Aus dem Gericht

Ampfurther Drogen-Prozess: Polizei hatte Wohnung angemietet

Die Verhandlungen im Ampfurther Cannabis-Prozess in Berlin dauern weiter an. Derzeit wartet das Gericht auf Beweisfotos einer Berliner Ermittlergruppe der Polizei.

Von Ingmar Höfgen
800 Cannabis-Pflanzen entdeckten Ermittler vor etwa einem Jahr im früheren Ampfurther Landgasthof.
800 Cannabis-Pflanzen entdeckten Ermittler vor etwa einem Jahr im früheren Ampfurther Landgasthof. Symbolfoto: dpa

Ampfurth - Kurzer Arbeitstag im schon lange andauernden Ampfurther Cannabis-Prozess: Schon nach 19 Minuten beendete Richter Mark Sautter am Freitag den 23. Verhandlungstag vor dem Landgericht Berlin. Er verlas E-Mails und polizeiliche Ermittlungsergebnisse und entließ die vier wegen Drogenhandels angeklagten Männer und ihre Anwälte in eine Sommerpause. Am 9. August geht es weiter im Strafprozess um die rund 800 Cannabis-Pflanzen, die im früheren Ampfurther Landgasthof bis zu einer Razzia im Juni 2020 heimlich gediehen.

Einige Beweismittel, die vermutlich noch spannender als die verlesene Korrespondenz gewesen wären, lagen am Freitag noch nicht bei Gericht vor. Dabei geht es um Fotos, die eine Berliner Ermittlergruppe geschossen hat und die sie nun, nach ausdrücklicher Aufforderung des Richters, auch zur Verfügung stellen will. Pikant: Sie wurden vor dem offiziellen Beginn der Ermittlungen angefertigt. „Mal gucken, was da drauf ist, und wie es dann weitergeht“, kommentierte Richter Sautter.

Auch sonst ging die Polizei wohl besser vorbereitet als zunächst bekannt an ihre Arbeit, die sie angeblich durch einige Zufälle nach Ampfurth führte: Sie hatte, wie zuletzt durch einen Hausverwalter bekannt wurde, sogar eine Wohnung angemietet. Aus dieser heraus konnte der Hauseingang des einen Angeklagten beobachtet werden. Auf diesen, so die bisherige Legende, sei man dann gestoßen, während man nach jener Person Ausschau hielt, die man laut Gerichtsbeschluss beobachten durfte.

Die Frage, wie rechtmäßig die Berliner Polizei ermittelt hat, bewegt somit nach vielen Monaten noch immer den Alltag im Ampfurther Cannabis-Prozess. Zwischenzeitlich waren die Angeklagten aus der Untersuchungshaft entlassen worden – auch, weil Polizei und Staatsanwaltschaft durch ihre Informationspolitik für den langen Prozess verantwortlich sind (Volksstimme berichtete).

Ob die Ermittlungsakte nach mehreren Monaten mit den nun erwarteten Bildern vollständig sein wird, schien auch am Freitag nicht sicher: Die vom Richter angefragte Dienststelle konnte nicht mitteilen, ob eventuell andere Dienststellen Fotos oder Videos gemacht haben. Die Anwälte wollen seit Monaten die Unverwertbarkeit der gewonnenen Erkenntnisse festgestellt wissen mit dem Ziel, dass die Staatsanwaltschaft gegen die schweigenden Angeklagten nichts in der Hand hätte.

Fragezeichen hinterließen auf der anderen Seite auch die wirtschaftlichen Verhältnisse, die die Polizei zu drei Angeklagten ermittelt hatte. Kaum Einkünfte aus Arbeitslohn, kein Grundbesitz, keine Gewerbeanmeldungen, eines oder mehrere Konten. Bei einem der Männer fand die Polizei rund 35 000 Euro und leitete ein Ermittlungsverfahren wegen Sozialleistungsbetruges ein. Das Fazit der Ermittler: Die Summe an Bargeld ist nicht erklärbar.