Oebisfelde l Groß Aufhebens für einen Anlass haben Inge und Fritz Bortfeldt nur einmal in ihrem gemeinsamen Leben gemacht, damals vor 65 Jahren, als sie heirateten. Das Fest der eisernen Hochzeit er- und verlebte das Jubelpaar vor wenigen Tagen im Kreise seiner Kinder und Enkelkinder in Oebisfelde. „Das war eine feine Sache. Klein, fein und in Familie“, meinte Inge Bortfeldt.

Ansonsten lebten die Bortfeldts bescheiden, legten jede Mark zurück, um reisen zu können. Wenn ihre Mitreisenden Sonne, Strand und Dolce Vita erleben wollten, waren sie auf Erkundungstour. Die historischen Seiten von Teilen des Kaukasus, der Halbinsel Sotschi, von Bukarest und Budapest oder das Lenin-Mausoleum in Moskau und viele Sehenswürdigkeiten mehr nahmen sie in Augenschein. Nach der Wende mussten es Land und Leute in den USA sein, Paris vom Eiffelturm aus betrachten und die Tulpenblüte in Holland miterleben, all diese Reisen trugen dazu bei, dass der heute 87-jährige Fritz und die 85-jährige Inge mit strahlendem Lächeln auf ihr gemeinsames Leben zurückblicken.

Und das begann eben während einer Zugfahrt der damaligen Bahn-Lehrlingsschülerin von Stendal nach Gardelegen, wo sie lebte. „Sie müssen nämlich wissen, dass der Fritz bei der Bahnpolizei auf dieser Strecke nach Berlin eingesetzt war. Dass er mich dabei schon so komisch angeschaut hat, habe ich schon bemerkt. Mehr habe ich mir dabei nicht gedacht. Aber gefallen hat er mir schon“, erinnert sich Inge Bortfeldt, als wenn es gestern passiert wäre.

Hochzeitstag steht plötzlich auf der Kippe

Und Ehemann Fritz schiebt nach: „Ich bin zur Transportpolizei gekommen, weil ich so den Dienst an der innerdeutschen Grenze auf diese Art und Weise verhindern konnte. Na ja, die Inge ist mir schon sofort ins Auge gefallen. Nur, sie anzusprechen, habe ich mich erst etwas später getraut. Zu meinem Glück. Das passierte aber dann auch auf dem Stendaler Bahnhof.“

Der geplante Hochzeitstag, der 30. Juli 1955, der wäre beinahe aus dienstlichen Erfordernissen für den Staat geplatzt. Fritz Bortfeldt sollte eine Zusatzschicht „fahren“, weil die vorgesetzte Stelle keine Alternative finden konnte. „Mit etwas Ideenreichtum und Durchsetzungskraft blieb ich dann doch zu Hause und es wurde geheiratet“, freut es noch heute den damaligen Bräutigam.

Im Jahr 1963 hing Fritz Bortfeldt den Dienst bei der Bahn an den berühmten Nagel, wurde Kraftfahrer. Ehefrau Inge war inzwischen von Stendal zum Dienstort Oebisfelde gewechselt, weil die Allerstadt neuer Lebensmittelpunkt wurde. Drei Töchter, Gabriele, Ute und Petra, wurden geboren. Das Jubelpaar freut sich heute ebenso über vier Enkel und zwei Urenkel. Aus dem Eigenheim zogen die Bortfeldts vor Jahren aus, überließen es einer Tochter. In ihrer Mietwohnung in der Allerstadt fühlen sie sich aber ebenso wohl. „Wir haben es ja nicht weit“, heißt es von den beiden im Einklang.