Oebisfelde l Michael Frick ist ein Visionär, der seinen Lebenstraum mit dem Aufbau eines eigenen Güterverkehrs vom Oebisfelder Bahngelände aus Stück für Stück verwirklicht. Dafür hat er der Deutschen Bahn AG insgesamt acht Hektar Fläche vom DB-Areal abgekauft. Bäume, Büsche und Grasflächen mussten weichen, Gleisanlagen wurden freigelegt, saniert und neu verlegt.

Unter der Firmenmarke „Altmark-Rail“ hat Frick und sein Geschäftspartner aus Schleswig-Holstein mittlerweile mehrere Lokomotiven zum Einsatz gebracht, die deutschlandweit eingesetzt werden, heißt es von Frick. Er selbst packt überall und sofort mit an, wenn er meint, dass ihm diese Arbeit seinem Ziel ein Stück näherbringt. Reparatur- und Wartungsarbeiten an den Loks erledigt er noch allein, sucht aber Schlosser und geeignetes Personal. Auch ein Bedarf an Lokführern meldet Fricke an, doch der Arbeitsmarkt scheint leer gefegt.

Vorhaben nur durch regionale Garanten

Längere Zeit schien das gesamte Projekt für den Buchhorster Visionär auf finanziell wackeligen Beinen zu stehen. Auch wenn der städtische Wirtschaftsförderer Peter Schorlemmer seinerzeit mehr als erfreut darüber war, dass der Verfall des Güterbahnhofs in unmittelbarer Nähe des noch intakten und genutzten Bahnhofs wieder ein attraktives und passendes Aussehen erhalten wird. Seine gut gemeinten Tipps endeten sinnbildlich in Sackbahnhöfen. Finanzmittel waren aber notwendig. Selbst eine Vorsprache bei der Bank für Wiederaufbau brachte nicht den erhofften Erfolg.

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Frick zäumte das finanzielle Zugpferd von hinten auf und suchte lokale Partner. Mit seiner Geschäftsidee konnte er eine in Oebisfelde vertretene genossenschaftlich organisierte Bank überzeugen. Auch der Planer, Handwerksbetriebe und Dienstleister aus der nahen Region sprangen auf dem Frick-Zug auf. Und dieser wirtschaftlichen Strategie will der Buchhorster weiterhin treu bleiben.

Sanierung des Lokschuppens

Zurück auf das Bahnbetriebsgelände: Für die Nutzung durch das Betriebspersonal ist Fricke als „Altmark-Rail“-Chef nun dabei, das Sozialgebäude aufzubauen. In früheren Zeiten diente das Gebäude als Lokschuppen. „Der Zahn der Zeit hat für den Niedergang des Oebisfelder Güterbahnhofs gleich nach der Wende ganze Arbeit geleistet“, meint Fricke und zeigt auf die maroden Holzfußböden und ebensolches übrig gebliebenes Mauerwerk. „Doch bei genauerer Inaugenscheinnahme kam Substanz zum Vorschein, die eine Sanierung des Lokschuppens sinnvoll machte“, erläuterte Frick. Es war sogar so viel Bausubstanz vorhanden, dass eine komplette Etage draufgesattelt werden konnte“. In diesem Sozialgebäude sollen Büroräume, ein Gemeinschaftsraum, Ruhe- und Schlafräume für die Lokführer und sanitäre Einrichtungen eingerichtet werden, so die Frick-Information.

Das Gebäude bietet mit einer Rampe direkt an einem Gleis ideale Voraussetzungen, um Güter direkt auf die Schiene zu bekommen. Allerdings muss die Rampe fürs Verladen von Holz oder Stückgut erneuert werden, weiß der Eisenbahn-Enthusiast. Zudem müssen zwei Kurzstrecken saniert und zwei neue zu den zwei vorhandenen Gleisstrecken verlegt werden. „Das aber ist schon alles bedacht und kalkuliert worden“, denkt Frick bereits an zukünftige Eisenbahnerzeiten.

Ausgerechnet die pulsierende Auftragslage im Handwerk ist ihm derzeit zu einem Hemmschuh geworden. „Wir könnten schon ein gutes Stück weiter vorangekommen sein, als die derzeitige Situation“, heißt es von Frick. „Die ausführenden Firmen stöhnen unter Aufträgen und ich muss mich immer wieder gedulden“, stöhnt auch Frick, wenn auch mit einem Schmunzeln. Stress hat Frick, braucht er auch und perlt wieder von ihm ab, wie er selbst meint. Den Maurern, Zimmerleuten und Architekten dankte Frick nach dem Richtspruch von Zimmerer Joachim Göricke dann am gedeckten Tisch im Robau für die Komplettsanierung und den weiteren Ausbau des ehemaligen Lokschuppens auf dem Oebisfelder Güterbahnhof.