Oebisfelde l Viel Freude und Begeisterung hatte das Unternehmen „Pilgern auf dem Jakobsweg“ bei den Vor- und Konfirmanden der Oebisfelder Kirchengemeinde ausgelöst. Das war bei der Rückschau auf die neuntägige Unternehmung allen Teilnehmern anzumerken – einschließlich den Betreuern Birte Groneberg und Pfarrer Wolfgang Schwarzer. Begonnen hatte die Pilgerreise mit dem Flug von Berlin nach Madrid. Das war aber ein Klacks gegenüber dem was folgte.

Ab Madrid musste die Gruppe täglich ein strammes Tagesprogramm abspulen, denn die jeweiligen Unterkünfte waren bereits im Voraus gebucht worden. Selbstverständlich war den Teenagern bewusst, dass diese Tour auch im ureigensten Sinne der eigenen Besinnung im Geiste des Evangeliums dienen sollte. Doch im Verlauf der täglichen Marschstrecken stand mit den Tagen zunehmend die Motivation für den Start in den aktiven Tag und fürs Durchhalten im Vordergrund, wie Lukas Krause es ausdrückte. Obwohl er und andere Marschierer zuhause sportlich in Vereinen aktiv sind, war das Überwinden des sogenannten inneren Schweinehunds eine Daueraufgabe, die sich jedoch abends ebenso schnell immer wieder in Luft auflöste.

Die Tour führte über Sarria, Portomarin, Melide, Cruceiro, Lavacolla zum Endpunkt der Pilgertour nach Santiago de Compostela. Die Besichtigung der Stadt, insbesondere der Kathedrale, war einer der Höhepunkte auf der Tour. Die einhellige Meinung der Gruppe: Beim Anblick der Kathedrale verschwanden Muskelkater in den Beinen und Gedanken an schmerzende Blasen an den Füßen auf einen Schlag.

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Dabei hatten sich die Mädchen und Jungen zuhause mit einem Probemarsch körperlich und seelisch auf die Strapazen vorbereitet, wie Ronja Groneberg beim Gespräch im Pfarrgarten betonte. Die Strecke von Mieste zur Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe bei Gardelegen waren sie gemeinsam mit der Gemeindepädagogin Christel Schwerin abgelaufen. Dort waren zum Ende des Zweiten Weltkriegs mehr als 1000 KZ-Häftlingen bei einem Massaker und bei Todesmärschen um Gardelegen umgekommen – eine zusätzliche Herausforderung für Körper und Geist der Konfirmanden.

Auch Pfarrer Schwarzer als ältester Teilnehmer hatte sich mit regelmäßigem Schwimmtraining eine stattliche Fitness antrainiert. Einmal die Woche 1000 Meter im Schwimmbecken unterwegs, das zahlte sich dann doch aus, war der Pfarrer auch etwas stolz auf sein Durchhaltevermögen.

Erreichbarkeit auf dem Handy

Was allerdings einer eigenen Besinnung entgegensprach, war der Umstand, dass so gut wie alle jugendlichen Teilnehmer per Mobiltelefon erreichbar blieben. „Das ist schwer, so ganz ohne Handy auszukommen, gaben die Jugendlichen dann doch diesen Umstand preis. Telefoniert wurde aber immer nur abends, wollten sie dann doch betont wissen.

Doch das blieb nur eine Randnotiz, wie Betreuerin Birte Groneberg auf einen kulinarischen Höhepunkt zu sprechen kam. Das war nämlich eine Kocheinlage der Mädchen, die eines Abends die Gruppe überraschte. Es wurden Nudeln mit delikater Soße serviert. Auch bei der alltäglichen Kost blieben die Oebisfelder Pilgerer eher südländisch. Pizza und Baguettes in zig Variationen kam immer und immer wieder auf den Tisch. Mit dem Wunsch nach Pulpo-Gerichten blieb Pfarrer Schwarzer hingegen allein auf weiter Flur.

Die Gruppe hatte aber auch nicht die große kulinarische Auswahl. Es marschierte sich ja auch nicht so gut mit vollem Magen und zum Durstlöschen vollbrachten täglich zwei Liter Mineralwasser wahre Wunder für die Erfrischung. Immerhin wog ein Rucksack so um die fünf Kilogramm. Überhaupt mussten die Jugendlichen jeweils nur mit einer Wechselgarnitur an Bekleidung über die gesamte Zeit auskommen – Socken wurden selbstverständlich nicht gewaschen.

Diese Pilgerreise hatte eben auch seinen Preis. Insgesamt 600 Euro pro Person waren aufzubringen, wovon der Kirchenkreis immerhin ein Drittel der Kosten übernommen hatte.

Die Konfirmanden werden zu einem Extra-Gottesdienst in absehbarer Zeit einladen und über ihre vielen Eindrücke und Erlebnisse berichten.