Magdeburg l Heiß her ging es während der Sitzung des Magdeburger Bauausschusses zum Thema Kleiner Stadtmarsch. In einem Eilverfahren möchte die Stadtverwaltung Magdeburg den Weg für ein Bauleitverfahren frei machen, in dem geprüft wird, unter welchen Umständen die Wohnungsbaugesellschaft Magdeburg (Wobau) und die Magdeburger Wohnungsgenossenschaft (MWG) an der bislang unbebauten Schleusenstraße rund 280 Wohnungen einschließlich eines sechsgeschossigen Gebäudes in Bogenform zum Schutz vor Lärm vom Messeplatz bauen dürfen. Das Gelände befindet sich nahe dem Elbufer.

Während der Sitzung des Magdeburger Bauausschusses machten die Stadträte von CDU und SPD deutlich, dass sie der Idee eine Chance geben möchten. Sie liegen dabei auch auf der Linie der Magdeburger Stadtverwaltung, die darauf verweist, dass für das Gelände ohnehin ein rechtsgültiger Bebauungsplan gilt. Der gilt allerdings für ein Medienzentrum.

Evakuierung bei Hochwasser

Kritiker stören sich an vier Punkten. So befürchtet Grünen-Rat Timo Gedlich, dass selbst bei hochwassersicherem Bau im Fall der Fälle Einsatzkräfte gebunden würden, um das Viertel zu evakuieren. Dem hält CDU-Stadtrat Frank Schuster entgegen, dass die geplante Straße zwischen Strombrückenzug und dem Parkplatz für die Magdeburger Stadthalle und die Hyparschale ohnehin hochwassersicher angelegt werden dürfte. Für die Gestaltung dieses Gebietes gab es bereits einen Ideenwettbewerb.

Magdeburger bauen am Elbufer

Magdeburg (ri) l Die Magdeburger Wohnungsunternehmen MWG und Wobau haben ein erstes Modell für ein neues Viertel mit 33.000 Quadratmetern Gesamtfläche vorgelegt. Ab 2021 könnten hier rund 280 Wohnungen entstehen.

  • MWG-Vorstand Thomas Fischbeck (l.) und Wobau-Geschäftsführer Peter Lackner freuen sich über den ersten Entwurf für ein neues Viertel auf dem Werder in Magdeburg. Foto: Martin Rieß

    MWG-Vorstand Thomas Fischbeck (l.) und Wobau-Geschäftsführer Peter Lackner freuen sich ...

  • Blick aus Richtung Südwesten auf das geplante Viertel auf dem Magdeburger Werder. Rechts im Bild das Landesfunkhaus des MDR. Foto: Martin Rieß

    Blick aus Richtung Südwesten auf das geplante Viertel auf dem Magdeburger Werder. Rechts im ...

  • Blick aus Richtung Westen  auf das geplante Viertel auf dem Magdeburger Werder. Rechts im Bild das Landesfunkhaus des MDR. Foto: Martin Rieß

    Blick aus Richtung Westen auf das geplante Viertel auf dem Magdeburger Werder. Rechts im Bild da...

  • Das Hufeisenhauses soll auf dem Magdeburger Werder neben dem Messeplatz (rechts) stehen. Foto: Martin Rieß

    Das Hufeisenhauses soll auf dem Magdeburger Werder neben dem Messeplatz (rechts) stehen. Foto: Ma...

  • Blick aus Richtung Südsoten auf das geplante Viertel auf dem Magdeburger Werder. Foto: Martin Rieß

    Blick aus Richtung Südsoten auf das geplante Viertel auf dem Magdeburger Werder. Foto: Marti...

  • Blick aus Richtung Norden auf das geplante Viertel auf dem Magdeburger Werder. Das Gebäude hinten im Bild ist bereits vorhanden. Foto: Martin Rieß

    Blick aus Richtung Norden auf das geplante Viertel auf dem Magdeburger Werder. Das Gebäude h...

  • Vorn im Bild ist auf dem Magdeburger Werder eine neue Straße zu sehen, die die Verlängerung des Strombrückenzugs mit Stadthalle und Hyparschale verbindet. Foto: Martin Rieß

    Vorn im Bild ist auf dem Magdeburger Werder eine neue Straße zu sehen, die die Verlänge...

  • So würde das Gebiet aus Richtung Süden entlang der Elbe aussehen. Foto: Martin Rieß

    So würde das Gebiet aus Richtung Süden entlang der Elbe aussehen. Foto: Martin Rieß

  • Blick durch das Laub eines Brombeerstrauchs auf dem Magdeburger Werder in Richtung Dom. Hier sollen in den kommenden Jahren neue Häuser gebaut werden. Foto: Martin Rieß

    Blick durch das Laub eines Brombeerstrauchs auf dem Magdeburger Werder in Richtung Dom. Hier soll...

  • Auf dem Gelände auf dem Magdeburger Werder befinden sich unter anderem verlassene Gebäude. Foto: Martin Rieß

    Auf dem Gelände auf dem Magdeburger Werder befinden sich unter anderem verlassene Gebäu...

Für den Strombrückenzug, dessen Pläne bereits seit zwei Jahren vorliegenlaufen derzeit die Vorbereitungen für die Erweiterung. Dies geschieht, obwohl sich der eigentliche Brückenbau möglicherweise wegen der Klage eines Bieters verzögert.

Blick in andere Städte

Zweiter Kritikpunkt: der Konflikt mit dem Magdeburger Messeplatz. Dessen Betreiber sehen die Existenz des Standorts in Gefahr, während Frank Schuster auf eine ähnliche Nähe am Alten Markt oder an Veranstaltungsplätzen in anderen Städten verweist, wo ein Nebeneinander von Wohnen und Feiern möglich ist. Falko Grube von der SPD hält eine neue Siedlung an der Stelle für sinnvoll, um die Innenstadt zu verdichten. Er sieht das Vorhaben im Zusammenhang mit der Neugestaltung des Heumarkts auf der anderen Seite der Alten Elbe.

Dritter Kritikpunkt ist der Umweltschutz. Auch wenn es hier vor 1945 Häuser gab, hat sich die Natur wieder ausgebreitet.

Mietpreise sind Kritikpunkt

Vierter Punkt sind die Mietpreise: Selbst wenn es sich um heimische Unternehmen handle, gehe es um Gewinnmaximierung, ist sich Linken-Stadträtin Andrea Nowotny sicher. Sie und ihr Fraktionskollege Karsten Köpp möchten deshalb im Stadtrat für eine Bürgerbefragung werben. Die Kommunalverfassung Sachsen-Anhalt sieht im Paragrafen 28 auch Bürgerbefragungen vor. Sie müssen anonymisiert stattfinden und können zu Angelegenheiten des Wirkungskreises der Kommune abgehalten werden. Ob es für den Vorstoß der Linken eine Mehrheit gibt, ist offen: Das Thema Bauleitpläne ist z. B. für Bürgerentscheide laut der Kommunalverfassung ausgeschlossen.

Immerhin würde ein solches Verfahren aber auch Zeit zur Diskussion bringen. Die hatte auch Gartenpartei-Stadtrat Roland Zander eingefordert hatte, aber mit seinem Antrag, das Thema von der Tagesordnung zu nehmen, im Bauausschuss gescheitert war. Entscheiden, wie es mit dem Bauhausbogen weitergeht, soll der Stadtrat am 22. Februar 2018. Erstmals in die Öfffentlichkeit vorgedrungen war das Vorhaben im Januar 2018.