Oebisfelde l Andrea Ritter hortet die Fundsachen, die von Eheringen bis zum Trekkingfahrrad reichen. Die Schatzkammer des Fundbüros füllt sich auch zu Beginn diesen Jahres wieder zusehends, wie Andrea Ritter berichtet, während sie immer mehr Kleinteile aus der Aufbewahrungsbox hervorholt. Allesamt fein säuberlich beschriftet werden die Kleinteile in Plastiktüten aufbewahrt.

Die Masse dieser Fundsachen besteht aus Schlüsseln. Ob zum Öffnen von Haustüren oder elektrischen Garagentoren oder solche für Fahrradschlösser, auch Autoschlüssel mit Fernbedienungsfunktion gehören zu den Fundstücken. Die allermeisten dieser Schlüssel liegen schon über Wochen im Fundbüro. „Die Besitzer haben die Schlüssel wohl schon abgeschrieben, frei nach dem Motto ,aus den Augen, aus dem Sinn‘“, mutmaßt Ritter.

Für die Mitarbeiterin der Stadtverwaltung bleibt es unerklärlich, wie jemand, der einen Autoschlüssel verloren hat, nicht einmal beim Fundbüro nachfragt, ob der Schlüssel dort abgegeben wurde.

Auch kann sie sich nicht erklären, weshalb Brillen wochenlang liegen bleiben, manche sogar überhaupt nicht aus ihrem Büro abgeholt werden. „Diese Brille beispielsweise ist neuwertig und mit wertigen Gläsern versehen. Mir leuchtet es nicht ein, dass der Eigentümer diesen Verlust nicht bemerkt hat. Aufgrund der Sehschärfe der Gläser geht das eigentlich gar nicht“, schmunzelt Ritter. Aber diese Brille ist bei Weitem nicht die einzige Sehhilfe, die als Fundsache abgegeben wurde.

Wofür manche Menschen sprichwörtlich Himmel und Hölle bei einem Verlust in Bewegung setzen würden, auch diese Objekte kann Andrea Ritter als Fundobjekte vorweisen: Eheringe. Das solche „Heiligtümer“ überhaupt länger als eine Woche bei ihr in der Obhut sind, dass stimmt sie doch nachdenklich. „Wir haben sogar den Fall, dass ein mit Vornamen gravierter Ehering abgegeben wurde. Bislang konnte der Eigentümer nicht ausfindig gemacht werden“, so Ritter. „Also, die Stadtverwaltung macht sich nun nicht gezielt auf die Suche. Aber mit dem Quäntchen Glück erhalten wir Kenntnis von solch einer Person. Nach diesem Ring hat aber bislang niemand angefragt“, bedauert Ritter.

Im Angebot hat das Fundbüro der Kommune Oebisfelde-Weferlingen zudem Sporttaschen, Handtaschen und sogenannte Outdoor-Bags. Allerdings finden die, bis auf Handtaschen, in aller Regel schnell wieder ihren Besitzer oder ihre Besitzerin, weiß Ritter. Meist kommen die Taschen ohne Inhalt beim Fundbüro an. Das gilt auch für Geldbörsen. Ein besonders ärgerlicher Verlust. Wenn auch in den allermeisten Fällen nur kleinere Bargeldbeträge fehlen, wiegt der Verlust und damit verbunden die Wiederbeschaffung von Dokumenten wie Personalausweis, Führerschein oder Bankkarte weitaus schwerer.

Die bisher bemerkenswertesten Fundstücke waren eine sogenannte Citytasche, deren Inhalt eine täuschend echt wirkende Nachbildung der Oscar-Statue war. Eine Touristin hatte diese Tasche aus Unachtsamkeit in der Stadt stehen lassen. Doch einer ihrer ersten Wege bei der Suche führte die Frau ins Fundbüro.

Ein anderes Utensil ist eine knallig-orange Steppweste samt Handschuhen in Damengröße. Die neuwertigen und gepflegten Fundstücke müssten eigentlich die Besitzerin animieren, sich auf die Suche danach zu machen. So würde jedenfalls Andrea Ritter bei solch einem Verlust handeln. Das gilt auch für die Fundräder, die sich mittlerweile stapeln. Darunter befindet sich auch ein Trekkingrad, das so gut wie neuwertig ist. Doch auch nach diesem Hingucker wird nicht angefragt.

Wie Andrea Ritter informiert, müssen Fundsachen ein halbes Jahr aufbewahrt werden. Dann dürfen sie einer Weiterverwertung zugeführt werden. Das gilt für Eheringe, Brillen, Fahhrräder wie auch für alle anderen Fundstücke, heißt es von Ritter.