Magdeburg l In den späten Abendstunden bewegt sich ein Vierbeiner entlang der Gustav-Ricker-Straße im Stadtteil Hopfengarten und bringt Leser Michael Embach ins Grübeln: Was ist das für ein Tier, das ihm hier in Höhe des Büromöbelhändlers CBOS begegnet, fragt er sich und richtet sich an die Volksstimme, ohne dabei das Wort „Wolf“ zu erwähnen. Beim Blick auf die Handyaufnahmen liegt dieser Verdacht aber nahe.

Wahrscheinlich nur ein Hund

Dafür seien der Körper und die Läufe des Tieres jedoch etwas kurz, schätzt Magdeburgs Kreisjägermeister Dr. Gerd Petzoldt auf Nachfrage ein. Das Wolfskompetenzzentrum (WZI) wird konkreter: „Bei dem Tier auf den mitgesendeten Fotos handelt es sich um einen Hund. Dies ist trotz der schlechten Auflösung am Körperbau und an der Färbung des Tieres gut zu erkennen“, heißt es aus Iden (Altmark). Bei einem Wolf sei die Bauchlinie ganz gerade, während der abgebildete Hund eine stark S-förmige Bauchlinie aufweise. Die Farbübergänge im Fell sind außerdem hart und kontrastreich, während sie bei einem Wolf eher fließend und weich ineinander übergehen, einer der Unterschiede.

Sichtungen werden sich mehren

Wölfe wurden bereits im Jerichower Land und nahe Magdeburg gesichtet, wo Totfunde registriert wurden. Dass sie auch den Weg mitten in die Stadt gefunden haben, ist unterdessen möglich, so Petzoldt: „Warum sollen die Tiere, die ja den Menschen und seine Technik nicht als Feind kennen und auch nicht wissen, welche Gefahren in der ‚Wildnis‘ Kulturlandschaft lauern, deshalb nicht in dichter besiedelte urbane Räume kommen? Insofern werden sich solche Berichte und Sichtungen mehren. Wir dürfen gespannt sein“, greift der Experte die Meldung einer Leserin auf, eines der Tiere im Bereich des unangetasteten Wald- und Buschgebiets an der Straße Am Busch im Stadtteil Reform gesehen zu haben.

Elf Rudel im Land

Auf Nachfrage heißt es vom Wolfskompetenzzentrum, dass „in jüngster Zeit bei uns keine Wolfssichtungen im Raum Magdeburg gemeldet wurden“. Die Einrichtung hatte nach einem Erlass des Ministeriums für Umwelt, Landwirtschaft und Energie Sachsen-Anhalt (MULE) im Februar 2017 die Arbeit aufgenommen und ist dem Landesamt für Umweltschutz angegliedert. Grund dafür waren vermehrte Wolfssichtungen sowie die Tatsache, dass der Bestand der Tiere im Land gewachsen ist. Für das Jahr 2017 wird von einem Bestand von 11 Rudeln mit insgesamt 70 nachgewiesenen Tieren ausgegangen. Meldungen über Sichtungen dienen dem Monitoring, das vom Zentrum in der Ostaltmark vorangetrieben wird.

Es ist telefonisch unter 03939/064 81 und per E-Mail an wzi@lau.mlu.sachsen-anhalt.de, in Notfällen unter Tel. 0162/313 39 49 zu erreichen.