Hötensleben l Die Mauer und Panzersperren weiß angestrahlt, im Halbdunkel dahinter die Silhouette des Beobachtungsturms; eine Handvoll Beamer flackert Impressionen aus der vom Grenzdenkmalverein herausgegebenen Publikation „Alles hat seine Zeit“ auf die Mauersegmente; Besucher legen Windlichter am einstigen Todesstreifen ab; auf dem Festplatz jenseits der Straße lodern Lagerfeuer, und über allem funkelt zur Krönung des feierlichen Abends ein spektakuläres Feuerwerk – so hat Hötensleben sein eigenes Mauerfalljubiläum begangen. Die Sperre gen West, zum benachbarten Schöningen, war seinerzeit erst zehn Tage nach den denkwürdigen Geschehnissen in Berlin und Marienborn aufgehoben worden.

Erinnerungen an einen besonderen Tag

„An dieses Ereignis wollten wir mit der Veranstaltung nun erinnern“, sagt René Müller, Vorsitzender des Grenzdenkmalvereins Hötensleben, „und ich denke, das ist auf sehr eindrückliche Weise gelungen. Mit so viel Zulauf hatten wir ehrlich gesagt nicht gerechnet, wir sind ja kaum hinterher gekommen mit der Versorgung der Gäste. Aber es war letztlich eine tolle Sache, ein voller Erfolg, in meinen Augen die schönste Veranstaltung dieser Art seit langem.“

Grenzöffnung zehn Tage später

Nicht nur die Hötensleber hatte der Grenzdenkmalverein mit seinen Kooperationspartnern mobilisieren können, auch etliche Gäste aus den umliegenden Orten, aus dem Magdeburger, Wolfsburger und Braunschweiger Raum füllten den Schützenplatz und zuvor schon die Bartholomäuskirche. Im evangelischen Gotteshaus wurde das Buch „Alles hat seine Zeit“ präsentiert. Schriftstellerin Johanna Straub und Fotograf Darian Weiß waren dafür im Frühjahr auf Spuren- und Erinnerungssuche im ehemaligen Sperrgebietsdorf gegangen. „Ein besonderer Grenzort“, wie die Autoren sagen, „der Interesse an seinen Bewohnern weckt, denn auch heute wohnen die Menschen in Hötensleben noch mit und an der Grenze. Wir betrachten also das, was ist, und stellen uns der Frage, wie die Vergangenheit die Gegenwart geprägt hat und weiterhin prägt, welche Spuren noch sichtbar sind“. Bei ihrer Suche sind Straub und Weiß unter anderem auf diese Aussage gestoßen: „Die letzten 30 Jahre sind vergangen wie … ich kann es gar nicht sagen, die 30 Jahre davor, die waren irgendwie länger. Und schwerer.“