Oschersleben l Wer die einstige Eingangshalle des ehemaligen Bahnhofsgebäudes betritt, dem fallen zuerst die Fliesen an den Wänden und an den Säulen im weitläufigen Raum auf. Alfred Reichenberger, Pressesprecher des Landesamtes für Denkmalpflege und Archäologie, nennt es Nachkriegsmoderne. „Und das macht gerade das Besondere dieses Bahnhofsgebäudes aus. Errichtet von 1842 bis 1844 gibt es viele Bahnhofsgebäude dieser Art, in denen oftmals die typischen Stahlsäulen zu finden sind. Die in Oschersleben von Fliesen ummantelten Säulen hingegen sind in ihrer Art sehr, sehr selten. Deshalb gaben wir für die Sanierung des historischen Bahnhofsgebäudes die Empfehlung, die Fliesen nicht abzuschlagen und damit die Stahlsäulen freizulegen. Aber wie gesagt, es ist nur eine Empfehlung. Es kann durchaus sein, dass die untere Denkmalschutzbehörde zu einer anderen Auffassung kommt“, erklärt der Pressesprecher. Möglicherweise nur eine Säule mit den Fliesen zu erhalten, würde er als Stückwerk betrachten. Sicher müsse ein Gutachter den Bauzustand der Säulen überprüfen.

Besonders glücklich ist Thomas Harborth, Geschäftsführer der Bewos, die den Bahnhof gekauft hat und in das Obergeschoss den Firmensitz verlagern wird, mit dieser Empfehlung nicht. Zumal die Fliesenummantelung keinerlei statische Funktion hat. „Als wir die Oberlichter in das Foyer einbauten, mussten die Stahlträger so belassen werden, wie sie sind. Daher verwundert es mich jetzt ein wenig, dass die Stahlsäulen nicht frei gelegt werden sollen“, so Harborth.

Fliesenmantel hat keine Funktion

Auf Anweisung des Prüfstatikers sei die Fliesenummantelung geöffnet worden und dabei stellte sich heraus, dass der „Fliesenmantel“ keinerlei Funktion habe. Auf jeden Fall sei das Thema Säulen und Fliesen Gegenstand weiterer Diskussionen bis ein endgültiger Entwurf für das Foyer vorliegt.

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Fest steht jedoch, dass die schwarzen Fliesen an den Wänden verschwinden. Im August 2019 sollen die Sanierungsarbeiten am alten Bahnhofsgebäude beginnen. Zuvor wird das Vordach an den einstigen Bahnsteigen abgerissen. Da die Arbeiten direkt am Gleis vonstatten gehen, mussten gesonderte Genehmigungen eingeholt werden. Diese liegen alle vor.

Bekanntlich wird das historische Bahnhofsgebäude, es ist im Übrigen einer ältesten Bahnhöfe Deutschlands, in den Neubau einer Schwimmhalle einbezogen. Und nein, es ist kein Aprilscherz: Am 1. April ist Planungsstart für besagte Schwimmhalle.