Reformation

Halloween verso Luther

Die Kenntnisse über den Reformationstag sind so unterschiedlich ausgeprägt wie die Meinungen übers Halloweenfest auseinandergehen.

Von Harald Schulz

Oebisfelde l Dass beide Anlässe auf ein und denselben Tag fallen, sorgt bei vielen Oebisfeldern für eine zusätzlich gespaltene Meinung. Ohne Frage, dieser 500. Reformationstag hat auch in der Stadt Oebisfelde eine besondere Bedeutung, wenn Mitglieder der evangelischen Kirchengemeinde gefragt werden. Allerdings so offen und frei mit der Presse über Martin Luther und seine 95 Thesen zu sprechen, das wäre dann doch des Guten zu viel.

Dafür war Martin Luther und die Reformation am Sonntag das bestimmende Thema beim Familiengottesdienst im Gemeindehaus der evangelischen Kirchengemeinde. Gemeindepädagogin Susanne Gätzschmann hatte dieses große Thema in den Mittelpunkt gestellt. Gemeinsam mit Erik Möllmann als Luther und Petra Schrader an der Gitarre sowie mit den Teenagern Mariella und Leni entfachte Gätzschmann ein wahres geschichtliches Feuerwerk über das Leben des Reformators. Die Andacht mit Liedern und Gebeten befasste sich nur am Rande mit dem Wirken Luthers. Vielmehr wurden die Ängste des Theologen und Bibelübersetzers in Szene gesetzt. Luther wurde gleich von vielen Existenzängsten geschüttelt. Er erlebte sogar Todesangst.

Dass Martin Luther als vogelfrei Erklärter trotzdem an seinem Glauben zu Gott festhielt, darüber hinaus unverrückbar die Geiseln der Kirche offen anprangerte und den Menschen die Bibel übersetzte, das stellte die Andacht im Besonderen, aber immer aus Sicht von Kindern und Jugendlichen, heraus. Als symbolische Mutmacher verteilte die Gemeindepädagogin Rubbelkreuze. War die Schutzschicht weggerubbelt, kam ein biblischer Spruch zum Vorschein, der den Leser in seinem Tun mit Gottes Hilfe bestärkt.

Mariella und Leni sind zwölf Jahre alt und beste Freundinnen, wie beide bestätigten. Allerdings ist nur Leni eine Konfirmandin. Das Wissen um Martin Luther ist bei Mariella dann auch schnell aufgebraucht. Leni beeindruckt da schon mit den bekannten Größen wie Bibelübersetzung und 95 Thesen. Beide finden es nicht so glücklich, dass Halloween und Reformationstag auf ein Datum fallen. Allerdings möchten beide auch nicht auf den Spaß und die Freude als kostümierte Gespenster verzichten. „Halloween ist cool, schon ein Stückchen cooler als Martin Luther“, meint Mariella. Leni nickt zustimmend.

Was nicht nur den beiden Mädchen fehlt, ist der Bezug zu diesem Mann, der vor 500 Jahren die Kirchenwelt reformierte. Sich als Gespenst, als gruselige Erscheinung zu verkleiden und dann für Süßigkeiten an Haustüren zu klopfen, das ist ein Vergnügen, das nicht viel mehr als lustig zu sein abverlangt, meint Leni.

Dass Gruseln heutzutage zu den begehrtesten Freizeitangeboten zählt, verdeutlichen die Anbieter von komplexen Computerspielen, Medienspektakeln um Außerirdische bis hin zu scheinbar unbesiegbaren Untoten oder einem Clown, der alles andere als Lustiges im Schilde führt.

Bei den Erwachsenen geht die Meinungsschere über Halloween und Reformationstag mit zunehmendem Alter auseinander. Die ältere Generation wünscht sich eine klare Trennung dieser beiden Anlässe. Besser noch, der Gruseltag würde wieder komplett von der Bildfläche verschwinden. Junge Erwachsene und junge Eltern amüsieren sich eher über die Ideenvielfalt der Kinder. Allerdings sollte der Reformationstag seine Bedeutung als kirchlicher Feiertag behalten, so die Mehrheit der Befragten.