Oebisfelde l Das Energiebündel verfügt immer noch über ein atemberaubendes Reaktionsvermögen und eine Schlagfrequenz, die 400 Treffer in einer Minute garantiert. Die Ausnahmesportlerin trainierte Kursteilnehmer im Kampfsportzentrum des Vereins „Goshin-Jutsu-No-Michi“ in Oebisfelde.

Dass die Hamburgerin Susianna „Susi“ Kentikian eine der erfolgreichsten Boxerinnen Deutschlands, noch dazu ein gefragter Medienstar ist, das war ihr Sonnabend im Kampfsport-Trainingszentrum an der Schillerstraße nicht gleich anzumerken. Freundlich im Ton, bestimmend bei den Trainingseinheiten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen, demonstrierte die Boxerin aus Leidenschaft, gemeinsam im Kurs, was auch Laien an körperlicher Leistung aufbieten können. Dass dabei ihre Trainingspartner mehr ins Schwitzen gerieten als sie, quittierte Kentikian mit Anerkennung, um im Anschluss bei den Kursteilnehmern noch Konditionsreserven freizusetzen, damit die Pfunde purzeln. Wichtig war der Boxerin mit dem knallharten Punch, dass die Übungen technisch akurat präsentiert wurden. Der Kontakt mit dem Vorsitzenden des Kampfsportvereins, Frank Lambrecht, kam zustande, weil Susi Kentikian auf die Präventionsarbeit von Lambrecht gegen Gewalt, insbesondere bei Kindern und Teenagern, aufmerksam geworden war. Dieser vergangene Sonnabend passte nun in den Terminkalender des Boxstars. Ein nächster führt die selbstbewusste Frau in den Deutschen Bundestag. Dort wird sie vor Politikern über Prävention und „Mädchen stärken“ referieren.

„Wenn der Mensch sich etwas vornimmt, ist ihm mehr möglich, als er glaubt”, diese Überzeugung trägt die weibliche Boxlegende Kentikian in sich. Sie verließ ihr Geburtsland Armenien mit Familie im Alter von fünf Jahren, weil dort die Einberufung ihres Vaters zum Militärdienst im damals umkämpften Bergkarabach drohte. Die Familie zog zunächst in ein Wohnheim nach Berlin, begab sich dann jedoch wegen der dort vorherrschenden Gewalt und fehlender Deutschkenntnisse nach Moldawien und später nach Russland. Im Jahr 1996 kehrte die Familie nach Deutschland zurück und zog nach Hamburg. Die Kentikians lebten unter anderem auch in einem Asylbewerberheim, immer in der Angst abgeschoben zu werden. Erst ihr Box-Profivertrag im Jahr 2005 sicherte ihr wie der Familie ein dauerhaftes Bleiberecht.

Mittlerweile ist Susi Kentikian ein durchaus bekannter Medienstar. Auftritte mit Stefan Raab, in einer „Let´s dance“-Staffel und der TV-Doku-Serie „Ewige Helden“ sind nur einige Stationen außerhalb der Erfolge im Profi-Boxsport.