Oebisfelde l Sie möchte mit ihrem Bericht über ihre damalige Trinksucht dazu beitragen, anderen Menschen, die wissen, dass sie zu viel Alkohol trinken, helfen, den Weg aus der Sucht zu finden. Sigrun Klose ist die taffe Frau im Monat Dezember. Alkohol ist ein gern angenommenes Genussmittel, weil es anregend und entspannend wirkt. Von Medizinern wird für Frauen als maximale Tagesdosis maximal 12 Gramm reinen Alkohol als verträglich angegeben. Das entspricht in etwa 125 Millilitern Wein. Für Männer liegt dieser Wert bei der doppelten Menge – wobei mindestens zwei Tage pro Woche ohne jeglichen Alkoholkonsum angeraten werden. Doch wie viel verträgt eine Person wirklich, bis der Genuss krankhaft wird? Das ist individuell von Person zu Person unterschiedlich. Tatsache ist jedoch, dass der Weg zur Alkoholsucht ein schleichender Prozess ist. Der Weg da raus, kann nur mit dem persönlichen Eingeständnis und Hilfe von außen funktionieren.

Nicht anders wiederfuhr es Sigrun Klose. Ihr Rückblick auf die Alkoholsucht reicht weit hinein in die Zeit als junge Frau. Dass übermäßiger Alkoholkonsum gesundheitliche Folgen nach sich ziehen kann, offenbarte sich ihr aber noch früher. Der Vater stand dem einen oder mehreren Bieren sehr aufgeschlossen gegenüber. Doch in den damaligen Zeiten war es im Dorf eher die Regel, als denn die Ausnahme, dass Männer „einen übern Durst“ tranken, erinnert sich Klose.

Mit Weißwein fing es an

Bei ihr „schlich sich Freund Alkohol“ so ab dem 20. Lebensjahr ein. „Ein Glas Wein kann ja nicht schaden“, hieß es in geselliger Runde, und das empfand die junge Sigrun ebenso. Es blieb nicht immer bei dem einen Glas Weißwein. Von ihr unbemerkt, schmeckte das Zeug immer besser. Und leicht beschwipst, das kann keine großen gesundheitlichen Auswirkungen haben, beruhigte sie sich selbst. Was sie nicht wahrhaben wollte, das manifestierte sich: „Freund Alkohol ruiniert das Leben schleichend“, weiß Klose heute. Der Weißwein wurde zu ihrem stillen Lebensbegleiter.

Das blieb auch so, als Genuss im Verborgenen, als Sigrun Klose zu Beginn der 1980er Jahre heiratete. Ehemann, Tochter und Sohn blieb die Sucht lange verborgen, die wurde dann auch toleriert – denn so schlimm war das ja alles nicht, erinnert sich Ehefrau und Mutter Sigrun.

Scherbenhaufen blieb

Mit der Wende veränderten sich auch die Lebensumstände der Familie Klose. Stets in Lohn und Brot, immer fleißig von morgens bis abends, das war plötzlich vorbei. „Ich wurde nicht mehr gebraucht. Das tat mächtig weh. Und in meiner Not griff ich nun noch öfter zur Flasche. Freund Alkohol schien mir das alles leichter ertragen zu lassen“, schüttelt sich Sigrun Klose noch heute über diesen Trugschluss.

Vor etwas mehr als drei Jahren stand Sigrun vor dem persönlichen Scherbenhaufen: Ihr Mann brach sein Schweigen, konfrontierte seine Ehefrau mit der Belastung durch ihre Sucht. Fast 40 Jahre Ehe standen vor dem Aus. Sigrun Klose fasste den rettenden Entschluss: Sie vertraute sich ihrem Arzt an, forderte selbst die Entgiftung ein. „Es waren drei Monate, die alles von mir abverlangt haben. Doch danach hat ein neues Leben für mich und meinem Mann begonnen.“

Familie stand zu ihr

Dass er in all den Jahren zu ihr stand, ihre Kinder sich riesig über ihren Entzug freuten, das habe ihr zusätzliche Kraft gegeben, sagt eine heute selbstbewusste und taffe Sigrun Klose.

„Ehrlich zu sich selbst sein, ist der erste Schritt, eine Sucht zu besiegen. Heute muss ich zwar bei meiner Ernährung auf die Inhaltsstoffe achten, doch das ist es mir allemal wert“, hofft die Oebisfelderin auf viele Nachahmer, die allein beim Duft von Alkoholika schon nicht mehr Nein sagen können.