Breitenrode l Eine schier unendlich erscheinende Anzahl dieser Weiden sorgt dort für diese Charakteristik. Die Verwaltung des Biosphärenreservats Drömling bemüht sich, den Bestand zu pflegen. Das allerdings ist ein stetiges Unterfangen, das nur dank freiwilliger Helfer von Erfolg gekrönt ist.

Erneut trafen sich deshalb über 60 freiwillige Helfer nahe Breitenrode, um die professionelle Kopfweidenpflege zu unterstützen. Eine Pflege dieses Baumbestands ist wichtig, weil die landschaftstypischen Weiden mit zunehmendem Wachstum auseinanderbrechen würden, informierte Sabine Wieter. Sie hatte den organisatorischen Ablauf bei den Pflegearbeiten für die Verwaltung des Biosphärenreservats übernommen. „Kopfweiden prägen nicht nur ein Landschaftsbild, sie sind, noch wichtiger, wertvoller Lebensraum für über 200 Tierarten, darunter Eulen und Spechte, aber auch zahlreiche Insekten“, erläuterte Wieter den Helfern vor Ort. Außerdem sind die knorrigen Bäume eine der ersten Nahrungsquellen im Jahr für gleich eine Vielzahl an Insekten, darunter auch die Honig- und Wildbienen, ergänzte sie.

Eine andere Einsatzmöglichkeit von Weidenruten besteht darin, die Stecklinge wieder zu pflanzen, um so neue Weiden heranwachsen zu lassen. Alle Weidenruten, die nicht mehr benötigt wurden, kommen in den Schredder, um später auf den Wegen im Außengelände des Informationshauses Kämkerhorst als natürliches Füll- und Ausgleichsmaterial verwandt zu werden.

Früher Flechtmaterial, heute Schreddergut

Dass durch den Schnitt gewonnene Rohmaterial wurde bis weit nach Kriegsende als Flechtmaterial für Körbe und andere Behältnisse verwandt, berichtete Wieter. Bis heute werden Weidenruten noch für solche Zwecke genutzt, allerdings in der Häufigkeit nur noch als Hobby.

Im Verlauf der Aktion nahe Breitenrode wollten Junior-Ranger und an der Bienenzucht interessierte Bewohner der Lebenshilfe Altmark West und der evangelischen Stiftung Neinstedt die Ruten nutzen, um Bienenkörbe zu reparieren, die sie dann in ihren Wohnheimen und auf dem Gelände des Informationshauses Kämkerhorst aufstellen wollen. Neben Informationen über solche herkömmlichen Behausungen konnten Besucher von den Bienenfreunden erfahren, wie früher die Imkerei funktionierte und wie Bienenhonig heutzutage gewonnen wird.

Diese Kopfweidenpflege brachte dann auch zwischenmenschliche Kontakte hervor. So beteiligten sich Eltern und deren Kinder von der Kindertagesstätte aus Wegenstedt an der Weidenpflege. Sie nahmen sich als Lohn für ihre Mühen ein paar Ruten für den Bau von Tipi-Zelten mit.

Unter den Freiwilligen waren neben den Bewohnern der drei Wohnheime der Lebenshilfe Altmark West und aus den Wohnheimen Etingen und Calvörde der evangelischen Stiftung Neinstedt auch Beschäftigte der Lebenshilfe Wolfsburg, zu der seit zwei Jahren ebenfalls eine Kooperation mit der Verwaltung des Biosphärenreservats Drömling besteht. Mit von der Partie waren zertifizierte Natur- und Landschaftsführer und Junior-Ranger.

Weil frische Luft auch hungrig macht, hatten zwei Frauen aus Rätzlingen reichlich Schnitzel gebraten und Salate zubereitet, damit alle Helfer satt und wieder gestärkt den Heimweg antreten konnten, hatte Sabine Wieter auch für diese Unterstützerinnen der Aktion ein dickes Lob übrig.