Oebisfelde l Die Mitglieder des Ortschaftsrates, der Heimatverein und auch die Verwaltung des Biosphärenreservats Drömling sowie viele Nutzer der Bahnverbindungen von und nach Oebisfelde hatten gehofft, dass mit dem von vielen Seiten als äußerst gelungen gelobtes Graffiti-Projekt im Tunnel der Vandalismus ein Ende haben wird – hat der aber nicht. Ortsbürgermeisterin Bogumila Jacksch (UWG) hatte die Mitglieder des Ortschaftsrates und Ordnungsamtsleiter Detlef Meyer im Vorfeld der vergangenen Sitzung in dieser Woche zum Besichtigungstermin eingeladen.

Wenige Tage zuvor war es erneut zu Zerstörungen der Schallschutzanlagen an der Deckenkonstruktion gekommen. Auch wurde die Beleuchtungsanlage beschädigt, so dass es zum Ausfall der an dieser Versorgungsleitung angeschlossenen Straßenbeleuchtung kam, wie Meyer informierte. Glücklicherweise konnten Techniker des Energieversorgers Avacon die Unterbrechung schnell beheben.

Vorschlägen fehlt es an Nachhaltigkeit

Dass es im Tunnel öfters aufgrund von Vandalismus dunkel bleibt, war ein Zustand, der seit Jahren beim Ortschaftsrat und der Stadtverwaltung einiges Kopfzerbrechen bereitete. Bei der Besichtigung in dieser Woche wurden zwar unterschiedliche Varianten zum Schutz vor Zerstörung laut, doch zum Zwecke der Nachhaltigkeit konnte keine überzeugen.

So wurde beispielsweise vorgeschlagen, die Beleuchtung einseitig zwischen Decke und Wand zu installieren, um so bei Attacken weniger Angriffsfläche zu bieten. Eine andere Idee war, eine komplett andere Deckenkonstruktion einzubauen, die so besser vor dem Herunterreißen schützen könnte, aber Schall dämmt.

Letztendlich entschieden sich die Ratsmitglieder, die an der Besichtigung teilgenommen hatten, für eine Variante, die durch massive Maßnahmen, einen Langzeitschutz bieten könnte: Der gesamte Schallschutz an der Decke wird entfernt, so dass nur noch die blanke Betondecke zu sehen sein wird. Die dort angebrachten Leuchtkörper bleiben bestehen, werden jedoch in besonders robuste Schutzvorrichtungen eingebettet.

Diese Variante hatten Mitarbeiter der Avacon und Ordnungsamtsleiter Meyer nach dem letzten Zerstörungsvorfall am vergangenen Wochenende erarbeitet. Detlef Meyer räumte ein, dass der Tunnel durch die dann nackte Betondecke kein schöner Anblick mehr ist. Auch die Schalldämpfung wird so in ausgeprägte Mitleidenschaft gezogen, aber der Schutz gegen den Vandalismus deutlich verbessert.

Der Ortschaftsrat sprach sich in der späteren Sitzung einstimmig für diese Neugestaltung aus, die allein aufgrund fortwährenden Vandalismus erfolgt. Ordnungsamtsleiter Meyer bedauerte dieses Opfern des Schallschutzes und des guten Aussehens des Bahnhoftunnels, meinte aber auch, „dass es eben keinen 100-prozentigen Schutz gegen derartige Zerstörungswut gibt“.

Graffiti-Sprayer bietet Hilfe an

Mitglieder des Ortschaftsrates boten sogar aktive Hilfe bei der Umgestaltung an. So könnten diese Mandatsträger sich vorstellen, den Schallschutz an der Decke mit vereinten Kräften selbst zu entfernen. Und auch für ein besseres Aussehen der dann nackten Betonfläche gab es im Sitzungsverlauf unverhoffte Hilfe. Der weit über die Grenzen der Einheitsgemeinde bekannte Graffiti-Künstler Mathias Täger aus Oebisfelde bot sich an, zusammen mit anderen Sprayern der Tunneldecke „einen farbigen Himmel zu geben“. Eine Offerte, die eine einvernehmliche Zustimmung erhielt.

Auch Täger, der in seiner Arbeit als Künstler im öffentlichen Raum immer wieder mit Vandalismus in jeglicher Art und Weise konfrontiert wird, hält die Lösung für den Bahnhofstunnel durch den Ortschaftsrat als vielversprechend. Aus seiner Erfahrung heraus, eignete sich insbesondere der noch installierte Schallschutz „extrem gut für derartige Attacken“. „Überall, wo dieses Klientel schnell eine Möglichkeit findet, um zu zerstören, wird diese genutzt. Im Falle des Schallschutzes wurden die Zwischenräume der jeweiligen Lamellen genutzt, um dort Gerätschaften anzusetzen und abzureißen.

Täger beabsichtigt zudem, das von ihm initiierte Graffiti-Projekt im Bahnhofstunnel fortzusetzen und auch die Außenwand des Schützenheims zu gestalten.