Oebisfelde l Trotz Bestellungen übers Internet und begrenzten Möglichkeiten Leselektüre als Taschenbuch, in gebundener Form oder als Hör-Buch in Oebisfelde in einer Buchhandlung zu erhalten und in der städtischen Bibliothek in der Burg auszuleihen, können Buchhändlerin Marlies Hoffmann und die Leiterin der Stadtbibliothek, Annegret Schumann, einen größeren Stamm von jungen wie älteren Lesern vorweisen. Die Nachfrage nach Leselektüre steigt aber immer dann nochmals, so die einhellige Aussage der beiden Kennerinnen, wenn eben diese beiden Großmessen ihre Pforten geöffnet haben.

Doch Buchmesse ist nicht gleich Buchmesse, weiß Marlies Hoffmann. Die in Frankfurt am Main ist in erster Linie eine Fachmesse, die in dieser Offenheit fürs Publikum mit einem kompletten Wochenende sich erstmals so ins öffentliche Licht bringt. Da ist die Leipziger Buchmesse ein anderes Kaliber und hat wohl auch mehr Renommee bei Menschen, die sich fürs Lesen und für Literatur begeistern, schätzt Hoffmann ein. „Wenn gleich die für den Deutschen Buchpreis zum Auftakt der Frankfurter Buchmesse nominierten Bücher, allen voran der Roman Archipel von Preisträgerin Inga-Maria Mahlke, noch eine ganze Zeit vergriffen sein werden, hat die Leipziger Buchmesse ihr eigenes Flair. Dank des Mottos ,Leipzig liest‘ besteht wohl eine besondere innere Nähe zwischen Literaturangeboten und Leser“, meint die Oebisfelder Buchhändlerin.

Das ist auch der Grund, weshalb Oebisfelder Schulklassen und lesebegeisterte Menschen aus der Allerstadt sich jedes Jahr wieder auf den Weg in die kreisfreie Stadt in Sachsen zur Buchmesse machen, meint Marlies Hoffmann, die einst in der Leipzig ihren Beruf an der Deutschen Buchhändler-Lehranstalt erlernt hat.

Heute sieht sich Hoffmann einer wachsenden Konkurrenz durch den Online-Handel gegenüber. Gemeinsam mit der ebenfalls gelernten Buchhändlerin Christiane Feniuk aus Klötze, sie arbeitet als Angestellte, besitzen die beiden Frauen vom Fach jedoch einen Faustpfand gegen die Konkurrenz: Sie kennen die Vorlieben der Leser, die in der Buchhandlung oder in der Bibliothek auf die Suche gehen. „Das ist als kleine unabhängige Buchhandlung im Börsenverband des Deutschen Buchhandels tatsächlich lokal ein nicht zu unterschätzender Vorteil“, beschreibt Marlies Hoffmann ihre betriebliche Zukunft.

Kontakte pflegen

Wie selbstverständlich sieht es die Buchhändlerin an, zu Anbietern von Kunst, Literatur und Kultur einen engen Kontakt zu pflegen. Darüber lassen sich viele Brücken schlagen, spricht Hoffmann die Verbindungen zur Schaffenden Künstlerin Angelika Flaig aus Bösdorf, zum Heimatverein, zum Kulturverein Castrum aber auch zu den Chören der Stadt an.

Der kürzeste Draht des Miteinanders besteht aber zur Stadtbibliothek und zu Annegret Schumann. Das herzliche Verhältnis bestand bereits mit Waltraut Sierau. „Es war für mich eine Selbstverständlichkeit bei den Vorbereitungen für das 70-jährige Bestehen der Stadtbibliothek am kommenden 20. Oktober zu unterstützen. Doch die Vielfalt der Literatur ist und bleibt das verbindende Glied“, bekräftigt Hoffmann diese Bande.

Dieser Gemeinsinn, sich für eine beständige Lesekultur stark zu machen, der verbindet, bestätigt Annegret Schumann. „Es ist umso förderlicher, wenn wir gemeinsam in Schulen, Kindergärten und dann wieder jeder für sich am angestammten Platz die Freude am Lesen voranbringen.

„Diese Freude am Lesen erfährt auch immer dann einen Aufwuchs, wenn die beiden großen Buchmessen in Frankfurt und Leipzig laufen“, weiß auch Schumann zu berichten. Es scheint dann so etwas wie ein Virus aufzutreten, der die Menschen infiziert, sie zum Lesen unterschiedlichster Literatur animiert, mutmaßt die Bibliotheksleiterin. Aber auch ohne dieses „Lesefieber“ können die Bibliotheken in Oebisfelde, Weferlingen und Rätzlingen auf eine treue Leserschaft bauen. Solche Slogans wie „Leipzig liest“ könnten für die drei Bibliotheken umformuliert sinngemäß lauten: „Wir veranstalten zwar keine Buchmesse, haben aber regelmäßig für Lesefreunde jeden Alters geöffnet.“