Oebisfelde l Wenn bis zum Abflugzeitraum ab Mitte August keine Ausfälle beim Storchennachwuchs der Brutsaison 2019 im Drömling zu beklagen sind, werden sich insgesamt 88 Jungstörche auf dem Weg in südliche Gefilde, also über Spanien oder die Balkanländer auf den afrikanischen Kontinent, in die Lüfte erheben. Zahlreiche von ihnen begnügen sich mit kürzeren Strecken, überwintern noch auf europäischen Böden.

Adebare nicht immer standorttreu

„Seit Störche mit Logger-Sendern bestückt werden können, gelingt es immer besser, das Verhalten der Großvögel zu erforschen. So manche Annahme musste schon korrigiert werden“, heißt es vom Storchenbeauftragten Sender. Was der Storchenexperte meint, sind nachgewiesene Beobachtungen, die belegen, dass Störche durchaus die Partner wechseln. Auch sind die Zugvögel in aller Regel standorttreu, doch es wurden auch Störche erkannt, die sich immer wieder andere Gebiete fürs Brutgeschäft aussuchen.

Zurück zum Brutjahr 2019 im Drömling: Storchenexperte Sender sieht als Gründe für den zum Vorjahr verminderten Bestand an Jungstörchen gleich mehrere Faktoren. Zum einen sind es die Witterungsbedingungen in Verbindung mit dem Nahrungsvorkommen. Will heißen, dass die stets früh im Jahr aus den spanischen Regionen ankommenden Störche zwar unmittelbar nach dem Besetzen des Nestes zu brüten beginnen, aber die Eiablage aufgrund der Kälte und des zu geringen Nahrungsangebots auf bis zu drei Eier begrenzen.

Die Störche, die etwas später über den Balkan zurückkehrten, haben den Vorteil, dass es eigentlich immer schon wärmer ist, damit auch die Nahrungsquellen üppiger ausfallen. Es werden auch mehr Eier für die Brut gelegt. Also erfolgte bislang immer ein natürlicher Ausgleich der Storchenpopulation, erläutert Sender.

Alttiere mussten viel Kraft investieren

In diesem Jahr war vieles anders, als die Störche in den Jahren zuvor gewohnt waren. Das grundsätzliche Problem bestand darin, dass Futter auf Grund der Trockenheit fehlte. „Da Störche ihre Beute nicht zerkleinern können, müssen Küken mit Würmern, Heuschrecken und anderem Kleingetier gefüttert werden. Das kam aber im Frühjahr aufgrund der Kälte in zu geringen Mengen vor“, erläutert Sender. „Weil es auch weiterhin zu trocken blieb, mussten die Altstörche vermehrt Zeit und Kraft investieren, damit die Jungen die notwendige Nahrungsmenge erhalten, um im Optimalfall pro Tag das Doppelte an Körpergewicht zulegen zu können“, erklärte der Storchenbeauftragte. Dazu kommt die Tatsache, dass die Jungtiere in Intervallen schlüpfen, was bedeutet, dass auch beim Fressen eine Hackordnung besteht. Es kann passieren, dass Jungstörche mangels Nahrung verstoßen werden. Passiert der Schlupf zu spät, um flügge zu werden, wurde beobachtet, dass Altvögel das Küken vertilgen, weiß Sender.

Andere Gefahren drohen Jungtieren durch Angriffe von Greifvögeln, aber auch durch Kämpfe von arteigenen Altvögeln um einen Nistplatz. Sender hat schon erbitterte Kämpfe um einen Nistplatz beobachten können. Wird ein Horst auf diese Weise neu besetzt, ist das alte Gelege verloren, was auch für Küken gilt.

In diesem Brutjahr kein Nest mit fünf Jungen

Eine andere Bedrohung geht von vagabundierenden Jungstörchen aus. Die brüten nicht, sondern haben es darauf abgesehen, Nester für kurze Zeit zu besetzen. Auch dabei kommt der dort lebende Nachwuchs in aller Regel durch die Brutalität der Besetzer ums Leben.

Das Fazit für den Storchennachwuchs 2019 ist dann ernüchternd: Nach den Aufzeichnungen Senders hat es kein Nest mit fünf oder vier Jungstörchen gegeben. Die Norm bestand in Vorkommen von 16 Nestern mit drei Jungtieren, in 17 kontrollierten Nestern wurden jeweils zwei Jungtiere entdeckt und sechs Mal blieb es bei einem Adebar-Paar bei einem Jungtier. Was Sender ebenfalls auffiel, war, dass 14 Storchenpaare überhaupt nicht gebrütet haben. „Wichtig wäre jetzt für die Störche, dass sie noch ausreichend Futter finden, um die Strapazen des Rückfluges in den Süden kompensieren zu können“, hofft Sender auf Regen für feuchte Flächen.