Zukunft unklar

Nach 30 Jahren ist der Lack am Oebisfelder Einkaufszentrum ab

In Oebisfelde wurde zu Beginn der 1990er Jahre das Einkaufszentrum (EKZ) an der Magdeburger Straße auf ehemaligem Acker und Schulgarten gebaut. Das Projekt lief gut an und wurde sogar um einen Anbau erweitert. Doch nach gut 30 Jahren ist der Lack ab. Große Teile des EKZ stehen leer. Die Oebisfelder machen sich Sorgen.

Von Jens Pickert
Mittlerweile werden die Scheiben von leerstehenden Geschäftsräumen beschmiert. Zuletzt hatte vor mehreren Jahren in diesen Räumen ein Fitness-Studio sein Domizil.
Mittlerweile werden die Scheiben von leerstehenden Geschäftsräumen beschmiert. Zuletzt hatte vor mehreren Jahren in diesen Räumen ein Fitness-Studio sein Domizil. Foto: Jens Pickert

Oebisfelde - Sorgen machen sich nicht nur die Oebisfelder, sondern beispielsweise auch die Wassensdorfer. Dazu „Wir für Oebisfelde“-Stadtrat Frank Hintersdorf in der jüngsten Sitzung des Ordnungs- und Wirtschaftsausschusses: „Ich wurde von verschiedenen Wassensdorfern angesprochen, die sich Gedanken um den Edeka-Markt machen. Vor allem mit Blick auf die bauliche Situation.“ Zustimmung gab es von Ausschuss-Mitglied Silke Wolf. „Es gibt einiges, was im Haus baulich nicht mehr richtig passt“, betonte die Breitenroderin von der Fraktion Die Linke.

Auch Peter Schorlemmer kennt die Probleme. Der Hörsinger Ortsbürgermeister ist in der Verwaltung der Einheitsgemeinde Oebisfelde-Weferlingen für die Wirtschaftsförderung verantwortlich. „Es gab Pläne, dass sich Edeka erweitert. So ist der vorgelagerte Blumenladen ausgezogen. Dort wollte Edeka beispielsweise ein Cafè betreiben. Zudem sollte die Getränkeabteilung verändert werden.“ Diese Vorstellungen hätten sich alle zerschlagen. „Die Eigentümer der Immobilie, die aktuell in Luxemburg ihren Sitz haben, haben Vorstellungen, die nur auf das Geldverdienen ausgerichtet sind. In die Immobilie zu investieren oder sie weiterzuentwickeln, ist für sie kein Thema“, erzählte Peter Schorlemmer.

Dieses Agieren der Eigentümer bekam zuletzt der seit Jahren im EKZ angesiedelte Schuhmarkt zu spüren. Der Antrag des Managements der Schuhkette an die Eigentümer des EKZ auf Mietminderung wurde laut Wirtschaftsförderer Schorlemmer abgelehnt. Konsequenz: Die Schuhverkäufer, für die hauptsächlich ebenfalls der Gewinn zählt, machten dicht.

Kontaktversuche bleiben ohne Reaktion

Ihr geschäftliches Domizil im EKZ hat auch Oebisfeldes Bürgermeisterin Bogumila Jacksch. Sie betreibt dort in einem kleinen Laden eine Schneiderei. „Hin und wieder melden sich bei mir Interessenten, die sich im EKZ einmieten möchten und mich fragen, an wen sie sich wenden müssen. Ich sage ihnen natürlich die Kontaktdaten, doch die Resultate sind negativ. Teilweise gibt es nicht einmal eine Rückmeldung von den Eigentümern. Die Besitzer haben offenbar kein Interesse, die vielen leerstehenden Geschäftsräume zu vermieten“, machte die Ortschefin deutlich. Der gesamt Komplex soll ihrer Meinung nach bewusst leergezogen werden.

Peter Schorlemmer, auch seine Kontaktversuche blieben bisher erfolglos, hofft indes, dass es nicht so weit kommt. „Eventuell macht Edeka, der Mietvertrag des Unternehmens läuft noch über einige Jahre, baulich etwas selber. Doch das ist nicht sicher. Hoffnungen setzen wir momentan in einen Projektentwickler aus Berlin.“ Er könnte die Immobilie mit Investoren in der Hinterhand übernehmen. „Aber das hängt auch noch vollkommen in der Schwebe“, so der Wirtschaftsförderer.

Wenige Kilometer weiter, hinter der Aller, im niedersächsischen Velpke, Partnergemeinde von Oebisfelde, brummt es hingegen. Dort wurde vor einigen Jahren das bereits bestehende Einkaufsareal noch um weitere Geschäfte großzügig erweitert. Auch viele Oebisfelder sind dort täglich anzutreffen. Ein Grund, warum das OK- oder BK-Kennzeichen auf den Parkplätzen oft vertreten ist, ist ein namhafter Drogeriemarkt.

„Es ist bekannt, dass sich viele Oebisfelder auch einen solchen Markt in ihrer Stadt wünschen. Möglich wäre eine Ansiedlung eines Drogeriemarktes wohl nur, wenn am EKZ Nägel mit Köpfen gemacht werden: unter einem neuen Besitzer die Komplettsanierung oder der Abriss und dann der Neubau. Doch die aktuellen Eigentümer, die diesbezüglich bislang keine Ambitionen in diese Richtung signalisiert haben, haben die Hände drauf“, machte Peter Schorlemmer deutlich.

Seit knapp 30 Jahren steht das Einkaufszentrum an der Magdeburger Straße. Hauptmieter ist der Edeka-Markt. Nach guter Auslastung in den ersten Jahren stehen aktuell viele Geschäftsräume leer.
Seit knapp 30 Jahren steht das Einkaufszentrum an der Magdeburger Straße. Hauptmieter ist der Edeka-Markt. Nach guter Auslastung in den ersten Jahren stehen aktuell viele Geschäftsräume leer.
Foto: Jens Pickert