Mahnwache

AWO stellt stumme Demonstranten am Grenzdenkmal Hötensleben auf

Von Ronny Schoof
Unter anderem mit einer Reihe Playmobil-Demonstranten zog die AWO-Aktion am Grenzdenkmal Aufmerksamkeit auf sich.
Unter anderem mit einer Reihe Playmobil-Demonstranten zog die AWO-Aktion am Grenzdenkmal Aufmerksamkeit auf sich. Fotos: Ronny Schoof

Hötensleben

Stumm, doch nicht ohne Stimme waren sie am Dienstagvormittag an der Straße Richtung Schöningen am Zugang zum Grenzdenkmal versammelt: kniehohe Playmobil-Figuren, Schokoladenhasen, die als Ordner fungieren, und – um den Kitsch zu komplettieren – auch einige Gartenzwerge. „Das sind meine coronakonformen Demo-Teilnehmer, und außerdem sind sie ein echter Hingucker vor einer schönen Kulisse“, versetzt dazu Ruben Herm augenzwinkernd und wickelt lieber noch etwas Klebeband um seine Leute, auf dass sie standhaft bleiben mögen.

Es ist stürmisch, und das macht die Mahnwachensache nicht einfacher, aber Ruben Herm ist bester Laune und lächelt einfach über das bisschen Wind hinweg. Herm ist bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) für den Bereich Ehrenamtsförderung zuständig und hat in dieser Funktion in Hötensleben die „AG MeGa“ (Mauern einreißen, Grenzen abbauen) gegründet, die im Vorjahr unter anderem für die Vor-Ort-Projekte „Einheitsgraffito“ und „Rikschas mit Herz“ verantwortlich zeichnete.

Ehrenamt kann jeder

Die aktuelle Kampagne steht unter dem Motto „Schau hin. Pack an!“ und ist gezielt aufs bürgerschaftliche Engagement ausgerichtet. Wohlgemerkt, zu dessen Stärkung und in Bezug auf die AWO nicht ganz uneigennützig. Herm erklärt: „Das Ehrenamt der AWO in Sachsen-Anhalt hat viele verschiedene Gesichter. Diejenigen, die sich bisher daran beteiligen, tun dabei nicht nur etwas Gutes für sich und Einzelne, sondern machen ihren Wohnort bunt, attraktiv, vielfältig und lebenswert. Damit sich mehr Menschen diesem Beispiel anschließen, haben wir diese landesweite Aktion zur Stärkung bürgerschaftlichen Engagements im Quartier gestartet.“

Der Zeitpunkt sei dabei bewusst gewählt worden: „Wir wollen den Menschen Hoffnung in der Coronapandemie geben und aufzeigen, wieviel bürgerschaftliches Engagement trotzdem möglich ist und gebraucht wird. Gewissermaßen zwingt uns die Situation zwar dazu, uns einzuigeln. Aber das ist ja noch lange kein Grund, sich nicht irgendwie für die Gemeinschaft einzubringen“, ist Herm überzeugt.

Hühner gackern auf Schildern

Kollegin Sarah Mick vom Bezirksjugendwerk der AWO Braunschweig, das die Playmobil-Demo mit seiner Unterstützung zu einer „länderübergreifenden Mahnwache“ gemacht hat, pflichtet dem bei: „Es ist wichtig, gerade für die junge Generation immer wieder Neues auszuprobieren und dadurch jugendgerechte Angebote zu schaffen. Genau das tun wir.“

Die entsprechenden inhaltlichen, in betont lockerem Ausdruck gehaltenen Botschaften dazu trugen am Dienstag etliche kleine Schoko-Hühner mit sich. Aufmerksamkeit weckte außerdem ein mannsgroßer Kartonwürfel. „Den hat es dann gegen Mittag leider durch eine Sturmböe entschärft“, berichtet Ruben Herm, „was wahrscheinlich recht witzig aussah, als wir den auf dem Denkmalgelände wieder einfangen mussten.“