Oebisfelde l Die Arbeiterwohlfahrt (AWO) bietet diese Anlaufstelle an, um werdenden Müttern kurze Wege für Beratungen, Informationen und Hilfe beim Ausfüllen von Formularen anbieten zu können. Am Donnerstag eröffnete AWO-Mitarbeiterin Madlen Breyer den Service in der Bahnhofstraße 26 a. Das Gesicht dieser AWO-Beratungsstelle ist Sozialarbeiterin Madlen Breyer. Sie ist zukünftig die Ansprechpartnerin für „Frauen, die ihr Kind noch unterm Herzen tragen“, oder sich mit dem Thema Familienplanung befassen und professionelle Hilfe benötigen. „Die kann und ist bei den allermeisten Beratungssuchenden vielschichtig. Und ohne eine fundierte Hilfe würden diese werdenden Mütter auf sich allein gestellt sein“, weiß die AWO-Fachfrau aus ihrer fünfjährigen Beratungstätigkeit in Haldensleben.

„Mit der Schwangerenberatung in der Bahnhofstraße 26 a verfügt die Arbeiterwohlfahrt über eine Top-Adresse in Oebisfelde. Dort unter einem Dach des Systemischen Instituts Lebensnah befindet sich bereits die Außenstelle der Drogen- und Suchtberatungsstelle des Paritätischen Wohlfahrtsverbands Haldensleben. Mit dem Service der AWO-Schwangerschaftsberatung ist faktisch ein soziales Zentrum in Oebisfelde entstanden, das regional seinesgleichen sucht, wurde im Gespräch mit Madlen Breyer und Antje Rein vom Institut deutlich.

Anfragen

Anfragen bei allen drei Beratungsstellen zeigen, dass der Bedarf dafür mit großer Bandbreite besteht.

Dass die AWO-Beratungsstelle für Schwangerschaft und Familienplanung nunmehr auch in Oebisfelde präsent ist, basiert auf Erkenntnissen und Annahmen. Madlen Breyer: „Wir haben in Haldensleben pro Jahr zirka 100 Beratungen mit Schwangeren, auch aus der Oebisfelder Region. Wir wissen aber, dass viele schwangere Frauen von dort auch ihre Informationen und Beratungen in Niedersachsen suchen.“ Insbesondere fahren diese Frauen mit ihren Anliegen nach Wolfsburg und Helmstedt. Der Grund dafür liege in den allermeisten Fällen auf der Hand, wie Breyer einschätzt: Aufgrund von finanziellen Nöten wird das nächstgelegene Hilfsangebot angesteuert. „Eine Bus- oder Zugfahrt ist bei vielen dieser Frauen einfach finanziell nicht drin“, sieht die AWO-Fachfrau das neue Angebot in Oebisfelde als Hilfe zur Selbsthilfe für diese Zielgruppe an.

Diese Auffassung vertritt ebenfalls Oebisfeldes Ortsbürgermeisterin Bogumila Jacksch (UWG), die mit einer Grünpflanze unterm Arm zum Einzug der AWO-Schwangerenberatung gratulierte. Selbst war die dreifache Mutter, wie sie sagte, echt neugierig, was an Hilfe angeboten werden kann. Als sie damals zum ersten Mal schwanger war, da gab es noch keine Schwangerschaftsberatung.

Jacksch: „Glücklicherweise haben sich die Zeiten geändert. Die Beratungsstelle in Oebisfelde ist ein wichtiger Zugewinn für die Stadt und die Dörfer. Auch der Unterversorgung bei Fachärzten und Hebammen in Oebisfelde muss begegnet werden.“

Auch nach Ansicht von Mad­len Breyer trägt das Schwinden von Fachärzten dazu bei, dass bei der Schwangerschaftsberatung Mütter schnell in ein Informations-, Beratungs-, und Betreuungsdefizit geraten können. Und das wächst proportional mit dem sozialen Status, weiß die Fachberaterin. Werdende junge Mütter fehlt auch oft das Hintergrundwissen, um die Schwangerschaft mit all den sozialen und finanziellen Folgen zu erfassen. Zerbricht die familiäre Bande und wird die werdende Mutter zur Alleinerziehenden, kann schnell eine Notsituation eintreten, die ohne eine fachlich abgefederte Beratung nicht zu bewältigen sei, sagt Breyer. Deshalb rät sie schwangeren Frauen, die Beratung aufzusuchen und dort die Hilfsangebote zu nutzen, die individuell für den Lebensalltag das Mutter-Kind-Glück mit ihrem neuen Erdenbürger ermöglichen können.