Oebisfelde l Die Betriebe in Sachsen-Anhalt suchen händeringend nach Auszubildenden. Allein in diesem Jahr sind bis zum obligatorischen Ausbildungsstart am 1. August allein 5800 Stellen landesweit unbesetzt geblieben. Auch der 16-jährige Miester Jonathan Lembke mit seinem Realschulabschluss konnte sich noch nicht für eine Lehrzeit in einem Ausbildungsberuf entscheiden. „Ich bin mir nicht sicher, brauche einfach noch Zeit, um eine Entscheidung für ein Berufsziel zu finden“, antwortet der Heranwachsende zwischen jugendlicher Leichtigkeit und männlichem Erwartungsdruck. Er folgt erst einmal seinen Neigungen und Interessen, kam deshalb zur Biosphärenreservatsverwaltung nach Oebisfelde, um dort ein Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) zu bestreiten.

Großeltern gaben Anstoß

Den Anstoß, diesen Findungsweg einzuschlagen, gaben ihm die Großeltern, die in Mieste einen landwirtschaftlichen Hof unterhielten, und weil er eben einen spürbaren Bezug zur Natur hat, wie der 16-Jährige meint. Eng mit der Natur in Berührung kommt Jonathan nun ein Jahr lang. Sabine Wieter, bei der Biosphärenreservatsverwaltung Drömling auch für die Betreuung der „FÖJ-ler“ zuständig, nahm Jonathan gern unter die dienstlichen Fittiche, „weil die Motivation stimmt“, verteilt die Fachkraft kleine Vorschusslorbeeren.

Die tägliche Arbeit führt den Miester Heranwachsenden gleich täglich an viele ungewohnte Arbeitsabläufe heran. Im Infohaus in Kämkerhorst mit seinen Einrichtungen und Angeboten bedarf es immer wieder Kontrollen, kleinerer Reparaturen und die Räume müssen insbesondere nach Besuchergruppen auf Vordermann gebracht, sprich gesäubert werden.

Zudem gehört es ebenso zu Jonathans Aufgaben, bei Projektarbeiten zu unterstützen. Und zudem immer dann, wenn er gebraucht wird, anderen zur Hand zu gehen. Und nicht zuletzt gehört es zu den Gepflogenheiten, die Grundsätze der Biosphärenreservatsverwaltung nach außen hin zu vertreten.

Umweltschutz gesellschaftlicher Auftrag

Seine FÖJ-Zeit wird von der Stiftung Umwelt, Natur- und Klimaschutz des Landes Sachsen-Anhalt finanziert. Unter dem Motto „Ein Jahr für dich – ein Jahr für deine Umwelt“ organisiert die Stiftung für Jugendliche im Alter von 16 bis 27 Jahren ein praktisches Jahr mit konkreter Natur- und Umweltarbeit. Jonathan muss deshalb auch an fünf Seminaren an unterschiedlichen Veranstaltungsorten teilnehmen.

Mensch, Natur und Umweltschutz, diese Beziehung sieht Jonathan als ein Miteinander, das es immer wieder zu prüfen gilt. Für ihn ist der Umweltschutz ein gesellschaftlicher Auftrag. Als aus seiner Sicht sofort durchführbare Maßnahme käme der Verzicht auf Einkaufstüten aus Plastik infrage. Umweltfreundliche Stoffbeutel und noch mehr Mehrweglösungen für die Verbraucher könnten nach seiner Auffassung entsprechend positive Wirkungen mit sich bringen.

Gefragt, wie kritisch er die Entwicklung der CO2-Bilanz betrachtet, gibt Jonathan freimütig zu, dass ihn diese Problematik nicht so sehr beschäftigt, obwohl er bereits zu der Generation gehören würde, die es treffen könnte. Auch die Bewegung „Fridays for Future“ löst bei ihm keine Motivation aus, die Protestbewegung aktiv zu unterstützen. Ihm war sein Schulabschluss wichtiger.

Jonathan wird bei seinen vielen neuen Tätigkeiten für die Biosphärenreservatsverwaltung von der 19-jährigen Oebisfelderin Lisa Albrecht unterstützt. Sie hat bereits ihre FÖJ-Zeit absolviert und den Ökologischen Bundesfreiwilligendienst drangehängt. Mit Bedacht, wie sie selbst sagt. Denn Lisa Albrecht möchte in naher Zukunft mit dem Studium zur Umweltsicherung in Hildesheim beginnen. Ihr Resümee für die Zeit bei der Bios­phärenreservatsverwaltung fällt überaus positiv aus: Sie empfindet diese Zeitspanne als Vorbereitung für die private Zukunft, aber in aller erster Linie für die künftige Studienzeit.