Oebisfelde l  Direkt von der Baustelle in Norddeutschland fuhr der Montagearbeiter aus dem Oebisfelder Raum nach Hause in die häusliche Quarantäne. Bei einem Kollegen vom Bau war die Infektion mit dem Covid-19-Virus festgestellt worden. Sorglos war noch Stunden zuvor der Abschied eines Kollegen von der Baustelle gefeiert worden. „Das ist so bei uns. Wenn man wochen- und monatelang auf einem Fleck hockt und arbeitet, dann schweißt das schon ein gutes Stück weit zusammen“, berichtet Ralf T. von der Feier, wo alles seinen Anfang nahm.

Kollege infizierte sich in Österreich

Der Montagetrupp, dem er angehörte, bestand aus zirka 40 Arbeitern. Alles Pendler, die es am Wochenende nach Hause zieht, um schon am Sonntag oder spätestens Montag in aller Herrgottsfrüh wieder in Richtung Arbeitsstätte aufzubrechen. Das ist auch bei Ralf T. über Jahre so. Die Familie zieht mit. Anders geht das ja auch gar nicht, weiß er um den Wert dieses hohen sozialen Miteinanders.

An dieser Feier nahm auch ein Arbeitskollege teil, der zuvor, allerdings ohne es zu wissen, in Kontakt mit einem anderen Kollegen gekommen war, bei dem sich die Infektion mit dem Covid-19-Virus bestätigt hatte. Der Infizierte hatte seinen Urlaub in Österreich verbracht. Kurz nachdem er wieder auf der Baustelle seiner Arbeit nachgegangen war, so berichtet Ralf T., haben sich erste typische Symptome eingestellt. Es folgte der Gang zum Hausarzt, der Gesundheitscheck auf eine Infektion und das beklemmende Ergebnis. „Ihm geht es gut, keine gesundheitlichen Probleme“, weiß Ralf T. heute.

Ein beklemmendes Gefühl

Andere Probleme bekamen dann allerdings sehr schnell die Kollegen auf der Baustelle. Sie waren ohne ein Dazutun plötzlich alle Kontaktpersonen, weil sie möglicherweise potenzieller Bestandteil einer Infektionskette geworden waren.

Es blieb nichts anderes übrig, als dass alle die Heimfahrt antreten mussten und für sie dort die häusliche Quarantäne begann. Seit dem gestrigen Freitag haben diese 14 Tage für Ralf T. begonnen. „Das ist ein völlig beklemmendes Gefühl. Eigentlich nicht zu begreifen, irgendwie unterirdisch“, lautet der Versuch von Ralf T., diese Situation zu beschreiben.

„Was sonst normal innerhalb der vier Wände war, das gilt nicht mehr. Das beginnt allein schon beim Betreten des Badezimmers. Ich benutze nur noch eigens für mich reservierte Handtücher, beim Essen lege ich schon allein für mich fest, im größeren Abstand am Tisch zu sitzen. Und beim Fernsehschauen wird ebenfalls hübsch Abstand gehalten. Kuscheln verboten, können Sie sich das vorstellen“, zählt Ralf T. auf und stellt diese Frage, ohne die Antwort abzuwarten.

Kinder unterstützen die Schutzmaßnahmen

Doch ihm ist bewusst, dass er mit derartigem Verhalten seine Familie vor einer möglichen Infektion schützt. „Es muss einfach sein“, bekräftigt der Familienvater. Und das hat er auch seinen Kindern eingeimpft. Es hilft alle Vorsicht eines Einzelnen nicht, wenn andere sich nicht an die nur allzu notwendigen Schutzmaßnahmen halten. Seine Kinder halten sich an die notwendigen Schutzmaßnahmen und auch an den Abstand zum Vater. Ungern, weil der doch nur an Wochenenden für sie da sein kann, aber auch aus Einsicht und mit etwas Angst vor einer Ansteckung.

Die aber ist so gut wie unwahrscheinlich, meint auch seine Ehefrau. „Ralf strotzt vor Gesundheit und das wird auch so bleiben. Jedenfalls fällt uns allen ein Stein vom Herzen, wenn die 14 Tage um sind“, sieht sie dem Ende der Quarantäne in den eigenen vier Wänden mit Freude entgegen.

Danach soll es aber schon wieder in Richtung Baustelle gehen, weiß Ralf T. aus einem Gespräch mit seinem Chef. An Kurzarbeit wird vorerst überhaupt nicht gedacht, die Auftragsbücher sind voll und es wird sich auf den Baustellen auch nicht auf die besagte Pelle gerückt, meint Ralf T. zuversichtlich. „Was bleiben wird, ist ein noch nicht zu definierendes Gefühl, eigentlich hilflos einem nicht sichtbaren Krankheitserreger ausgeliefert zu sein“, sagt Ralf T. und sitzt doch optimistisch noch die restlichen Tage Quarantäne zu Hause geduldig ab.