Gröningen/Oschersleben l Der Besatz mit Jungfischen durch die Angler ist für die Bode absolut notwendig. Der Fluss ist noch kein Gewässer, welches freien Durchgang gewährt. Allerorten sind Wehre im Weg, die für die Fische unüberwindliche Hindernisse bilden. Eine Besserung verspricht die Wasserrahmenrichtlinie der EU, wenn sie irgendwann einmal umgesetzt wird. Diese sagt aus, dass Hindernisse im Fluss beseitigt werden müssen, damit die Wasser-Lebewesen ungehindert passieren können.

Mindestens so lange müssen die Angler dafür sorgen, dass die Populationen in Flüssen wie der Bode aufrecht erhalten werden. Das Äschenprogramm der AVO-Angler läuft seit 2016 und ist mit der gestrigen Aktion abgeschlossen. In dieser Zeit sind gut 22.500 Jungfische angesiedelt worden. Wie viele von ihnen am Ende ein Leben in dem Fluss fristen können, hängt dabei vom Kormoran ab. Der hat nämlich dafür gesorgt, dass die Äschenbestände völlig zusammengebrochen sind.

„Noch in den 1990er Jahren war im Fischatlas zu lesen, dass die Bode über ein unerschöpfliches Reservoir an Äschen verfügt“, sagt der Gewässerwart des AVO, Heimo Reilein. „Der Kormoran hat den Fluss quasi leergefischt. Äschen sind Freiwasserfische und daher eine einfach Beute für den Vogel. Gerade die ziehenden Kormorane aus den baltischen Ländern haben sich bei uns gut bedient.“

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Ein Kormoran nimmt für gewöhnlich pro Tag ein Pfund Fisch zu sich. Angesichts der Menge dieser Vögel sei abzuschätzen, dass die Bode nie und nimmer genug Reserven bieten könne. „Wir haben das über Jahre beobachtet und sahen uns zum Handeln gezwungen“, sagt Reilein. „Insgesamt 22.500 Euro seien über die Fischereiabgabe in das Unternehmen geflossen. Die Besetzung ist zudem in Absprache mit dem Institut für Binnenfischerei in Potsdam erfolgt.

Die kleinen Äschen liefert an diesem Tag Stephan Hüber an. Er vertritt eine Firma, die sich mit der Aufzucht von Fischen beschäftigt. „Wir versorgen zum Beispiel auch die Bodetalsperre“, erzählt er.

Drei Experten vor Ort

Die AVO-Angler sind mit drei Experten vor Ort. Neben Heimo Reilein sind auch Schatzmeister Gerald Pomme und Vereinsmitglied Sebastian Pardeike gekommen. Die Jungfische werden mit Eimern in ihr zukünftiges Zuhause gebracht, langsam an das Wasser gewöhnt und dann in die Freiheit entlassen. Flugs verschwinden die kleinen Äschen in der Deckung, die Steine und Kies bieten.

Dieser Vorgang wird von Oschersleben bis hin nach Gröningen mehrfach wiederholt. Damit ist diese Aktion abgeschlossen. „Wir nehmen das Jahr über immer wieder Besatzmaßnahmen vor“, sagt Gerald Pomme. „Finanziert wird das auf unterschiedliche Weise. Es gibt Förderungen für bestimmte Fischarten. Oft nutzen wir aber die eigene Kasse dafür.“ So bringe der AVO auch viele geschützte Arten wieder in die Bode oder den Großen Graben. „Speziell die Äsche hat bei uns aber einen angestammten Platz, den sie künftig wieder ausfüllen soll“, fügt Reilein hinzu. Dazu kommen schon einmal Aale, Nasen, Zährten und Alande (Volksstimme berichtete).

Der Reichtum der Bode an Fischen – etwa 30 Arten sind hier nachgewiesen – sowie Kleinstlebewesen begeistert auch die Wissenschaftler. In diesem Jahr kommen daher wieder Experten der Hochschule Magdeburg/Stendal in die Börde. Dieses Mal nehmen sie Untersuchungen des Flusses bei Krottorf vor. Seit drei Jahren besteht eine Zusammenarbeit zwischen den Wissenschaftlern und den Anglern. Studenten eines speziellen Studienganges nutzen die Ausflüge, um später entsprechende Arbeiten erstellen zu können.

Der Angelverein Oschersleben und Umgebung organisiert zudem ein Gewässerseminar, welches am Sonnabend, 24, März, um 9 Uhr im Dorfgemeinschaftshaus Hordorf stattfinden solle. Themen sind die schädlichen Einflüsse des Kormorans auf die Fischbestände der Bode wie auch der negative Einfluss durch Stauhaltung und Wasserkraftanlagen.