Eilsleben l 2,16 Millionen Euro stehen für den Breitbandförderbereich Obere Aller zur Verfügung. Den Zuwendungsbescheid hat die Verwaltung bereits Anfang Mai von der Investitionsbank Sachsen-Anhalt erhalten. Ihre Eigenanteile haben die Gemeinden in den vergangenen Monaten haushaltstechnisch eingestellt, „sodass dem Breitbandausbau bei uns nichts mehr im Wege steht“, sagte Verbandsbürgermeister Frank Frenkel beim Treffen der Beteiligten in Eilsleben. Und weiter: „Ich hoffe natürlich, dass wir uns auf die heute hier geäußerten Zusagen der Unternehmen verlassen können.“

Direkter Partner der Verbandsgemeinde ist der Magdeburger Telekommunikationsanbieter MDDSL, der schon für die DSL-Grundversorgung in weiten Teilen der Oberen Aller verantwortlich war. Das Unternehmen hat nun auch den Zuschlag für die geförderte Netzherrichtung der nächsten Generation (NGA) bekommen. Geschäftsführer Andreas Riedel: „Zusammen mit der Verbandsgemeinde und dem Planungsbüro sind wir ja schon länger mit dem Projekt befasst. Die Planung ist so gut wie abgeschlossen, wir können bald in die Ausführung gehen. Die Obere Aller ist eines der großen Bauprojekte, das wir vor der Brust haben.“

Telekom zieht 2018 nach

Laut Riedel erfolge der Tiefbau in Eigenregie unter Nutzung moderner Verfahren. „Das ermöglicht uns ein schnelles Vorankommen, ohne ganze Straßen und Wege aufreißen zu müssen.“ Bis Jahresende, so das hehre Ziel, soll das Fördergebiet von Drackenstedt bis Ohrsleben leitungstechnisch erschlossen sein. „Bei der Netzkopplung – diese ist fürs erste Quartal 2018 vorgesehen – sind wir dann auf die Telekom angewiesen. Die reelle Anschlussnutzung für Bürger und Betriebe wäre dann zum zweiten Quartal möglich, also in etwa einem Jahr“, so Riedel.

Die Telekom selbst ist der zweite Ausbaupartner in Sachen NGA-Breitband, der indirekte. Sie ertüchtigt das Netz in den Orten, die nicht von der Breitbandförderung profitieren können. „Das hat mit der Förderrichtlinie des Bundes zu tun“, erklärte Frank Frenkel. „Die Telekom hat jedoch deutlich bekundet, den Eigenausbau in den betreffenden Gebieten – schwerpunktmäßig sind das Harbke, Wefensleben und Marienborn – anzugehen.“

Das bestätigte Joachim Fricke, Telekom-Projektleiter für Breitbandausbau in Sachsen-Anhalt, in der Eilsleber Runde nochmals: „Wir treiben den Ausbau ohne Fördermittel voran. Die drei Orte sind in diesem Jahr in die Planung aufgenommen worden. Wir müssen dort die Glasfasern hinziehen, das Netz umbauen und die Hausanschlüsse verändern. Das soll bis Ende 2018 erfolgen.“ Auf Nachfrage von Harbkes Bürgermeister Werner Müller, wie sicher diese Aussage sei, antwortete Fricke: „Ganz sicher.“

Schnelle Leitung nur via Glasfaser

Somit wäre die Obere Aller 2019 flächendeckend breitbandbereit für Internetanschlüsse, die bis zu 50 Mbit stark sind. „Das ist die Mindestvorgabe, die die Fördergeldempfänger erfüllen müssen“, sagte Sandra Beichert als Vertreterin des Landesministerium für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung. Das neue Netz ermögliche aber sogar Geschwindigkeiten bis zu 1 Gbit. Ob man davon Gebrauch macht, sprich mit seinem bisherigen und weiterhin nutzbaren Netzanschluss umsteigt beziehungsweise einen neuen Vertrag abschließt, entscheiden die Kunden für sich. Auch die Wahl des Netzanbieters bleibt bestehen. MDDSL-Chef Riedel nannte für sein Unternehmen die Zielmarke von 25 Prozent aller Haushalte und Betriebe, die man als Kunden mit den neuen Glasfaseranschlüssen versorgen möchte.

Egal, bei welchem Anbieter man letztlich unter Vertrag steht, „zwingend notwendig“ fürs neue Breitband sei ein Hausanschluss der Telekom. Funklösungen wie LTE werden nicht unterstützt. Die Herstellung des Hausanschlusses oder auch die Umrüstung auf Glasfaser ist dabei Sache der Hauseigentümer und nicht automatisch in der geförderten Bautätigkeit enthalten. MDDSL hat aber angekündigt, während der Netzherrichtung auch die Möglichkeit anzubieten, Glasfaserhausanschlüsse zu legen. Dazu werde es nach den Sommerferien im Rahmen von Informationsveranstaltungen nähere Auskünfte geben.

„Die Umsetzung wird ein straffes Paket“, betonte Thomas Malcher, Projektkoordinator im Verwaltungsamt Obere Aller. Aber wir sind bis hierhin gut gefahren – auch mit der Entscheidung, innerhalb der Verbandsgemeinde einen anderen, eigenen Weg einzuschlagen.“ Hintergrund ist, dass der Verbandsrat sich gegen die Alternative, dem Breitband-Zweckverband des Landkreises beizutreten, entschieden hatte. Malcher dazu: „Wir sind uns sicher, dass es für die Verbandsgemeinde der schnellere und bessere Weg war.“