Breitenrode l  In fünfter Generation führen nun Andrea und Eyk Hildebrandt den Familienbetrieb. Zu Gründerzeiten war es die Poststelle mit Schankwirtschaft Lahmann, heute kehren Gäste ins Hotel und Restaurant Hildebrandt ein. Vor 100 Jahren erwarben die Ur-Großeltern von Barbara Hildebrandt, nämlich Gustav und Anna Schernikau, die ehemalige Poststelle und Schankwirtschaft von der Familie Lahmann, die dieses Haus 1850 erbaut hatten. Das Posthorn, das bis heute noch in der Gaststätte als bleibende Erinnerung seinen Platz gefunden hat, ist das letzte Andenken an die einstige Poststelle.

Einst Post und Dorfkrug

Die wurde im Jahre 1930 aufgegeben, dafür aber die Schankwirtschaft zum Gasthof mit vier Fremdenzimmern erweitert. Das war zu damaligen Zeiten schon eine Besonderheit in der ländlichen Gastronomie.

Im Jahre 1930 übergab Gustav Schernikau den Gasthof an seine älteste Tochter Grete Großgebauer. Sie führte den Gasthof über 33 Jahre, bis ihr Sohn Kurt und ihre Schwiegertochter Gisela Großgebauer den florierenden Familienbetrieb übernahmen. Zu dieser Zeit musste die Beherbergung eingestellt werden, denn Breitenrode befand sich nahe der deutsch-deutschen Zonengrenze im damaligen Sperrgebiet. Dort durften sich nur ortsansässige Bewohner oder Menschen mit einem entsprechenden Passierschein aufhalten. Und, es war nicht leicht, so eine Genehmigung überhaupt zu erhalten. Die Antragsteller mussten politisch „auf der Linie und damit tragbar“ sein, erinnert sich Barbara Hildebrandt.

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Fachwerksaal abgerissen

Die Gaststätte wurde jedoch weiter betrieben und von der einheimischen Bevölkerung und den im Dorf stationierten Soldaten der DDR-Grenztruppen rege besucht. Dabei war es nicht immer leicht, die benötigten Waren für die Bewirtung heranzuschaffen, denn vieles gab es nur auf Zuteilung. Ständig war die Familie trotz aller Hindernisse bemüht, die Gaststätte zu verschönern und das Speisenangebot zu erweitern.

Als wesentliche Modernisierungen kann bereits im Jahre 1936 der Abriss des Mittelteils zwischen Saal und Gaststube angesehen werden. Dort entstand ein höheres Gebäude. Die Schieferfassade mit darunter befindlichen Lehmsteinen der Gaststube wurden 1960 unterfangen und zusätzlich durch eine massive Backsteinmauer neugestaltet. Drei Jahre später wurde die Rückwand des Gasthauses ausgebaut und der Kopfsteinpflasterhof betoniert.

Zurück zur Historie: Im Jahre 1976 wurde die Gaststätte an die älteste Tochter von Kurt und Gisela Großgebauer übergeben. Barbara und Jürgen Hildebrandt führten den Familienbetrieb bis zum 1. Januar 2010. Während dieser Zeit im Sperrgebiet wurde der alte Fachwerksaal abgerissen, weil kaum noch Veranstaltungen nachgefragt wurden - ein bittere Folge der Restriktion.

Enorme Nachfrage für Hotelzimmer

Im Jahre 1987 dann eine feine Geschäftsidee: Das Angebot einer Eisdiele mit leckerem Softeis fand die entsprechende Resonanz im Dorf. Komplett neue Möglichkeiten für die Gastronomie ergaben sich aber erst mit Öffnung der innerdeutschen Grenze.

Die Familie beschloss ein Hotel zu bauen, weil die Nachfrage für Gästezimmer in der Region Oebisfelde enorm war. Ende Juli 1991 erfolgte der erste Spatenstich und am 16. April 1992 wurde die Eröffnung des Hotels mit 26 Zimmern gefeiert. Außerdem entstanden ein neuer Saal und eine professionell ausgestattete Gastro-Küche sowie ein Parkplatz mit 30 Stellplätzen.

Seit Januar 2010 bewirtschaften Andrea und Eyk Hildebrandt in fünfter Generation den Familienbetrieb als Hotel-Restaurant Hildebrandt. Die Jubiläumsfeier soll im kommenden Juni erfolgen.