Oebisfelde l Alle fünf Qualifikanten waren mit ihren Präsentationen im Vorlesen durchweg zufrieden. Kleinere „Hänger“ im Textfluss oder bei der Aussprache von Wörtern beim Vorlesen von ihnen unbekannten Texten, die werteten die Sechstklässler „als nicht so tragisch“. Letztendlich war es Lena Doreen Bosdorff aus der 6 a, die nach Auffassung der Jury die beiden besten Vorlese-Präsentationen an den Tag legte. Sie hat sich als nächstes Ziel vorgenommen, beim Kreis-entscheid in der Haldenleber Kulturfabrik die Farben der „Drömlingschule“ zu vertreten.

Die Aussagekraft des Vorlesens beruht auf den Wertungen einer breiten Jury-Meinung. Zu diesen Bewertern gehörten Schulleiterin Kerstin Grimm-Neubauer, deren Stellvertreterin Sabine Ende, Schulsozialarbeiterin Käthe Beileke, vom Schülerrat Benjamin Klaus sowie die Leiterin der Stadtbibliothek Annegret Schumann und die Oebisfelder Buchhändlerin Marlis Hoffmann. Eine Jury also, die zu dem Bewertungskatalog auch individuelle Fachkenntnisse in die jeweilige Bewertung einfließen lassen konnte.

Die Aufgabenstellung war im ersten Vorlese-Durchgang für Bosdorff, Marika Lemke, Jeremy Michler, Hanna Bayerke und Niklas Pätz eine „leicht zu wuppende Sache“. Alle Teilnehmer lasen Auszüge aus ihnen vertrauter Lektüre. Die Anforderungen im zweiten Durchgang lagen mit dem Vorlesen von unbekannten Textpassagen ungleich höher.

Der an sich selbst gestellte Erfolgsdruck, noch dazu die Hürde vor den eigenen Klassenmitgliedern vorzutragen, hinterließ hörbare Spuren. Die auffallendste Folge davon war, dass die vortragenden Schüler immer leiser und monotoner in der Aussprache wurden. Deutschlehrerin Jana Dörschmann, die auch den öffentlichen Vorleseabend der Schule am Donnerstag, 6. Februar kommenden Jahres, von 18 bis 20 Uhr organisiert, sieht beim Vorlesen am Dienstag dann auch den Erfolgsdruck als Ursache. Aber auch die Kulisse sowie sicherlich zu wenig angewandtes lautes Lesen und vielfach das häusliche Umfeld, gepaart mit den modernen Medien, nennt sie als Gründe für eine zu verbessernde Lesekompetenz.

Nach Auskunft von Schulleiterin Grimm-Neubauer erhalten die Sechstklässler wöchentlich fünf Stunden Deutsch-Unterricht. Das Vorlesen hat dabei seinen Stellenwert, weil eine optimale Nutzung der deutschen Sprache unter anderem die Grundlage für das Erlernen von Fremdsprachen ist. Hoffmann sieht die Überflutung durch Unterhaltungsmedien mit als Grund dafür an, dass die Nutzung von Sprache bei jungen Menschen immer mehr in den Hintergrund gerät. „Kein guter Trend“, meinte Hoffmann.