Oebisfelde l Die Heißmangel an der Geschwister-Scholl-Straße war die letzte ihrer Art in Oebisfelde und ist nun Geschichte. Ein Ein-Frau-Betrieb war die Mangel indes ganz und gar nicht, sondern ein Familienunternehmen.

Ulrike Weber erinnert sich: „Kurz nach der Wende hatten wir, mein Mann Friedhelm und ich, in einem Nebengelass des Grundstücks einen Getränkeshop eingerichtet. Doch der lief nicht lange, sodass wir am 2. Mai 1992 bereits die Heißmangel eröffneten. Die Idee dazu stammte von meinem Schwiegervater, der immer wieder darüber geredet hatte“, erzählt sie.

So wurde eine elektrische Mangel des Baujahres 1986 aus Kusey angeschafft und die Arbeit begann und florierte. „Zunächst hat vor allem mein Mann Friedhelm hinter den Walzen gestanden. Angepackt hat aber die gesamte Familie, meine Schwiegermutter Angela, meine Schwägerin Helga, meine Kinder Nadine und Maik und hin und wieder auch deren Freunde“, berichtet Ulrike Weber.

Sie selbst war vor allem nach ihrer eigentlichen Arbeit in der Mangel dabei. Denn ihren Beruf als Krankenschwester, unter anderem im ehemaligen Krankenhaus an der Bahnhofstraße oder später bei Zahnärztin Cordula Neubieser, hat sie bis zu ihrer Rente nie aufgegeben.

In ihrem Ruhestand „schmiss“ sie die Mangel dann vor allem mit ihrem Lebensgefährten. Denn ihr Mann Friedhelm war bereits 2003 viel zu früh verstorben.

Über mangelnde Kundschaft im mangelnden Betrieb konnte Ulrike Weber nie klagen: „Wir hatten Stammkunden, die uns über knapp 30 Jahren die Treue gehalten haben. Aber es kamen auch immer wieder neue Kunden hinzu - aus unserer Oebisfelder Region und auch aus dem benachbarten Niedersachsen.“

Was Ulrike Weber besonders in Erinnerung behalten wird, ist das Vertrauensverhältnis zu ihren Kunden beziehungsweise der Kunden untereinander. „Wir haben unter der Woche morgens um 7 Uhr geöffnet. Oft war von uns niemand im Laden, wenn die Kunden ihre Körbe gebracht oder abgeholt haben. Das betraf auch das Bezahlen. Die Kunden haben ihren Obolus, auch wenn niemand vor Ort war, entrichtet. Das Geld lag dann offen auf dem Tisch und es hat nie etwas gefehlt“, so die Oebisfelderin.

Zum Kunden-Abbruch kam es auch nicht, als neue Textilgemische, vor allem die für Bettwäsche, auf den Markt kamen. Die Bettwäsche musste nun nicht mehr gekocht und dann gemangelt werden. „Zu mangelnde Wäsche kam trotzdem weiterhin. Insbesondere Tischwäsche. Einige ließen aber auch weiter ihre Bettwäsche, obwohl oftmals nicht nötig, trotzdem durch die Mangel laufen“, blickt Ulrike Weber zurück und fasst zusammen: „Insgesamt war es eine schöne Zeit. Das Wichtigste war, dass wir eine angenehme Kundschaft hatten und es viel Unterstützung aus der Familie gab. Ich höre daher mit einem weinenden und einem lachenden Auge auf.“

Auch Marie Seeger mangelte für Kundschaft

Bevor Webers 1992 ihre Mangel eröffneten, konnten Oebisfelder ihre Wäsche beispielsweise zur Heißmangel an die Bahnhofstraße bringen. Dort hatte Marie Seeger, Großmutter von Malermeister Werner Müller, kurz nach dem Krieg ein Mangelgeschäft eröffnet. Ab 1970 wurde es dann von ihrer Tochter Charlotte Müller weitergeführt. „Nach der Wende war dann Schluss“, berichtet Meister Müller.

Ein zweites Mangelgeschäft, geführt vom Konsum, hatte an der Lindenstraße sein Domizil. Zuerst neben der Gaststätte „Erna“ und später auf dem Hof der Lokalität.