengeschäfte mit wirkungsvollen Maßnahmen kostendeckend zu gestalten oder die unwirtschaftlichen Geschäfte zu beenden. Heißt: Die Stadt muss der Finanzhilfe zustimmen.

Die MVB beantragen bei der Stadt nun einen Zuschuss in Höhe von 830.000 Euro – die bereits gezahlten und die nun erforderlich gewordenen Hilfen für die Weiße Flotte. Der Zuschuss ist laut MVB zweckgebunden für die Unterstützung der Weißen Flotte und soll im Falle einer Erholung der wirtschaftlichen Lage der Weißen Flotte zurückgezahlt werden. Der Stadtrat soll auf seiner Oktobersitzung über die Bereitstellung von zusätzlichen Haushaltsmitteln an die MVB bis zu einer Höhe von maximal 830.000 Euro entscheiden.

In der Beschlussvorlage schreibt Bürgermeister Klaus Zimmermann allerdings auch, dass es sich bei der aktuell erforderlichen Summe von 530.000 Euro um ein Schlimmster-Fall-Szenario handelt, das aus heutiger Sicht nicht eintrete, da es in diesem Jahr bislang keine Niedrigwasserphasen wie 2018/19 gab. Deshalb sei die genaue Höhe erst im Oktober 2020 nach der Hauptsaison und damit nach dem Stadtratsbeschluss ermittelbar. Die konkrete Höhe bemesse sich aus der tatsächlich notwendigen Summe, um eine Insolvenz aufgrund der Eigenkapitalsituation zu vermeiden. Die Finanzierung soll aus ungeplanten Rückzahlungen der MVB aus 2019 erfolgen.