Oschersleben l Die Wawuschels sind Fabelwesen aus dem Kinderbuch „Die Wawuschels mit den grünen Haaren“ von Irina Korschunow aus dem Jahr 1967. Aber die Wawuschels sind auch Mädchen und Jungen im Alter von null bis sechs Jahren. Sie besuchen die gleichnamige integrative Kindertagesstätte der Arbeiterwohlfahrt (Awo) in Oschersleben. Im Buch haben die winzig kleinen Fabelwesen leuchtend grüne Haare und leben in einer Höhle in einem Berg im Wald.

Da die Wawuschels aus der Oschersleber Triftstraße nicht ganz so winzig klein sind, brauchen sie mehr Platz. Die Awo möchte ihre Kita durch einen Erweiterungsbau ergänzen, sagt Awo-Chef Andreas Schmidtgen. Dort, wo sonst sieben Kinder aus der grünen Gruppe spielen und lachen, herrscht jetzt gähnende Leere. Der Raum ist fast komplett ausgeräumt. Für knapp eine Million Euro wird die Einrichtung saniert. Knapp 430.000 Euro stammen aus dem Investitionsprogramm „Kinderbetreuungsfinanzierung 2017-2020“ des Bundes. Mit 500.000 Euro bürgt die Stadt. Neben dem neuen Gruppenraum soll ein neuer Anbau entstehen. Die Fläche ist bereits vorbereitet. Am Montag rücken die Bagger und Bauarbeiter an. Auf rund 280 Quadratmetern wird Platz für 15 zusätzliche Krippenkinder geschaffen. Nach dem Umbau gibt es zwei neue Bäder. Außerdem ist vorgesehen, die räumlichen Bedingungen für die Kinderbetreuung zu verbessern. „Nur so kann nachhaltig die integrative Förderung und Betreuung insbesondere für schwerstbehinderte Kinder umgesetzt werden“, so der Vorstandschef. Motto: Inklusion so weit wie möglich, aber auch so wertvoll wie möglich. Und Andreas Schmidtgen weiß, wovon er redet. Der Awo-Vorstand hat früher einmal selbst in der Kita als Erzieher gearbeitet.

Auch bei Bürgermeister Benjamin Kanngießer (parteilos) werden beim symbolischen Spatenstich in der Kita alte Erinnerungen geweckt. Als kleiner Junge besuchte er bis zu seinem dritten Lebensjahr auch die Einrichtung in der Triftstraße. „Die Nachfrage nach Betreuungsplätzen in der Stadt ist derzeit sehr hoch“, so der Bürgermeister. Das bedeutet: Es werden dringend weitere Kapazitäten gebraucht.

Bilder

Dass sich das Problem von selbst löse, sei unwahrscheinlich. „Die Geburtenrate in unserer Stadt ist weiterhin erfreulich stabil“, so Kanngießer. Zur Erfüllung des Rechtsanspruchs müssen deshalb sowohl im Kleinkind- als auch im Kindergartenbereich die Betreuungsplätze weiter ausgebaut werden. Auch wenn in einigen Jahren ein Knick in der Geburtenrate prognostiziert werde, so stünde der Ausbau für eine hohe Qualität und eine Entlastung in der Kinderbetreuung vor Ort, sagt Kreis-Bildungsdezernent Dirk Michelmann.

Auch die derzeitige Situation komme dem Bauvorhaben entgegen. Allein durch die Mehrwertsteuersenkung könne man von einer Kostenersparnis von rund 90.000 Euro ausgehen. Auch die Ausschreibungsverfahren wurden extrem erleichtert.

Kita-Leiterin Franziska Martin freut sich auf die Zeit nach dem Umbau. Sie macht gerade eine Weiterbildung zur systemischen Therapeutin. „Die Pädagogik nach Maria Montessori unterstützt uns darin, das Kind in den Mittelpunkt zu stellen und seine Ressourcen zu erkennen“, so die 30-Jährige. Gerade für die Mädchen und Jungen mit besonderen Bedürfnissen sei es sehr wichtig, dass die Gruppen sehr klein sind. Zwischen sieben und fünf Kinder sind in solch einer Gruppe. Zusätzlich zu den Erziehern werden die Kinder immer von einem Heilerziehungspädagogen oder Heilerziehungspfleger begleitet.

Die Kita mit Integration bietet zur Zeit rund 70 Kindern mit und ohne Behinderung im Alter von null bis sechs Jahren Platz. Wenn alles glatt geht, können schon im Frühjahr 2021 neue kleine Wawuschels in die Kita einziehen. Die sieben Kinder aus der grünen Gruppe sowie die Mädchen und Jungen aus der gelben Gruppe könnten bereits im Herbst aus ihrer vorübergehenden Unterkunft in der Kita „An den sieben Bergen“ zurück kommen.