Oebisfelde/Breitenrode l Eigentlich könnte Steffen Lachmann aus Breitenrode als Vorsitzender des größten Angelvereins in der Kommune Oebisfelde-Weferlingen rundum zufrieden sein. Doch das ist er eben nicht, wie er selbst berichtet. „Nach außen hin läuft alles im Verein rund“, erläutert Lachmann seinen ungewöhnlichen Schritt, gleich 155 Brandbriefe zu versenden. „Doch es zeichnet sich schon längere Zeit ab, dass die gesamte Vereinsarbeit von langjährig im Verein aktiven Mitgliedern geleistet wird. Aber nicht nur dieser Umstand bereitet mir größte Sorge. Die Veranstaltungen, die vom Vorstand angeboten werden, wie Familienangeln, Raubfisch- und Hegeangeln, ja selbst der Anglerball, fallen mangels Teilnehmer aus“, bemängelt bedauernd der Vorsitzende. „Dabei bieten wir immer wieder attraktive Anreize teilzunehmen. Beispielsweise kaufen wir eigens für das Familienangeln zahlenmäßig starken Besatz an Forellen. Oder bieten den Anglerball als ,All-Inclusive‘-Veranstaltung an“, gibt Lachmann zwei Beispiele von weiteren. Doch er erkennt zunehmend, dass diese Offerten den meisten der Mitglieder gar nicht mehr interessieren. Nachweisliche Gründe dafür lassen sich nicht benennen. „Vielleicht geht es den Mitgliedern zu gut, oder die ,Null-Bock-Mentalität‘ hat den Verein erreicht“, mutmaßt Lachmann. Dabei hat die Mitgliederzahl in den vergangenen Jahren eher zugenommen. Selbst die Trennung von den Angelfreunden aus Weddendorf hat zu keinem Einbruch geführt. „Im Gegenteil“, so Lachmann, „im vergangenen Jahr wurden sieben neue Mitglieder aufgenommen und niemand hat seine Mitgliedschaft aufgegeben.“

Es ist aber auch der Normalfall, dass lang gediente Vorstandsmitglieder, wie eben Kassenwart Jürgen Heina, in die sogenannte zweite Reihe rücken wollen, heißt es von Lachmann. Und auch Schriftwart Eyk Hildebrandt wird sein Amt bei den Wahlen im Verlauf der kommenden Jahreshauptversammlung abgeben.

Die Vorstandsriege hat deshalb seit längerer Zeit mit viel Aufwand entsprechende Nachfolger gesucht, aber niemanden gefunden. „Da der Vorsitzende, dessen Stellvertreter und der Kassenwart nach Vereinsrecht auch mit ihrem Privateigentum für den Verein im Fall der Fälle geradestehen müssen, geht es nicht ohne Kassenwart weiter, steht für Lachmann fest. Dieser Posten nach seiner Ansicht kann nur von einem Mitglied ausgefüllt werden, der Verantwortung auf Dauer übernehmen will. Niemand werde ins kalte Wasser gestürzt, Jürgen Heina werde beratend zur Seite stehen, bis der neue Kassenwart eingearbeitet ist. „Findet sich im Verlauf der kommenden Jahreshauptversammlung kein neuer Kassenwart, findet vier Wochen später die Versammlung zur Auflösung des Angelvereins Oebisfelde statt“, steht für den Vorsitzenden unverrückbar fest. Der Angelverein Oebisfelde wurde im Jahre 1926 gegründet. Allein wegen dieser langen Tradition, wegen der Bedeutung des Angelns für das Gemeinwohl und als Respekt vor den Ehrenmitgliedern, wie es beispielsweise Wilhelm Giese einer ist, hofft Steffen Lachmann auf eine Lösung zum Wohl des Angelvereins.