Flechtingen l Was veranlasst einen dazu, Urlaub in Jordanien zu machen? Für Klaus Dalichow stellt sich diese Frage nicht. Der Magdeburger war bereits viermal im Königreich unterwegs, jedes Mal mit dem Fotoapparat im Gepäck. Als leidenschaftlicher Hobbyfotograf ist er stets mit der Kamera unterwegs.

Entgegen einigen Nachbarländern gilt Jordanien als sicheres Reiseland mit stabilen politischen Verhältnissen. Für Klaus Dalichow machen die architektonischen und kulturellen Meilensteine der Menschheitsgeschichte den Reiz des Reisens dorthin aus. „Du nimmst einen Stein in die Hand und hältst Geschichte in den Händen“, sagt Klaus Dalichow zu seiner Intension, diese Länder immer wieder zu bereisen. Er sei kein gläubiger Mensch, doch die biblischen Geschichten faszinieren ihn trotzdem. Dort haben sie ihre Ursprünge.

Orte gaben Namern für die Ausstellung

Sei es wegen Petra, jener berühmten Felsenstadt, die zu Anbeginn der Zeitrechnung ganz aus rotem Fels gehauene Handelsmetropole an der Weihrauchstraße war und erst Anfang des 19. Jahrhunderts wiederentdeckt und freigelegt wurde. Oder Wadi Rum, wo Lawrence von Arabien einst seine Truppen an steilen Felsklippen entlang durch den heißen Wüstensand in die Schlacht geführt hatte. Wie auch der Ländernachbar Israel, wo Klaus Dalichow bereits achtmal unterwegs gewesen ist, liegt Jordanien sowohl am Roten als auch am Toten Meer.

Diese Mischung gab der neuen Fotoausstellung des leidenschaftlichen Hobbyfotografen ihren Namen: „Petra, Wadi Rum und Me(e)hr“ ist ab dem morgigen Sonntag in der Kleinen Galerie des Flechtinger Pfarrhauses zu sehen.

Schwerpunkte seines künstlerischen Schaffens sieht Klaus Dalichow bei Porträts, Stillleben und Landschaften. Davon gibt es in der Ausstellung eine ganze Bandbreite zu bestaunen. Und das, obwohl es gar nicht so leicht ist, in der zumeist tiefgläubigen, teils verhüllten arabischen Welt Gesichter abzulichten.

„Dieses junge Beduinenmädchen hatte es faustdick“, zeigt Klaus Dalichow auf das Porträt eines jungen Mädchens. Mit dem Finger signalisierte sie ihm, nicht fotografiert werden zu wollen. Doch wenn er bereit sei, ein Leporello für zwei jordanische Dinar (etwa zwei Euro) zu erstehen, ließe sie vielleicht mit sich reden. Da half auch nichts, dass Klaus Dalichow auf seinen Fotoapparat zeigte und sagen wollte, dass er ja selbst Bilder macht. Das Geld wechselte den Besitzer, das Foto war im Kasten. Das Leporello hat Klaus Dalichow immer noch, hatte es sogar mit zur Ausstellungsvorbereitung nach Flechtingen gebracht. Eine von vielen Erinnerungen an denkwürdige Begegnungen.

Eröffnung erfolgt ohne Vernissage

Wegen der aktuellen Corona-Sicherheitsmaßnahmen wird es keine Vernissage geben. Doch der Aussteller hat sein Kommen für morgen zugesagt, steht interessierten Besuchern zu seinen Fotos gern Rede und Antwort.

Bis zum 20. September öffnet die Kleine Galerie mit der Fotoschau wieder jeden Sonntag zwischen 14 und 17 Uhr bei kostenfreiem Eintritt ihre Türen. Über Spenden zugunsten des Galeriebetriebes freuen sich die Organisatoren.

Der Zuspruch auf die erste Ausstellung des Jahres mit Acrylbildern von Renate Sender hat selbst die Galeriefreunde überrascht. „Die Leute wollen Kultur, wollen etwas erleben“, sagt Galeriefreundin Marianne Rademacher. Nach Wochen und Monaten der Zwangsruhe wegen Corona seien die Menschen froh, wieder hinaus zu können. Es gelten für die Kleine Galerie weiter die aktuellen Abstands- und Hygienemaßnahmen, die in der Galerie aushängen. Wird es zu voll in der Galerie, kann es zu Wartezeiten vor der Tür kommen. Wegen der Bauarbeiten zur Sanierung der oberen Etage im Flechtinger Pfarrhaus ist im Eingangsbereich zur Galerie ein Baugerüst aufgestellt.