Kampf den Glimmstengeln

Workshop in Oebisfelde zeigt Jugendlichen die Gefahren beim Qualmen

Welche Folgen kann der Konsum von Tabak auf den menschlichen Körper und auf die Umwelt haben? Das waren zentrale Inhalte eines Workshops der Jugendbegegnungsstätte Oebisfelde in Kooperation mit dem Paritätischen Wohlfahrtsverband Börde zum Weltnichtrauchertag.

Von Harald Schulz
Teilnehmer des Tabak-Workshops von der Jugendbegegnungsstätte mit Referentin Martina Engelhard-Oxe (rechts).
Teilnehmer des Tabak-Workshops von der Jugendbegegnungsstätte mit Referentin Martina Engelhard-Oxe (rechts). Fotos: Harald Schulz

Oebisfelde - Das Rauchen von Tabakwaren ist in Sachsen-Anhalt aktuell auf dem Rückzug. Das Bundesland führt sogar bei diesem Ranking bundesweit. Allerdings, und auch darüber informierte Referentin Martina Engelhard-Oxe vom Paritätischen Wohlfahrtsverband Börde am Montag, greifen immer noch viel zu viele junge Menschen zur Zigarette, vergiften schleichend Organe bis hin zu kompletten Zellstrukturen. Das führt zum Entstehen verschiedenster Krankheiten, wie beispielsweise Krebsleiden der Lunge, des Kehlkopfes, der Lippen oder der Zunge. Aber Rauchen fordert den gesamten Körper heraus.

Die Referentin für Suchtprävention beim Paritätischen in Haldensleben setzte im Verlauf des Workshops nicht auf ein Schockieren der Teilnehmer. Vielmehr verdeutlichte sie, welche Folgen dieses bislang immer noch in weiten Teilen der Bevölkerung verkannte Gefahrenpotenzial des Rauchens haben kann. Dass die Gefahren von Tabakkonsum erst in der jüngeren Vergangenheit öffentlich ernster genommen werden, liegt auch mit an Verboten des Gesetzgebers, für das Rauchen zu werben. Auch die öffentliche Information über die Gefahren durch das Rauchen hat zugenommen, nicht nur auf den Zigarettenschachteln selbst.

110.000 Menschen sterben pro Jahr durchs Rauchen

Statistiken belegen, dass durch das Rauchen jedes Jahr über 110.000 Menschen in Deutschland versterben. Eine Folge, die mit dem Konsum von Tabakprodukten direkt in Verbindung gebracht werden kann. Rund 3300 Menschen sterben zudem Schätzungen zufolge jährlich indirekt durch Aufnahme von Tabakrauch.

Zu den zahlreichen Inhaltsstoffen von Zigaretten, Zigarillos, Zigarren und Pfeifentabak gehört das Nikotin. Ein Stoff, der insbesondere als Rauch hauptverantwortlich für die Wirkungen der Tabaksucht ist, wie bereits Forschungen in den 1920er Jahren aufgezeigt haben.

Ein anders gelagerter Sucht schaffender Faktor, insbesondere bei Jugendlichen, ist nach Erkenntnissen von Engelhard-Oxe, die Gruppendynamik. Jugendliche unterliegen sehr häufig diesem Zwang, „mit dazu gehören zu wollen“, erläuterte sie. Vordergründige Anmache gegenüber vermeintlich schwächeren Gruppenmitgliedern führten immer wieder „zu der ersten Zigarette“, wie auch zum Einstieg in die Drogenabhängigkeit.

Wie die Präventionsfachkraft bedauerlicherweise ebenfalls immer noch erkennen muss, sind es oftmals gerade die Eltern, die Rauchen im eigenen Umfeld als Selbstverständlichkeit ansehen. Dabei lassen sie oft jegliche elterliche Fürsorge vermissen, rauchen in der Wohnung oder im Auto, selbst wenn die Kinder mit anwesend sind. „Deutschland gibt da kein gutes Beispiel. Die gesetzlichen Maßnahmen sind und werden zu lasch gehandhabt. Das ist beispielsweise in Norwegen komplett anders. Da ist das Rauchen im Auto nicht erlaubt“, kritisiert Martina Engelhard-Oxe.

E-Zigaretten bergen Gesundheitsrisiken

Welche Folgen das Rauchen von sogenannten E-Zigaretten haben kann, ist umstritten, weil noch nicht ausreichend wissenschaftlich dokumentiert. Die meisten Liquids enthalten schädigendes Nikotin. Außerdem kann das Krebsrisiko erhöht werden. Das Alkaloid ist in Deutschland zwar als Liquidzusatz auf 20 Milligramm pro Milliliter begrenzt, was aber nichts an der gesundheitsschädlichen Wirkung ändert. Weitere gesundheitliche Schäden durch E-Zigaretten führen Wissenschaftler auf die Chemikalien zurück, die durch das Verdampfen der Flüssigkeit entstehen. Somit birgt das Rauchen von E-Zigaretten ohne Nikotin wohl ebenso gesundheitliche Gefahren.

Zurück zum Workshop: Wie leichtfertig Menschen mit den Überresten beim Rauchen der Umwelt gegenüber umgehen, dokumentierten die Workshop-Teilnehmer durch einen Praxistest. Binnen kurzer Zeit hatten sie ein proportional dem menschlichen Fuß und Unterschenkel gleichgroßes gläsernes „Raucherbein“ bis zum Kniegelenk mit Zigarettenkippen gefüllt. Dafür waren sie auf der Strecke von der Jugendbegegnungsstätte bis zum Einkaufszentrum an der Magdeburger Straße unterwegs.

Diese Menge an Zigarettenkippen kam binnen kurzer Zeit zusammen, nachdem sich die Workshop-Teilnehmer zwischen der Jugendbegegnungsstätte undd dem Edeka-Markt auf die Suche gemacht hatten.
Diese Menge an Zigarettenkippen kam binnen kurzer Zeit zusammen, nachdem sich die Workshop-Teilnehmer zwischen der Jugendbegegnungsstätte undd dem Edeka-Markt auf die Suche gemacht hatten.
Foto: Harald Schulz