Magdeburg l In der Nacht zum Sonntag, 3 Uhr, wenn ganz Deutschland auf Winterzeit umstellt, vielleicht zum letzten Mal, dann wird der Hüter der Magdeburger Domuhr, Domküster Roland Kupfer, schlafen. Wahrscheinlich.

Umstellen erst mit Dienstbeginn

Jedenfalls wird er nicht den Dom hinaufklettern und eine Stunde das Pendel der mechanischen Domuhr anhalten. Das macht er erst nach Arbeitsbeginn. Und der ist am Sonntag um 8 Uhr. Und das heißt widerum: Vor neun Uhr ist am Sonntag keine korrekte Zeitanzeige am Dom zu erwarten – außer man schaut von Süden auf den Dom.

Aber der Reihe nach, vorerst ein Domuhren-Überblick. Wem es noch nicht aufgefallen ist: Es gibt drei große Ziffernblätter am Dom. Eins am Südturm, zur Hegelstraße hin ausgerichtet, eins am Nordturm, zu sehen vom Landtag aus. Und dann noch die Anzeige an der Domfront, hinter der sich das mechanische Uhrwerk aus dem 19. Jahrhundert befindet. Das alte Uhrwerk bewegt auch die Zeiger der Nordturmuhr, nicht aber die der Südturmuhr. Die Südturmzeiger sind elektronisch gesteuert. Und wenn dort alles richtig funktioniert, ist am Südturm schon pünktlich um 3 Uhr Sonntagfrüh Winterzeit.

Bilder

Die Zeit kann warten

„Die Stadt richtet sich nicht unbedingt nach der Domuhr“, weiß Domküster Kupfer. Deshalb nimmt er es auch nicht so genau, wenn die drei Domuhren mal nicht die gleiche Zeit anzeigen. Oder nicht die richtige. „Für eine halbe Minute renne ich nicht hoch“, sagt der 45-Jährige, betont aber, er bemühe sich schon um korrekte Zeitanzeigen am Magdeburger Wahrzeichen.

Tatsächlich ist der Weg zum mechanischen Uhrwerk des Doms ein stufenreicher. Etwa 300 seien es wohl, schätzt Kupfer, auf etwa 60 Meter befindet sich das Uhrwerk. Abgeschirmt in einem Raum, steht der Zahnrad-Koloss, ein Pendel schwingt: tik, tak. Elektronisch ist nur die Aufzugvorrichtung. Einst hätte jemand fast jeden Tag manuel die Uhr aufziehen müssen. Doch das ist lange her. Die Stufen.

Ein Mal im Monat auf den Turm

„Wenn die Uhr zwei, drei Minuten aus dem Takt kommt, dann muss ich mal wieder hoch“, berichtet der Küster. Im Sommer sei das etwa ein Mal im Monat der Fall, wenn es kälter werde häufiger. Die alte Mechanik sei eben sehr „wetterfühlig“, sagt Kupfer.

Auch die stündlichen sowie viertelstündlichen Glockenschläge richten sich nach dem alten Uhrwerk. Über ein mechanisches Gestänge werden Hammer an die Glocken geschwungen. Das heißt, wenn der elektronisch gesteuerte große Zeiger am Südturm auf der zwölf steht, ertönt nicht zwangsläufig ein Gong. Aber dafür ist dort pünktlich Zeitumstellung.