Oebisfelde l Zwei aus dieser Bevölkerungsgruppe sind Gitta und Lothar Müller. Die 79-jährige Mutter und ihr 60 Jahre alter Sohn leben jetzt im Wohnquartier des DRK-Kreisverbandes Börde im Oebisfelder Stürholzgarten. Sie fühlen sich dort gut aufgehoben, haben wie sie sagen, „ihr neues Zuhause schätzen und lieben gelernt“. Die heimatlichen Wurzeln hielten Mutter und Sohn zuvor in der südlichen Börde-Region fest.

Mit der deutsch-deutschen Wiedervereinigung änderte sich auch für die Familie Müller der berufliche Alltag sozusagen von heute auf morgen dramatisch. Gitta Müller verdiente nach eigenen Aussagen gutes Geld in der Fischverarbeitung. Doch der Betrieb wurde „abgewickelt“. Was ihr half, war ihr Alter. Sie konnte in Rente gehen, was ihr dann doch eine finanziell sichere Zukunft garantierte. Anders erging es ihrem Sohn, der in der Landwirtschaft beschäftigt war. Er verlor seinen Arbeitsplatz, fand auf dem Arbeitsmarkt keine Anstellung mehr.

„Unsere häusliche Situation verschlechterte sich langsam, aber zusehends, doch es bot sich keine annehmbare Lösung bis ich von dem Wohnquartier hier in Oebisfelde hörte“, berichtete Gitta Müller. „Dass Lothar und ich dann hier einen Platz gefunden haben, war für uns ein Glücksfall, so sehe ich das. Der Umzug kam noch zur rechten Zeit, er war notwendig. Und hier kommen wir wieder zurecht, können uns auf Hilfe und Unterstützung verlassen“, urteilt die Rentnerin.

„Die andere Umgebung unserer neuen Bewohner erfordert in den ersten Wochen ein verstärktes Einfühlungsvermögen von uns als Begleiter durch den Alltag.

Steven Hahnauer, Pflegedienstleiter

Ihr Sohn Lothar möchte nicht so gern an die alte Zeit erinnert werden. Das jähe Ende seiner landwirtschaftlichen Arbeit und die Aufgabe gewohnter Lebensumstände haben ihn wortkarg werden lassen. Er gibt sich mit den neuen Gegebenheiten zufrieden, ist, wie er sagt, „sehr zufrieden“ mit dem neuen Zuhause.

Dieses Leben von Gitta und Lothar spielt sich in der Privatsphäre eines Wohnquartier-Appartments ab, was ungefähr einer 1,5-Raum-Wohnung entspricht. Sie haben sogar ihre alte Wohnungseinrichtung am alten Zuhause gelassen. In Oebisfelde begann das neue Leben mit neuen Möbeln und in Zufriedenheit.

„Die andere Umgebung unserer neuen Bewohner erfordert in den ersten Wochen ein verstärktes Einfühlungsvermögen von uns als Begleiter durch den Alltag“, berichtet Pflegedienstleiter Steven Hahnauer und meint damit, dass die Eigenverantwortung über die Lebensumstände weiter und uneingeschränkt bei den Bewohnern des Wohnquartiers bleibt. „Wir als Fachpersonal unterstützen in allen Lebensbereichen, insbesondere, wenn medizinische oder pflegerische Belange berührt werden. Auch stehen wir mit Rat und Tat stets zur Seite, wenn das soziale Miteinander noch wachsen muss. Jeder, der neu zu uns kommt, soll auch seine neue Wurzeln gründen können“, betont Hahnauer die Eigenverantwortlichkeit der Bewohner unter dem Dach des DRK-Wohnquartiers.

Umzug

Dort leben aktuell vier Ehepaare und 26 Einzelmieter, die sich in die Obhut des DRK-Kreisverbands Börde begeben haben. Auch das Ehepaar Heyden aus Oebisfelde hat sich für solch einen Umzug entschieden.

Wie Martin Heyden berichtet, war es die genau richtige Entscheidung. Aufgrund des Alters und der gesundheitlichen Konstitution wurde der Alltag immer beschwerlicher. Jetzt in den neuen vier Wänden bleibt einfach mehr Zeit beide, heißt es von Heyden. Und er ist täglich in Oebisfelde unterwegs, kann an dem Vereinsleben der ihm sehr vertrauten Schützengilde teilnehmen. Das ist möglich, weil er weiß, dass seine Ehefrau in der Tagespflege betreut und umsorgt wird.

Gerade diese Kombination von einem barrierefreien Lebensort und vielfältigen Betreuungsmöglichkeiten sieht Pflegedienstleiter Hahnauer als Pluspunkt für mehr persönliche Lebensqualität im Alter an.

Dass diese Art und Weise, sein Leben im Alter zu verbringen, auch in der Oebisfelder Region deutlich an Zuspruch erfährt, kann auch davon abgeleitet werden, dass bereits an einem zweiten Wohnquartier-Gebäude vis-a-vis geplant wird. Geschuldet ist dies auch der Tatsache, dass immer weniger jüngere Verwandte sich um die Senioren der Familien kümmern können. Ausbildung, Studium und Beruf erfordern ein hohes Maß an Flexibilität bei Zeit und Mobilität. Und: Die ältere Generation möchte der jüngeren nicht zur Last fallen, weiß Hahnauer.