Oebisfelde l Die 43-jährige verheiratete Mutter von drei Kindern, berufstätige Diplom-Psychologin, Familientherapeutin und Multi-Familientherapeutin hält ihr Alltags- und Berufsleben nach dem für sich selbst festgelegten Leitspruch „Alles eine Frage der Definition“ fest in den eigenen Händen. Eine Regel, die hilft, die häufig schwierigen Therapien für Patienten im Kindesalter auf der Arbeitsstelle in einer Salzwedeler Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie Salzwedel zu bewältigen. Dort und auch zu Hause arbeitet sie in leitender Funktion, wie sich Natalie Harms mit einem milden Lächeln selbst beschreibt.

Geboren und aufgewachsen ist die seit 2012 mit der Familie in Oebisfelde lebende Natalie Harms in der 1,2 Millionen Einwohner zählenden russischen Metropole Tscheljabinsk im südlichen Ural. Dort studierte sie auch die Fachrichtung „Psychologie in Bildungseinrichtungen“. Im Wege eines Studienbesuches kam sie 1996 zum Praktikum nach Köln, lernte ihren heutigen Ehemann kennen, mit dem sie vier weitere Jahre eine innige Freundschaft pflege, um Ende 2001 mit ihm in Aachen eine Familie zu gründen.

Damit sie in Deutschland in ihrem Beruf arbeiten durfte, musste sie nochmals Psychologie an der Universität Aachen studieren. Wie Harms sich erinnert, war sie dort damals überhaupt die erste ausländische Studentin in diesem Studienfach. Was ihr dieses Studium erleichterte, wie sie betont, war das bereits vorhandene Wissen und umfangreiche Kenntnisse der deutschen Sprache, die sie als Wahlfach in der Schulzeit in Tscheljabinsk ausgewählt hatte.

Gefragt nach ihrer Zuordnung von Heimat, meinte Harms, dass dieses Gefühl bei ihrer Familie angesiedelt ist, also in Oebisfelde, wohin die Familie von Aachen im Jahre 2012 gezogen ist. Selbstverständlich sei sie von großer Freude erfüllt, wenn die Familie Harms jedes Jahr die Eltern im fernen und doch immer noch vertrauten Tscheljabinsk besucht. Ein Flug von über vier Stunden. Ist ein Zwischenstopp in Moskau vonnöten, können es auch durchaus zehn Stunden und mehr werden.

Doch zurück in heimische Gefilde und zum Beruf von Natalie Harms: Täglich bricht sie von Oebisfelde nach Salzwedel zur Arbeit auf – mit dem Auto, weil es praktischer ist. Dort in der Tagesklinik arbeitet sie als psychologische Leiterin einer Familientagesklinik, therapiert Patienten bis zu einem Alter von zwölf Jahren.

Therapie im Miteinander

In den allermeisten Fällen trifft Harms auf Kinder, die an unterschiedlichsten psychischen Krankheiten und Verhaltensstörungen leiden – darunter auch Autisten. Sie behandelt Kinder mit Schlaf-, Ess- oder Wahrnehmungsstörungen, geht auf Depressionen wie Fehlverhalten in der Alltagsbewältigung und in der Schule ein. Häufig müsse zunächst mal eine fruchtende Kommunikation zwischen kindlichem Patienten und Eltern gefunden werden. Das gelte auch für Trennungskinder und deren Eltern, weil der Therapieansatz nur im Miteinander funktioniert, so Harms.

Doch all diese täglichen Herausforderungen kann Natalie Harms zuhause ausblenden. „Die Beziehungsebenen stimmen bei der Familie Harms. Ich nehme mir für alle Erfordernisse in Beruf und Familie die notwendige Zeit. Letztendlich hilft es mir, um meine Freiräume auch zu nutzen.“ Das wird auch respektiert, weil alles, was sie sie unternimmt, als ihre ganz persönliche Zeit ansieht. „Vielleicht ist das mein Erfolgsrezept. Wie gesagt: alles eine Sache der Definition“, versichert Natalie Harms.

In der Serie „Taffe Frauen“ wurden bislang Bettina Klinnert aus Rätzlingen im Juli, Susanne Sass aus Bösdorf im August, Susanne Gätzschmann aus Oebisfelde im Oktober, Sigrun Klose aus Oebisfelde im Dezember und Anika Gerchel aus Detmerode im Januar vorgestellt. Sollten Sie ebenfalls eine taffe Frau kennen, melden Sie sich doch bitte telefonisch unter 039002/98 48 98 oder auch gern per E-Mail: info.volksstimme@vsoebisfelde.com