Oebisfelde l „Das Harfenspiel fasziniert mich schon eine lange Zeit“, plaudert Liona Wolf munter drauf los. Vor dem Spiel auf dem Saiteninstrument galt ihr musikalisches Interesse dem Gitarrenspiel und auch musizieren mit der Geige gefiel ihr. Ihren Weg zur Harfe hat die Oebisfelder Jugendliche durch das Angebot des Instrumentenkarussells der Musikschule Wolfsburg gefunden. In Schnupperkursen probierte Liona jeweils für längere Zeit mehrere Instrumente aus. Allerdings befolgte sie dann doch den Rat ihres Vaters, der ihr den gut gemeinten Tipp gab, sich auf die Harfe zu konzentrieren, „weil das Erlernen einer Geige aller Voraussicht nach bei ihr zu lange dauern würde“. Das war für die 13-jährige Schülerin des Wolfsburger Eichendorff-Gymnasiums der Initialfunke, der die musikalische Liebe zur Harfe entflammte.

Seit September des vergangenen Jahres erlernt und verfeinert Liona mittlerweile in der Musikschule Wolfsburg die facettenreichen Klangfarben im Spiel auf einer sogenannten Keltischen Hakenharfe. Diese Instrumentenart ist seit dem 17. Jahrhundert bekannt. Anfang des 18. Jahrhunderts wurden Pedalmechaniken zur Steuerung der Haken, die zum Erzeugen von Halbtönen genutzt werden, entwickelt. In der Kunstmusik waren Hakenharfen neben den Pedalharfen noch bis weit ins 19. Jahrhundert hinein verbreitet. Die Harfe selbst ist eines der ältesten Instrumente der Menschheit, fand bereits 3000 vor Christus Erwähnung in ägyptischen Aufzeichnungen. Zudem ist das Harfenspiel eines der anspruchsvollsten wie klangvollsten unter den Konzert-Instrumenten.

Die große und kleine Harfe von Liona kommen ohne Pedale aus. Für eine Konzertharfe muss sie noch lange sparen, wie sie selbst schmunzelnd Auskunft gibt. Solch ein edles Konzertinstrument liegt im Bereich eines fünfstelligen Euro-Betrages.

Vortrag

Doch die musikalische Klasse ist Liona offensichtlich nicht abzusprechen, was auch die „Jugend-musiziert“-Kommission beim Vorspiel der 13-jährigen Oebisfelderin attestierte. Insgesamt 23 von 25 möglichen Punkten vergaben die Experten für die Präsentationen der Musikstücke „The Ash Grove“, einem traditionellen Instrumentalstück aus Wales, „Danza de Luzma“ und „Cumbia deliciosa“, zwei musikalisch flammende Stücke aus Spanien, dem Canon in D – einem Barockstück von Johann Pachelbel – und das „La Valse d‘Amelie“ aus dem Film „Die fabelhafte Welt der Amelie“. Ein Vortrag, der für die Präsentation auf Harfen als Herausforderung angesehen werden kann.

Umso mehr ist dieser erste Platz beim Regionalwettbewerb mehr als ein Achtungserfolg, weil Liona im „Harfeggio“-Ensemble mit zwei Mädchen und einem Jungen im ähnlichen Alter vorspielte, allerdings auch mit einer 17-jährigen Musikschülerin. Dadurch wurde der Altersdurchschnitt so angehoben, dass das Ensemble in eine Wertungsgruppe rutschte, in der erfahrene Qualifikanten vortrugen. Diese besondere Hürde verursachte jedoch kein Kopfzerbrechen. „Gute zehn Minuten vor dem Auftritt kam das Lampenfieber, das nach den ersten Zupfern wie weggeblasen war“, erinnert sich Liona.

Dieser Erfolg und die Musikalität der 13-jährige Oebisfelderin hat noch einen anderen Ursprung: Liona wächst in einer äußerst musikalischen Familie auf. Vater Oliver hat bereits als Kind im Dresdner Kreuzchor gesungen, spielt Geige, inspiriert und leitet den Oebisfelder Kammerchor „All´Cantara“, erlernt aktuell das Musizieren mit dem Saxofon. Mutter Michaela beherrscht die Block- und Querflöte sowie die Konzertgitarre. Und der jüngere Bruder Jovan fühlt sich hinter seinem Schlagzeugaufbau pudelwohl. Übrigens: Hauskonzerte mit Freunden gehören zum guten Ton der Familie Wolf.