Magdeburg l Wenn Investor Rolf Onnen Gäste über die Baustelle des Kavaliers in Magdeburg führt, dann kann er für sich Erfolge vorweisen. Im Inneren der Festungsanlage sind die meisten Räume entrümpelt, trockengelegt, neu zugeschnitten und zum Teil geweißt. Nicht mehr viel erinnert an die von Vandalismus gekennzeichnete Kasernenanlage, die einst von 1871 bis 1874 für die sichere Unterbringung von preußischen Soldaten errichtet worden war.

Seitdem hat das Kavalier eine wechselvolle Geschichte erlebt, war zu DDR-Zeiten unter anderen Konsum-Fotolabor und in den vergangenen 25 Jahren weitgehend sich selbst überlassen. Nur ab und zu nutzten Partyveranstalter das Gelände als Event-Platz.

Magdeburger Haus vor 5 Jahren gekauft

Echte Bewegung kam erst auf das Areal, als Rolf Onnen mit einem Partner das Kavalier von einem niederländischen Eigentümer abkaufte. Das war vor bald fünf Jahren. 

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Zunächst wollte Onnen in der denkmalgeschützten Anlage eine Heimstätte für kreative Köpfe aufbauen. Architekten, Planer, Start-ups - sie alle sollten hier eine kreative Hülle für einen kreativen Geist vorfinden, der sich dann in ebenso kreativer Büroarbeit niederschlagen sollte.

Wohnungen statt Büros

Allein der Plan ging schief. „Ich hatte keinen einzigen Interessenten für Büros gewinnen können“, berichtet Rolf Onnen und schwenkte um. Lukrativ wurde es nach seinen Aussagen erst, als aus den Büros Wohnungen werden sollten.

Ob von Anfang an so geplant war, ist Spekulation. Fakt aber ist: Alle zwölf Wohnungen sind inzwischen verkauft. Das einzige Büro nutzt Onnen selbst. „Die meisten Wohnungskäufer sind Leute aus Magdeburg und Umgebung“, sagt er.

Dachgärten geplant

Mittlerweile haben die Erdarbeiten an der Wallanlage noch größere Dimensionen angenommen. Auf der Südseite wurde kubikmeterweise Erde beiseitegeschoben, ebenso auf dem Dach. Noch mehr Entrüstung rief bei Beobachtern der Einbau von Fenstern und Dachgärten hervor. Darf man das?

Nach Aussagen von Onnen: Ja. Auf das Dach komme ja wieder ca. ein Meter Erde. Auch an die künftigen Terrassen auf der Südseite soll wieder Erde angetragen werden. „Wir haben dafür die Zustimmung. Es sind nur noch Formalien, die fehlen.“

Unterlagen fehlen

Wirklich? Die Stadt Magdeburg bewertet die Sachlage so: „Zur abschließenden Bearbeitung der Bauanträge fehlen noch immer notwendige Unterlagen. Wir stehen dazu in einem engen Kontakt mit den Bauherren“, sagte Stadtsprecher Michael Reif. Und: Trotz der noch fehlenden Unterlagen stehe das Gesamtprojekt aber nicht auf der Kippe.

Genau das aber wäre nach Meinung der Freunde der Festung Magdeburg notwendig. „Uns blutet das Herz, wenn wir sehen, wie da außen saniert wird“, sagte Bernhard Mai, Vorsitzender des Vereins. Konkret kritisieren er und viele seiner 40 Vereinsmitglieder die Verschiebung der Erdmassen und den Einbau von Fenstern.

Verein sieht Investoren nicht als Retter

„Normalerweise war die Kasematte von einer dicken Erdschicht als Schutz umgeben und abgedeckt. Nach der Sanierung ist davon offenbar nicht mehr viel übrig.“ Für den Verein seien die Investoren nicht die Retter der Anlage, für die sie von manchen gehalten würden, sondern das Gegenteil.

Was aber wäre eine Alternative, wo doch das Gelände schon 25 Jahre lang weitgehend sich selbst überlassen wurde? Auch dafür hat Mai einen Vorschlag: Auch wenn man jetzt nicht sofort eine Verwendung gehabt hätte: akuter Handlungsbedarf habe nicht bestanden.

Festung für Konzerte nutzen

Mai: „Die Festung ist für die Ewigkeit gebaut. Mit ersten Sicherungsmaßnahmen gegen Vandalismus und Witterung hätte man die Anlage vorerst schützen können, um sie dann zu einem gegebenen Zeitpunkt für andere Zwecke wie zum Beispiel Musiker, deren Lautstärke dort niemand stört, zu nutzen.“

Unterm Strich bleibt nun abzuwarten, wie es weitergeht. Nach Volksstimme-Informationen fühlt sich auch der Festungsbeirat nicht ausreichend ernst- und wahrgenommen. Das Gremium, das die Stadt in allen Fragen des Umgangs mit den preußischen Festungen in Magdeburg beraten soll, sei weder vor noch während der Kavalier-Sanierung unterrichtet worden.

Nach Volksstimme-Recherchen will der Beirat nun auf der nächsten Sitzung des Bauausschusses im März 2018 dazu Stellung nehmen. Was das bringt, bleibt abzuwarten.